Aktion Mensch-Blog

„Vernetzung ist Beziehungsarbeit“

von Bernd Biermann

Interview über die Regionalkonferenzen zum Förderprogramm Inklusion der Aktion Mensch 2013

Uwe Blumenreich Foto: Aktion Mensch

"Gemeinsam Inklusion gestalten – Ihre Idee zählt!" ist der Titel einer bundesweiten Veranstaltungsreihe, mit der die Aktion Mensch ab März 2013 weitere aktive Mitgestalter für die gleichberechtigte Teilhabe aller in unserer Gesellschaft gewinnen will. Im Gespräch mit Bernd Biermann spricht Aktion Mensch-Mitarbeiter Uwe Blumenreich über Herausforderungen eines Förderprogramms, bei dem Vernetzungsarbeit im Mittelpunkt steht.

Bernd Biermann: Mit den Regionalkonferenzen zum Förderprogramm Inklusion gehen Sie in den nächsten Wochen zum zweiten Mal auf Tournee. Welche Ergebnisse aus 2011 fließen dieses Jahr mit ein?

Uwe Blumenreich: Bei den regionalen Auftaktveranstaltungen 2011 haben wir das Förderprogramm Inklusion der Aktion Mensch zunächst einmal vorgestellt und über Möglichkeiten diskutiert, wie eine bessere inklusive Gesellschaft entstehen kann. Rund 800 Teilnehmer hatten die fünf Veranstaltungen zu diesem mehrjährigen Förderprogramm besucht und sich über Fördermöglichkeiten rund um Inklusion und Netzwerkarbeit informiert.

In diesem Jahr können wir erste Beispiele aus der Praxis vorstellen und somit konkret aufzeigen, wie das Programm wirkt. Die Erfahrung zeigt aber: Netzwerkarbeit ist eine große Herausforderung an alle Beteiligten, die Zeit braucht und einen langen Atem. Unser Ziel ist es, dass bundesweit viele nachhaltige lokale Netzwerke und Kooperationen entstehen, bei denen gemeinnützige Organisationen aus der Behindertenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, allgemein Organisationen der Zivilgesellschaft mit öffentlichen Institutionen und auch Partnern aus der Wirtschaft zusammenarbeiten. Das kann eine örtliche Lebenshilfe zusammen mit der Stadtverwaltung sein, die sich mit den örtlichen Sportvereinen und weiteren Akteuren zusammen tun und überlegen, wie Inklusion in ihrer Gemeinde gelingen kann. Damit am Ende dieses Prozesses Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport machen, an Kulturveranstaltungen teilnehmen oder sich barrierefrei im Stadtraum bewegen können.

Bernd Biermann: Eine schöne Vorstellung. Wo liegt der Haken?

Uwe Blumenreich: Wir beobachten, dass es meist ein bis zwei Jahre dauert, bis ein neues Förderangebot wie das Inklusionsprogramm bei den Antragstellern angekommen ist. Und Netzwerkbildung als Förderintention ist zunächst einmal auch relativ abstrakt, vor allem, wenn es darum geht, Inklusion vor Ort konkret zu gestalten. Da sind Kreativität und eine Vision des gemeinsamen Miteinanders in einem Handlungsfeld wie zum Beispiel Arbeit, Bildung oder Selbstbestimmung gefragt. Die Herausforderungen sind, diese in fassbare Aktivitäten und Projekte zu übersetzen, dafür die richtigen Partner zu finden und letztlich die inhaltliche Arbeit zu organisieren.

Bernd Biermann: Was braucht es, um diesen Prozess weiter anzustoßen?

Uwe Blumenreich: Wir wissen, dass deutschlandweit schon sehr viele Initiativen auf diesem Gebiet aktiv sind und es auch viele Akteure gibt, die hinter der Idee der Inklusion stehen. Wir wollen aufzeigen, dass ein gemeinsames Vorgehen auf lokaler Ebene Energien bündeln kann und Synergien schafft. Und wir wollen veranschaulichen, wie wir als Förderorganisation diesen Prozess vor Ort unterstützen. Dazu müssen wir intensiver mit interessierten Organisationen kommunizieren. Wir wollen diejenigen gewinnen, die bereit sind, diese Form von Beziehungsarbeit zu koordinieren, denn: Netzwerkarbeit ist Beziehungsarbeit. Es muss noch bekannter werden, dass wir, die Aktion Mensch, diese Form von Beziehungsarbeit fördern.

Bernd Biermann: Der programmatische Veranstaltungstitel "Gemeinsam Inklusion gestalten – Ihre Idee zählt!" ist also auch als Appell zu verstehen?

Uwe Blumenreich: ... und als Motivation. Denn in erster Linie wenden wir uns mit den Konferenzen an freie gemeinnützige Träger, die das Förderprogramm noch nicht gut genug kennen oder noch nicht erkannt haben, welches Potenzial darin steckt: Die Aktion Mensch fördert ja bereits bis zu einjährige Planungsaktivitäten im Vorfeld eines Inklusionsprojekts – das gibt allen Beteiligten die notwendige Zeit, geeignete Kooperationspartner zu finden und erste Ideen auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen.
Der Titel soll aber eben auch verdeutlichen, dass jede Idee eine Chance erhalten kann. Wir möchten deshalb insbesondere Menschen und Organisationen erreichen, die auf dem Gebiet der Behindertenhilfe bisher noch nicht aktiv sind.

Bernd Biermann: Welches Programm bieten Sie Ihren Besuchern auf den Veranstaltungen?

Uwe Blumenreich: In Vorträgen und Workshops geben erfahrene Referenten unserer Organisation und unserer Partner Hilfestellungen und Tipps, wie auf Grundlage einer Idee erfolgreich ein Netzwerk aufgebaut werden kann und wie man sicher auf Partner zugeht. Wir besprechen konkrete Ansätze zu eigenen Projekten, die die Besucher einbringen können. Außerdem erfahren unsere Gäste an Beispielen und aus erster Hand, wie diese Art der Projektförderung bereits praktisch funktioniert.

Bernd Biermann: Wird es eine Fortsetzung der Regionalkonferenzen geben?

Uwe Blumenreich: Wir haben schon jetzt sehr viele Anmeldungen. Wenn die Resonanz weiterhin so groß bleibt, ist gut möglich, dass wir – voraussichtlich im Herbst – die Veranstaltungsreihe in anderen Städten und Regionen fortsetzen.

Bernd Biermann: Welche persönlichen Erwartungen haben Sie an die Regionalkonferenzen?

Uwe Blumenreich: Ich wünsche mir, dass sich alle Teilnehmer in den Ideen zu ihren Projekten bestätigt sehen und wir auf der Arbeitsebene viele konkrete Ansätze voranbringen. Insgesamt sollen die Besucher mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass die Aktion Mensch ein guter Förderpartner für ihr jeweiliges Vorhaben ist.

Bernd Biermann: Danke für das Gespräch.


Die für das Frühjahr geplanten Regionalkonferenzen finden in Berlin (19.03. – ausgebucht), Hamburg (26.03.), Frankfurt (15.04.), Nürnberg (16.04.) und Gelsenkirchen (26.04.) statt. Interessierte können sich bis drei Wochen vor Termin anmelden, spätestens zwei Wochen vor dem Termin erhalten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen eine schriftliche Teilnahmebestätigung.
Hier anmelden zu den Regionalkonferenzen!


Mehr zum Thema:
Das Förderprogramm Inklusion der Aktion Mensch

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