Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Tschüss Monokultur

Das amerikanische Wissenschaftsmagazin Science hat jüngst das bestätigt, was ja irgendwie nahe liegt: Mädchen und Jungen, die getrennt von einander die Schule besuchen, haben keine Leistungsvorteile. Im Gegenteil: Eine derartige Erziehung schade der Entwicklung der Persönlichkeit und sei schwer verfehlt; Mädchen eiferten in einer Mädchenklasse eher traditionellen weiblichen Klischees nach und Jungs verhielten sich aggressiver als in gemischten Klassen. So lautet das Fazit der Autoren, die über die Analyse zahlreicher internationaler Studien und Daten zu diesem Ergebnis kamen. Denn wenn man Vielfalt selektiert und in Kästchen packt, kommt eben Einfalt raus. Mädchen zu Mädchen, Jungs zu Jungs, Kinder mit Behinderung zu Kindern mit Behinderung. Sie lernen in einer Monokultur und die prägt wiederum ihre Sicht auf und Empfindung für die Welt.

In Freiburg ist das anders. Da gibt es einen Kinderabenteuerhof, wo Kinder mit und ohne Behinderung zusammen spielen, bauen, basteln und experimentieren. Das rund 8.000 Quadratmeter große Spielgelände, auf dem sich Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren austoben können, wird von Fachkräften betreut. Es gibt dort einen Zirkus- und Bauwagen, zwei Feuerstellen, eine Holzhütten- und Lehmbaustelle, ein Baumhaus und eine Fußballwiese. Und um das Idyllische des Kinderbauernhofes perfekt zu machen, gibt es auch noch Hühner, Hasen, Ziegen, Schafe und Ponys.

Gegründet wurde der Kinderabenteuerhof e.V. 1996 von einer Elterninitiative. Und zwar ohne viel Theorie über inklusive Bildung, sondern mit gesundem Menschenverstand. Der Wunsch der Eltern war es, für ihre Kinder eine Freizeitmöglichkeit in der Nähe ihrer Wohnung zu schaffen - und dabei war es vollkommen gleichgültig, ob die Kinder körperlich oder seelisch beeinträchtigt waren. Alle Kinder spielen auf dem Kinderabenteuerhof zusammen. Und jedes Freizeitangebot wird der Vielfalt der Gruppe entsprechend angepasst. Für Richard Hoch, Mitbegründer des Vereins, bedeutet genau das Inklusion: "Inklusion ist nicht etwas, was festgeschrieben ist, sondern ein gesellschaftlicher Zustand und ein Prozess, der es erfordert, dass man flexibel reagiert."

Die Vielfaltkultur des Kinderabenteuerhofs in Freiburg hat auch das Leben in den Stadtvierteln verändert. Im Kindergarten und auf der Straße spielen immer mehr Kinder mit und ohne Behinderung zusammen. Dass eine Grundschule ein Kind mit Behinderung nicht aufgenommen hat, die Aufnahme im Hort des Kinderabenteuerhofs aber kein Problem war, löst zwischen Eltern und Lehrern Diskussionen aus - und gibt wichtige Impulse. Denn die Lehrverantwortlichen werden durch unmittelbare Alltagssituationen aufgefordert, sich mit dem Thema Inklusion auseinanderzusetzen und Lösungen zu entwickeln. Die Zukunft des Kinderabenteuerhofs findet längst nicht mehr zwischen Bauwagen und Kickwiese statt: Die Eltern, deren Kinder mittlerweile erwachsen sind, haben sich in einem Arbeitskreis zusammengeschlossen, um im Viertel gemeinsam das Wohnprojekt VAUBANaise zu verwirklichen. Hier sollen in Zukunft unter einem Dach generationenübergreifend Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben.

Mehr über den Kinderabenteuerhof
Mehr zum Wohnprojekt VAUBANaise

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