Inklusion

Unbehindert aktiv

Das Internet hat den Online-Aktivismus von Menschen mit Behinderung beflügelt. Viele Initiativen scheitern aber an der mangelnden Barrierefreiheit der Online-Tools.

Crowdsourcing-Projekt Be my Eyes: Über das Smartphone die Hilfe eines Sehenden organisieren

Emil Jupin & Thelle Kristensen / Be My Eyes

Viele Menschen machen noch keine Bewegung, aber viele können dazu beitragen, dass das Leben für Menschen mit Behinderung besser wird.

Die Wheelmap zeigt rollstuhlgerechte Orte in ganz Deutschland. Befüllt wird sie von tausenden Freiwilligen. Das Prinzip dahinter nennt sich Crowdsourcing. Inzwischen tragen viele Menschen zu zahlreichen anderen Projekten bei, die Menschen mit Behinderung unterstützen. Hurraki ist ein Wörterbuch in Leichter Sprache, das nach dem Wikipedia-Prinzip von Freiwilligen gefüllt wird. Über die App Be my Eyes können sich Blinde über ihr Smartphone die Hilfe eines Sehenden organisieren.

Finanzierung über Crowdfunding

Es gibt viele gute Ideen, und oft fehlen nur wenige hundert oder tausend Euro, um diese Ideen auch praktisch umzusetzen. Eine Lösung für dieses Problem ist Crowdfunding. Crowdfunding bedeutet, dass die Umsetzung von Ideen von der Crowd, also von zahlreichen unterschiedlichen Menschen finanziert werden. Einige geben 5 Euro, einzelne Spender geben 100 Euro oder mehr. Es haben sich spezielle Plattformen wie Kickstarter oder Startnext herausgebildet, die genau für solche Projekte gedacht sind. Langfristiger angelegte Projekte können sich ihre Spenden über Portale wie Betterplace.org organisieren und sparen sich so den Aufbau eigener Spendenportale. Schon viele Projekte konnten über solche Plattformen unterstützt werden. Aleksander Knauerhase finanziert das Layout und Lektorat seines Buches über Autismus via Startnext. Die AppMax und Eni – Gebärden lernen am iPad“ soll es Menschen mit Sprachproblemen und ihren Bezugspersonen erleichtern, Kommunikation über Gebärden zu erlernen.

Beteiligung mit Online-Petitionen

Online-Petitionen haben sich als weiteres wichtiges Instrument für den Online-Aktivismus erwiesen. Es gibt offizielle Plattformen wie die des Deutschen Bundestages sowie Plattformen, die von NGOs wie change.org betrieben werden. Petitionen wie die des Jura-Studenten Constantin Grosch haben dazu beigetragen, dass das Bundesteilhabegesetz in der breiteren Öffentlichkeit bekannt und diskutiert wurde.

Der Aktivismus endet nicht damit, sein Projekt auf solchen Portalen vorzustellen. Es geht vor allem darum, die Initiative über Facebook, Twitter und weitere Kanäle bekannt zu machen. Der Goldstandard ist, seine Idee über die eigene Community hinaus bekannt zu machen, zum Beispiel in die Presse zu kommen und so Menschen zu erreichen, die man sonst nicht erreichen würde.

Gebremster Aktivismus

Die Krux an der ganzen Geschichte ist, dass viele dieser Plattformen sich als nicht barrierefrei erwiesen haben.

Das trifft nicht nur Menschen mit Lernbehinderung, für die viele der Portale zu komplex sind. Es geht auch um Menschen mit geringer Technikaffinität. Die interaktiven und oft überladenen Portale überfordern oft sogar Web-Profis. So ist es für viele Menschen schwierig, ihre Stimme oder Spende für ein Projekt abzugeben, dass sie unterstützen möchten, weil der Anmelde- oder Spendenprozess nicht barrierefrei gestaltet wurde. Die Regeln zum Einstellen von Projekten oder zum Datenschutz sind oft nicht verständlich gestaltet.

Barrierefreiheit verbessern

Viele Petitionen und Projekte werden heftig diskutiert, wobei die Diskussionen weder überschaubar noch inhaltlich verständlich sind. Hier sind die Nutzer am Zuge, eine bessere Diskussionskultur zu etablieren. Das trägt nebenbei dazu bei, dass auch für Nicht-Behinderte viele Missverständnisse und damit auch überflüssige Diskussionen vermieden werden.

Schließlich müssen die Plattformen so gestaltet sein, dass möglichst viele Menschen in der Lage sind, ihre Petition oder ihr Projekt einzustellen. Bei der Barrierefreiheit ist noch einiges zu verbessern. Auch hier profitieren nicht zuletzt die Plattformen selbst. Sie sind oft wie Expertensysteme gestaltet. Die Macher übersehen dabei, dass viele Teilnehmer vielleicht nur ein einziges Mal aktiv sind und weder Zeit noch Lust oder die Fähigkeit haben, sich mit dem Portal zu beschäftigen. So profitieren nicht zuletzt sie selbst am meisten davon, wenn sie ihre Plattformen für alle zugänglicher gestalten.

 

Linktipps:

Spenden und Crowdfunding: Auf dem Weg zu community-finanzierten Hilfsmitteln. Domingos de Oliveira über neue Wege zur Entwicklung von Hilfsmitteln

Internet und Sinnesbehinderung: Viele Chancen, viele Barrieren. Heiko Kunert über Möglichkeiten und Hindernisse des Internets

Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit im Internet? Domingos de Oliveira über ein Netz für alle

Mobile Innovationen. Interview mit Matthias Lindemann zum Thema: „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

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