Inklusion

„Und, bitte!“ – Vom Kinderzimmer ins TV-Programm

Schon als Kind hat Ninia Binias, alias Ninia LaGrande, mit ihrem Kassettenrekorder eigene Radio-Sendungen produziert – heute moderiert die Autorin und Poetry-Slammerin zwei TV-Magazine.

Aktion Mensch

Als ich vier Jahre alt war, bekam ich einen Kassettenrekorder geschenkt. Statt nur Kassetten zu hören, fand ich es aber interessanter, meine eigenen Radio-Sendungen aufzuzeichnen. Ich quatschte die Kassetten voll, erfand Interviewpartner, die ich dann mit verstellter Stimme selbst sprach, und spielte dazwischen ein paar Lieder. Einige Jahre später stand ich wahlweise unter der Dusche oder mit Haarbürste in der Hand in meinem Zimmer und moderierte sämtliche Preisverleihungen für mein unsichtbares Publikum. Mein Vater sagte mal zu mir: „Mir war klar, dass das mit dir nicht auf einen vernünftigen Ausbildungsberuf hinausläuft.“ Und er sollte Recht behalten.

Loch in den Bauch gefreut

Ich moderiere seit vielen Jahren auf Theater- und Poetry-Slam-Bühnen. Aber Gastgeberin für das eigene Magazin im Fernsehen zu sein, ist nochmal eine ganz andere Nummer. Als ich die Zusage für „Ninias Fashion Mag“ und „Ninias Style der Woche“ erhielt, habe ich mir ein Loch in den Bauch gefreut. 17 Drehtage, plus drei Tage im Tonstudio – so sah der Plan aus. In Berlin und Hamburg habe ich Menschen besucht, die in der Modebranche arbeiten, und mit einem tollen Team alle Anmoderationen und Vorspänne gedreht. In Köln hatte ich mein eigenes Studio, inklusive Schaufensterpuppen, Blümchen und antiken Holzanzieh-Püppchen – alles, was man als Style-Expertin so braucht.

Bis eine Einstellung im Kasten ist, dauert es übrigens ein bisschen. Das Licht muss für jede Szene neu eingerichtet werden, die Kamera ebenso. Dann kann die Moderatorin den Text nicht immer ohne Verhaspeln vortragen (*hüstel*) und jede Moderation wird aus verschiedenen Blickwinkeln mehrmals aufgenommen, damit im Anschluss alles schön zusammengeschnitten werden kann. Ich musste also mehrmals fröhlich lächelnd auf die Kamera zulaufen oder meinen Gast gleich fünfmal hintereinander so begrüßen, als hätten wir uns noch nie gesehen. Das ist lustig und anstrengend zugleich. Für die Abendstunden hatten wir ein Mantra, wenn alle ein bisschen müde waren: „Inneres Lächeln, Ninia!“, rief Laura, Produktionsvolontärin, dann immer und zwinkerte.

Inklusion im Fernsehen ist möglich

Meine Körpergröße war von Anfang an kein Problem für irgendwen. Es wurde nicht einmal thematisiert, ob sie ein Problem sein könnte. Das fand ich sehr angenehm. Ich hatte eine kleine Kiste, auf der ich ab und an stand, wenn ein Gast im Studio wesentlich größer war als ich. Aber diese Kiste war eben einfach da – sie wurde nicht begründet. Das ist für mich der Beweis, dass Inklusion im Fernsehen – auch im Privatfernsehen – möglich ist. Unsere Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich ebenfalls nicht daran „gestört“, im Gegenteil, ich habe viel positives Feedback bekommen.

Ich wollte ein Magazin moderieren, das cool, bunt und divers ist, ohne ständig betonen zu müssen, wie außergewöhnlich diese Diversität in der deutschen Fernsehlandschaft ist. Einfach so tun, als sei es das Normalste von der Welt, dass eine Kleinwüchsige eine Sendung über Mode moderiert. Und spätestens seit der ersten Ausstrahlung ist es das ja auch.

Die neue Staffel von „Ninias Fashion Mag“ startet am 21.11.2015 um 09:15 Uhr auf RTL

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