Aktion Mensch-Blog

Trommeln für Inklusion

Das nennt man einen Blitzstart: Gerade mal eine Stunde und 17 Minuten war am 1. April die neue Förderaktion „Noch viel mehr vor“ zum 50. Jubiläum der Aktion Mensch alt, als zu nächtlicher Stunde bereits jemand den ersten Förderantrag dafür im Netz anlegte – und unvollendet wieder abbrach. Doch auch der erste vollständige Antrag ließ nicht lange auf sich warten: Ihn stellte um 10.05 Uhr Denise Gubitz, Einrichtungsleiterin der Tagesstätte für Menschen mit psychischer Behinderung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Bad Salzungen für ihren inklusiven Drumcircle, einem Trommelkreis von über 50 jungen und alten Menschen mit und ohne psychische Behinderung, der sich eigene Instrumente baut und damit auftritt.

Dass Denise Gubitz so schnell mit ihrem Antrag am Start war, ist kein Zufall. Sie hat viel Routine darin, Fördergelder bei der Aktion Mensch zu beantragen. „Ich überlege mir jedes Jahr gemeinsam mit den Besuchern unserer Tagesstätte ein besonderes Projekt, das auf die Belange von psychisch Erkrankten aufmerksam macht und Inklusion unterstützt“, erzählt die Einrichtungsleiterin. Kreative Ideen hat sie dafür genug, aber deren Finanzierung ist nicht immer leicht. Für das jüngste Projekt, den Drumcircle, kam die neue Förderaktion zur Unterstützung von kleineren Inklusionsvorhaben deshalb wie gerufen. Als „Noch viel mehr vor“ Anfang April begann, warf Denise Gubitz sofort den Hut für ihre Trommelgruppe in den Ring.

Neuer Fördertopf für kleine Inklusionsprojekte

Aus dem neuen Fördertopf, den sie zu ihrem 50. Jubiläum zur Verfügung stellt, unterstützt die Aktion Mensch lokale Inklusionsprojekte wie etwa den Drumcircle, Theateraufführungen, Sportangebote oder Kinderkochkurse mit bis zu 5.000 Euro. Damit will sie gemeinnützigen Organisationen helfen, auf lokaler Ebene mehr Begegnungen, Veranstaltungen und Aktionen von Menschen mit und ohne Behinderung zu initiieren. Die Laufzeit der Projekte kann zwischen einem Tag und einem Jahr liegen. Das Interesse ist schon jetzt riesig: Eine Woche nach dem Start des Förderprogramms sind mittlerweile 672 neue Anträge online angelegt worden – und 172 davon wurden auch bereits durch die Antragsteller eingereicht.

Das Trommelprojekt von Denise Gubitz unter dem Motto „Wir geben keine Ruhe“ ist schon jetzt in vollem Gange. Alle 35 Besucherinnen und Besucher der AWO-Tagesstätte in Bad Salzungen und ihrer Zweigstelle in Vacha/Rhön werkeln seit Wochen gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Angehörigen an den Congas. „Jeder macht dabei, was er am besten kann“, berichtet die engagierte Projektleiterin. „Natürlich ist nicht alles perfekt. Aber wir haben beispielsweise einen Holzbildhauer mit psychischer Erkrankung in der Gruppe, der bei dem Projekt – unterstützt von den Betreuern – einiges federführend in die Hand nimmt.“

Zum Aktionstag am 5. Mai wird der Marktplatz von Bad Salzungen gerockt

Mit dem geplanten Auftritt am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai um 13.30 Uhr auf dem Marktplatz von Bad Salzungen stehen mit Riesenschritten auch die ersten Proben an. Mit dabei: 18 Kinder aus der 4. Klasse der Grundschule „An den Beeten“ in Bad Salzungen. Als Patenklasse treffen sie sich seit dem ersten Schuljahr regelmäßig mit den erwachsenen Tagesstättenbesuchern zu Spielenachmittagen, Festen oder Aktionstagen. „Mit dem gemeinsamen Auftritt wollen die Kinder in der Öffentlichkeit zeigen, wie sehr sie sich mit den psychisch erkrankten Menschen verbunden fühlen“, berichtet Denise Gubitz. „Das war auch den Eltern der Kinder ganz wichtig.“

Wenn die ungewöhnliche Trommelgruppe in den Veranstaltungsräumen der Volkssolidarität probt, schaut immer mal wieder jemand aus der Nachbarschaft herein und fragt, ob er mitmachen kann, sagt Denise Gubitz. Die Gruppe freue sich darüber. „Jeder, der Lust hat, kann sich beteiligen“, betont die Einrichtungsleiterin. Im vergangenen Jahr hatte die Gruppe Cajons gebaut und für ihre Auftritte mit diesen Klangkörpern aus Holz viel Anerkennung geerntet. Diesmal wird der inklusive Drumcircle mit seiner Musik auf selbstgebauten Congas und Cajons den Auftakt für ein großes Bühnenprogramm mit Musik, Tanz und Theater der unterschiedlichen gemeinnützigen Träger der Behindertenhilfe aus der Region bilden.

Ohrwurm für mehr Vielfalt

Zum Repertoire gehört die heimliche Hymne der Gruppe, das Lied „Normal“.„Unsere Welt ist bunt und nicht nur grau. Sieh dich nur um und mach‘ dich schlau! Du bist nicht klein, nutz‘ deine Chance! Denn auch du und du und du – bist ein Teil vom Ganzen!“, heißt es im Refrain. „Letztes Jahr haben wir dieses Inklusionslied mit allen zusammen gedichtet“, erzählt Denise Gubitz. „Die Kinder können das auswendig und singen es zu jeder Gelegenheit, überall.“ Jetzt hofft sie auf den Zuschuss aus dem neuen Fördertopf und für die Zukunft auf Unterstützung für weitere Ideen. Denn da geht es ihr wie der Aktion Mensch: In Sachen Inklusion hat sie noch viel mehr vor.


Linktipps:
Informationen zur neuen Förderaktion „Noch viel mehr vor“ der Aktion Mensch
Hier kann man sich das Inklusionslied „Normal“ anhören
Halleluja ohne Noten. Ein Blogbeitrag von Gundel Köbke über einen inklusiven Gospelworkshop in Berlin
Jetzt wird gerockt! Ein Blogbeitrag von Maria Schwarze über eine inklusive Rockband in Salzgitter

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