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Unternehmerisch Gutes tun

Social Business für Menschen mit Behinderung

Vor einigen Jahren war die Welt noch wohlgeordnet: Unternehmen verdienten Geld, soziale Organisationen kümmerten sich um das Wohl benachteiligter Menschen. Nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise sind die Verhältnisse durcheinander geraten. Non-Profit-Organisationen arbeiten wie Unternehmen, viele Unternehmer entdecken ihre soziale Verantwortung. Ein bekannter Ansatz, unternehmerisch Gutes zu tun, ist das "Social Business".

"Banker der Armen"

Populär gemacht wurde die Idee des Social Business von Muhammad Yunus, dem "Banker der Armen". Yunus baute in seinem Heimatland Bangladesch die Grameen-Bank auf, eine Bank, die Geld an arme Menschen verleiht, damit sie sich eine Existenz aufbauen können. Seine Erfindung der Mikrokredite ist seitdem in vielen Ländern übernommen worden. Mit armen Menschen Geschäfte zu machen, ist natürlich noch nicht sozial. Soziale Unternehmen verfolgen einen guten Zweck als eigentliches Unternehmensziel. Gewinne sind dabei nur Mittel zum Zweck.

Nutzen für Menschen mit Behinderung?

Das erinnert stark an einige gemeinnützig orientierte Einrichtungen in Deutschland. Anders als ein Verein, eine Stiftung oder eine gemeinnützige GmbH ist ein soziales Unternehmen aber wie ein Betrieb organisiert. Es bezahlt die üblichen Steuern, muss Gewinne erzielen, um sich zu finanzieren, und arbeitet intern und extern wie ein Unternehmen. In Deutschland ist die Abgrenzung von Privatwirtschaft, sozialen Organisationen und Sozial-Unternehmen nicht so eindeutig, weil viele Sozialorganisationen heute ähnlich wie Unternehmen aufgestellt sind.
Sozialunternehmen können Menschen mit Behinderung auf zweierlei Weise zugutekommen: als Arbeitgeber oder als Löser behindertenspezifischer Probleme.

Arbeit für alle

Ein soziales Unternehmen kann dabei helfen, Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu beschäftigen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt "Dialog im Dunkeln". In einem Dunkelmuseum oder Café können Besucher Blindheit am eigenen Leib erfahren. Café und Museum sind vollständig abgedunkelt, die Besucher werden von den blinden Angestellten begleitet und bedient.

Dialog im Dunkeln ist ein Social Franchise. Das heißt, andere Organisationen können das Konzept für sich anpassen und übernehmen. Bekannte Social Franchise-Systeme sind auch die CAP-Supermärkte oder die Samocca-Cafés, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.
Ein weiteres prominentes Beispiel ist Auticon. Das Unternehmen nutzt die besondere Fähigkeit von Autisten, sich lange Zeit auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren, um mit ihrer Hilfe Software zu testen.

Das Sozialunternehmen als Problemlöser

Für Gehörlose und schwerhörige Menschen ist es oft schwierig, sich einen Gebärdensprachdolmetscher zu organisieren. Der Dienst VerbaVoice wurde gestartet, um das zu ändern. VerbaVoice ermöglicht das Zwischenschalten eines Schrift- oder Gebärdendolmetschers per Smartphone. Gehörlose können diesen Dienst flexibel zum Beispiel für einen Arztbesuch oder in Kundengesprächen einsetzen.

Bedarf wird zunehmen

Es gibt natürlich zahlreiche Einrichtungen, die sich auf Menschen mit Behinderung spezialisiert haben. Ihre Angebote sind aber weder flexibel noch günstig, sie werden normalerweise von den Sozialträgern bezahlt und sind für Privatpersonen oft uninteressant. Gleichzeitig legen Menschen mit Behinderung immer mehr Wert auf ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Im Jahr 2008 ist das Persönliche Budget in Deutschland gestartet. Mit dem Budget können die Budgetnehmer selbst entscheiden, welche Leistungen sie von wem beziehen möchten. Der Bedarf an günstigen und flexiblen behindertenspezifischen Dienstleistungen wird in den nächsten Jahren zunehmen.

Wofür Social Business?

Die meisten gemeinnützigen Organisationen finanzieren sich über staatliche Mittel, Zahlungen großer Träger oder Spenden. Staatliche Mittel erfordern viel Bürokratie und fließen immer spärlicher. Auch die Spendenakquise wird immer aufwendiger.
Soziale Unternehmen sind in der Regel flexibler als gemeinnützige Organisationen. Eine gemeinnützige Organisation muss immer darauf achten, dass ihre Leistungen vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt werden, da ansonsten teilweise auch rückwirkend Steuern nachgezahlt werden müssen. Ein soziales Unternehmen kann hingegen neue Geschäftsfelder erschließen oder alte fallen lassen, wenn sie nicht mehr nötig sind. Soziale Unternehmen sind aber auch gezwungen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen. Das kann im Zweifel auch heißen, sinnvolle, aber nicht kostendeckende Dienstleistungen nicht mehr anzubieten.

Anders als in vielen anderen Ländern gibt es in Deutschland ein gut ausgebautes Sozialsystem und zahlreiche soziale Organisationen. Brauchen wir überhaupt soziale Unternehmen?

Für soziale Leistungen zu bezahlen oder damit Geld zu verdienen, ist in Deutschland noch ungewöhnlich. Die Vorteile für Menschen mit Behinderung erschließen sich erst auf den zweiten Blick. Für praktisch jede öffentliche Leistung muss ein Antrag bei einer Behörde gestellt werden. Die Bearbeitung der Anträge kann lange dauern. Der Antrag wird irgendwann angenommen oder nach eben so langer Zeit abgelehnt. Ein selbstbestimmtes Leben ist unter solchen Bedingungen schwierig.

Mein Fazit

Ob als Kunde oder als Arbeitnehmer, Social Business kann dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderung wesentlich selbständiger leben können. Deshalb ist es eine gute Ergänzung öffentlicher und gemeinnütziger Einrichtungen.


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