Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Urlaub - alles inklusiv?

Anfang September ging es bei mir mal wieder in den Urlaub. Diesmal nach Tunesien, wo eine gute Freundin von mir heiraten wollte. Allein die Reiseanmeldung des Rollstuhls und anderer Hilfsmittel (für den Flug, das Hotel, den Transfer, etc.) würden schon mehrere Seiten dieses Blogs füllen, deswegen beschränke ich mich auf zwei signifikante Erlebnisse: Eins in Deutschland und eins in Tunesien – so gegensätzlich zueinander wie nur denkbar.

Anfangen werde ich mit dem "deutschen" Erlebnis beim Aussteigen aus dem Flugzeug in Frankfurt. Doch kurz zum Einsteigen: Ich fahre in meinem eigenen Rollstuhl bis zum Flugzeug (entweder mit einem Hubwagen oder durch den sogenannten "Finger", eine direkte Verbindung vom Flughafengebäude zum Flugzeug), dann trägt mich meine mitreisende Assistentin bis zu unseren Plätzen und der Rolli wird während des Fluges als Sperrgepäck im Gepäckraum verstaut. Rückwärts, also beim Aussteigen, sollte das ganze genauso funktionieren. Sollte. Müsste. Könnte. Eigentlich...
Bescheid gesagt hatte ich schon im Flugzeug, dessen Crew den Flughafen entsprechend informierte. Warum wartete ich dann 20 Minuten nachdem alle anderen Passagiere ausgestiegen waren immer noch im Flugzeug? Weil das Flugzeug so schnell leer geräumt wurde, dass mein Rolli zusammen mit dem Gepäck bereits verschwunden war. Deutsche Ordnung, Schnelligkeit und Präzision. Hm.

Nach einigen Diskussionen einigten wir uns darauf, dass mich dann eben der Sanitäterdienst mit einer Liege abholen und bis zum Rolli bringen würde. Alles klar! Weitere 15 Minuten später waren dann auch zwei Rettungssanitäter mit einer Trage da, juchu! Ach ne, doch nicht. Also, sie waren schon da. Auch mit einer Trage. Aber leider erklärten beide, dass sie nicht befugt seien, Liegendtransporte vorzunehmen. Weder die Frage, warum sie denn dann überhaupt eine Liegetrage dabei hätten, noch der Hinweis, dass mich sowieso meine Assistentin auf die Liege tragen würde, brachte uns weiter.
Aber weitere 15 Minuten brachte es mir, in denen wir auf einen Rettungsassistenten warteten. Der stand dann daneben und schaute zu, wie meine Assistentin mich auf die Liege trug - na Gott sei Dank, wie hätten wir das sonst bloß hinbekommen?!? Auch der Hubwagen war da, in dem mein Rolli hätte transportiert werden sollen…aber okay, immerhin war ich jetzt drin und wir fuhren zur Flughafenklinik. Äh, Moment, wieso eigentlich? Ich will doch zu meinem Gepäck! Weil Liegendtransporte immer erst zur Klinik fahren. Ach so.
Dort angekommen, durften wir dann weiter zum Gepäck und meinem geliebten Rolli (immer noch auf der Liege natürlich, aber immerhin ohne Rettungsassistent). Der arme Rolli war leider reichlich derangiert. Die Flugzeugbelader hatten offensichtlich ihr ganzes technisches Geschick gegeben, um möglichst viele Teile abzuschrauben, umzustecken und zu lockern. Uns blieb es überlassen in Teamarbeit wieder alles zusammenzubauen: Ich auf der Liege, die Teile beäugend und wilde Vermutungen äußernd, wo was wie hingehören könnte, meine Assistentin am Rolli hockend und ihr Bestes gebend, die wilden Vermutungen praktisch umzusetzen.

Aber wir haben es schließlich geschafft! Fazit: Auf deutscher Seite standen uns alle technischen und personellen Möglichkeiten zur Verfügung, nur eben leider auch einige bürokratische Vorschriften, die das Ganze unnötig verkomplizieren. Im nächsten Blogbeitrag kommt dann die tunesische Seite des inklusiven Urlaubs – Sie dürfen also gespannt sein :-).

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