Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Trier baut Barrieren ab

"Jede Barriere ist eine zu viel." Das Motto, unter dem der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in diesem Jahr steht, hat sich mir am gestrigen Samstag ins Bewusstsein katapultiert.

5. Mai 2012, Trier an der Mosel. Die sonst eher beschauliche "Römerstadt" ist komplett dicht. Und tatsächlich ist jetzt jedes Hindernis eines zu viel, egal ob man als Mensch mit oder ohne Behinderung unterwegs ist. Die Stadt hat Magnetwirkung, besonders in diesem Jahr, besonders an diesem Tag. Neben dem Europäischen Protesttag lockt die "Heilig-Rock-Wallfahrt" Menschen von nah und fern ins Zentrum. Hundertausende Katholiken pilgern momentan nach Trier, um die Reliquie zu sehen, die angeblich Reste der Tunika Jesu Christi enthält. "Und führe zusammen, was getrennt ist" lautet das Leitwort der Wallfahrer.

Hemmschwellen überwinden

"Zusammenführen, was getrennt ist" - das passt doch wie die Faust aufs Auge der Inklusion. Damit es nicht nur bei frommen Bitten bleibt, lassen einige Trierer Rock Rock sein und machen stattdessen inklusive Aktion.
Im Kulturzentrum TUFA, der Alten Tuchfabrik, hat die Lebenshilfe Trier zum Inklusionsfest eingeladen. Hier treffen Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen zusammen mit Menschen, die bisher keine oder wenig persönliche Berührung mit Behinderung gehabt haben. "Unser Fest soll dazu beitragen Hemmschwellen abzubauen", sagt Martin Rieger, Vorstand der Trierer Lebenshilfe zu Begrüßung.
Die Trierer Selbsthilfeorganisation feiert heute ihr 50-jähriges Bestehen und hat sich ganz bewusst für den 5. Mai, den Europäischen Protesttag, entschieden. Denn, so Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen: "Wir sind immer noch nicht da, wo wir hin müssen. Es gibt in unserer Stadt und in unserem Land immer noch Menschen, die kennen gar keine Menschen mit Behinderung."

"Normal ist alles"

Etwa 500 Gäste haben sich gegen Mittag in der TUFA eingefunden. Es wird gemeinsam getanzt, gesungen und gespielt. Es gibt einen Rollstuhlparcours, ein Kickerturnier, einen Trommel-Workshop sowie einen Töpfer- und einen Malkurs. Im großen Saal im Erdgeschoss bringt eine Band das Publikum auf Touren und im ersten Stock eröffnet der Künstler Gerd Dahm seine Ausstellung "ex klusiv. Normal ist alles". Seine 20 Stahlstelen werden bis Dezember 2012 an verschiedenen öffentlichen Plätzen in Trier zu sehen sein. Die Stelen dienen als Objektträger für Porträts von Menschen unterschiedlichen Alters, mit und ohne Behinderung. Dahm erklärt mir zu seinen Kunstwerken: "Anderssein ist kein Defizit, sondern Ausdruck einer menschlichen Vielfalt, die ich als Bereicherung unserer Lebensgemeinschaft verstehe."

Am Spätnachmittag klingt das Fest mit der inklusiven Theatergruppe "com.guck" und ihrem Stück "ALLe IN!?" langsam aus. Das Theaterstück fordert die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in konkreten Lebensbereichen wie Wohnen, Arbeit und Freizeit. Und am Ende steht auch ein echter VIP auf der Bühne – eine „Very Inclusive Person“. Inklusion gelungen!

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