Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Urlaub - alles inklusiv? (Teil 2)

Urlaub hat etwas mit Entspannung zu tun. Eigentlich dachte das auch Petra Strack, als sie sich auf den Weg nach Tunesien machte. Wie turbulent die Anreise mit dem Flieger aus Deutschland für die Rollstuhlfahrerin war, berichtete Sie am 2.10. im Blog. Doch wie ging es in Tunesien weiter?

Tunesien: 30°C, Sonnenschein und auch sonst ist vieles anders als in Deutschland. Zum Beispiel das Zeitverständnis: 14 Uhr kann so ziemlich jede Uhrzeit zwischen 13 und 16 Uhr bedeuten, auch wenn man glaubt, eine bestimmte Uhrzeit mit einem Taxifahrer ausgemacht zu haben. Auch beim Thema Verbindlichkeit stieß ich auf einige Verständigungsprobleme, die nicht nur sprachlicher Natur waren. Denn dass ich - nachdem ich vom Fahrer zur Hochzeit meiner Freundin hin gefahren wurde - auch wieder zurück ins Hotel musste, hatte ich jetzt mal als gegeben vorausgesetzt, auch wenn wir uns aufgrund der Sprachbarriere nur mit Händen und Füßen verständigen konnten. Ein Anruf einer Arabisch sprechenden Bekannten bei dem Fahrer brachte uns dann allerdings die Erkenntnis, dass der gute Mann in Tunis war und erst am nächsten Tag wieder in Sousse bzw. Kairouan sein würde, wo er mich zuvor abgesetzt hatte.
Da wir keinerlei Gepäck aus dem Hotel mitgenommen hatten, stellte uns das vor gewisse Schwierigkeiten, so dass wir uns gegen elf Uhr abends noch auf die Suche nach einem Taxi zum Hotel machen mussten. Wohlgemerkt eines, in das mein Rollstuhl passt - was angesichts dessen, dass das Wort "rollstuhlgerecht" weder auf Deutsch, Englisch, Französisch noch Arabisch bekannt schien, eher schwierig war. Mit Unterstützung der Familie meiner Freundin fanden wir aber schließlich ein sogenanntes Sammeltaxi, dessen Fahrer bereit war, uns exklusiv ohne weitere Sammlung von Fahrgästen ins Hotel zu fahren. Groß genug war der Wagen auch, allerdings auch voll mit Sitzen - für ein Sammeltaxi zweifellos sehr praktisch, für das Verstauen meines Rollstuhls eher weniger.
In einer abenteuerlichen Gemeinschaftsaktion des männlichen Teils der Familie meiner Freundin schafften wir es aber schließlich, den Rolli im Auto zu verstauen (zumindest zu ¾), die Kofferraumklappe mit einem Strick so weit wie möglich zuzubinden und den Rolli mit Draht an der Sitzreihe zu befestigen, damit er nicht gegen die halb geöffnete Hintertür rutschen konnte. Ich selbst wollte in dieser wackeligen Konstruktion ungern im Rolli sitzen bleiben und ließ mich von zwei Leuten (einer Kopf, einer Füße) über zwei Sitzreihen nach vorne heben, wo eine längere Sitzreihe war, auf der ich liegen konnte (dies gelang uns bemerkenswerterweise ohne die Aufsicht eines Rettungsassistenten!).

Am Hotel angekommen, half uns die Security ungefragt, die kreative Konstruktion wieder auseinander zu bauen und beglückwünschte uns zu unserem Pragmatismus. Der Taxifahrer hatte während der gesamten Prozedur nicht ein einziges mal Bedenken geäußert, dass er wegen der nicht ganz verkehrsregelkonformen Lösung von der Polizei angehalten werden könnte und bekam ein dickes Trinkgeld, das wir ihm förmlich aufdrängen mussten, während er beteuerte, wie gerne er uns gefahren hätte.

Im Vergleich zu meinem "deutschen" Urlaubserlebnis blieb für mich im Gedächtnis, wie selbstverständlich sämtliche Regeln und Vorschriften ignoriert wurden, um bei geringsten technischen Voraussetzungen trotzdem eine Lösung zu finden.
Meine Wunschvorstellung wäre nun, die technischen Möglichkeiten in Deutschland mit der pragmatischen und keine Berührungsängste kennenden Einstellung in Tunesien zusammenzubringen: Das wäre eine durch und durch inklusive Welt!

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