Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Verliebt, verlobt, verheiratet – auch mit Trisomie 21?

von Carina Kühne

Warum nicht?!

Junge Menschen mit Down-Syndrom haben die gleichen Bedürfnisse nach Freundschaft, Partnerschaft, Liebe und Zärtlichkeit wie alle anderen Menschen auch. Sie wünschen sich einen Partner, zu dem sie sich hingezogen fühlen, der sie versteht und glücklich macht. Doch leider ist Liebe und Sexualität bei behinderten Menschen immer noch ein Tabuthema.

Im Grundgesetz-Artikel 2 steht: "Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt."Also haben auch Menschen mit Handicap ein Recht auf Selbstbestimmung.

Sie haben auch Schmetterlinge im Bauch, wenn sie sich verlieben, und möchten so sein wie alle anderen auch. Früher träumten besonders Mädchen von einer Märchenhochzeit in Weiß. Heute entscheiden sich viele Paare, ohne Trauschein miteinander zu leben. Dieses Recht wünschen sich auch Heimbewohner. Sie möchten sich gerne verloben, irgendwann heiraten und zusammenziehen. Leider wird das in den meisten Einrichtungen nicht geduldet.

Sicher brauchen manche Paare Unterstützung, aber die sollten sie doch auch bekommen! Ich erinnere mich gut an den Film "Me Too" mit Pablo Pineda. Er selbst hat Trisomie 21 und möchte keine Freundin mit Down-Syndrom. Schließlich verliebt er sich in eine Arbeitskollegin. Unrealistisch?

Ich glaube nicht! Pablo Pineda macht als Daniel in dem Film schöne Erfahrungen, aber er erlebt auch Enttäuschungen, wie alle Menschen im richtigen Leben. Es gibt solche Paare, und sie können auch eine glückliche Beziehung führen. Leider entsteht aber in der Öffentlichkeit oft der Eindruck, dass der Partner mit Handicap bei so einem ungleichen Paar sehr abhängig ist und sich auch missbrauchen oder ausnutzen lässt.

Im Stephansdom in Wien wurde vor einiger Zeit ein Paar mit Down-Syndrom vom Dompfarrer getraut, und zwar ohne standesamtliche Trauung. Auch mein Freund möchte unbedingt, dass wir uns verloben. Darum habe ich mich mit dem Thema Eheschließung trotz Trisomie 21 intensiv beschäftigt. Von der Standesbeamtin in Seeheim erfuhr ich, dass entgegen der allgemeinen Meinung auch Menschen mit Handicap durchaus heiraten dürfen. Da ich keinen Betreuer habe und voll geschäftsfähig bin, gibt es keine Einschränkungen.

Wenn die Brautleute einen Betreuer haben, muss dieser der Trauung zwar zustimmen – ein Verbot gibt es aber nicht. Und wer weiß: Vielleicht halten Ehen von diesen Paaren sogar länger, weil sie oft schon lange zusammen sind und sehr darum kämpfen mussten.


Mehr zum Thema:
"Ich fühle mich besser mit ihm zusammen". Ein Blogbeitrag von Carmen Molitor zum Thema Hochzeit von Menschen mit geistiger Behinderung
Beziehungsbarrieren. Ein Blogbeitrag von Petra Strack über das "inklusive Paar"
Das größte Handicap. Ein Gespräch von Petra Strack und Raúl Krauthausen über Liebe und Partnerschaft von Menschen mit Behinderung
Der Familienratgeber zum Thema Familie und Partnerschaft
Das Internetportal MyHandicap zum Thema Familie, Partnerschaft & Sexualität

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?