Inklusion

Treffen, entdecken und tanzen in Schwelm

Stadtrundgang, Infostand und inklusives Kunstprojekt. Schwelm feiert seinen Aktionstag unter dem Motto „#begegnet_in“ anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

Aktionstag-Organisatoren Stephanie Gaffron und Frank Sprock: Selfie für die Aktion Mensch-Fotoaktion

„Komm hol‘ das Lasso raus“, schallt es am Freitagmorgen um 11 Uhr durch die Schwelmer Fußgängerzone. Um die Tanztruppe der Lebenshilfe-Dancers, bestehend aus etwa 20 Frauen und Männern mit geistiger Behinderung, hat sich eine Zuschauer-Traube gebildet. „Massig voll hier“, freut sich Frank Sprock, der am Infostand der Lebenshilfe steht und den Aktionstag am 8. Mai mitorganisiert hat. Und Rainer Bücher, Geschäftsführer der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen, meint: „Der Aktionsstand in der Fußgängerzone, gleich neben dem Markt, ist ideal. Hier kommt es ganz automatisch zu Begegnungen.“

Tatsächlich tummeln sich am Aktionsstand Marktbesucher, Einkaufsbummler, Menschen mit und ohne Behinderung. Es entwickeln sich Begegnungen und Gespräche, die sonst im Alltag selten sind. Die Leute können sich zum Thema Inklusion und Barrierefreiheit und über die Angebote der Lebenshilfe informieren. Selbstgebackene Waffeln sowie warme und kalte Getränke, die kostenlos oder gegen eine kleine Spende verteilt werden, sind eine gute Grundlage für die anstehende Stadttour, die um 12 Uhr startet.

Barrierefreiheit unter die Lupe genommen

Beim Rundgang durch die Schwelmer Innenstadt nehmen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam die Angebote der Stadt unter die Lupe: Kann die Lieblingseisdiele barrierefrei mit einem Rollstuhl befahren werden? Wo findet man die neuen breiten Behindertenparkplätze, die die Stadt angelegt hat? Und wo stehen die neuen Sitzbänke für Menschen mit Gehbehinderung?

Unsere Stadtführerinnen sind Stephanie Gaffron, die mit ihrem Elektro-Rollstuhl die Route vorgibt, und Christiane Sartor, die stellvertretende Bürgermeisterin von Schwelm. Die beiden machen die Tour-Teilnehmer auf Orte aufmerksam, an denen Barrieren abgebaut wurden. Zum Beispiel die Buchhandlung Köndgen, die direkt neben dem Eingang eine technisch aufwendige Liftanlage für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen installiert hat. Oder die „Hirsch Apotheke“, die man barrierefrei durch eine moderne Automatiktür erreicht. Und auf Orte, wo der Abbau der Barrieren noch auf sich warten lässt. Stephanie Gaffrons Stammfriseurladen beispielsweise ist nur über eine kleine Stufe „berollbar“. „Hier muss ich mit meinem E-Rolli ordentlich Anlauf nehmen“, sagt die Stadtführerin.

Auch auf der Zielgeraden unserer Stadttour durch Schwelm zeigt sich, dass in der Kleinstadt am südlichen Rand des Ruhrgebietes längst noch nicht alles glatt läuft in Sachen Barrierefreiheit. Wir stehen vor dem Kreishaus des Ennepe-Ruhr-Kreises und sehen einen mächtigen Betonbau aus vergangener Architektur-Epoche. Und: Treppenstufen – soweit das Auge reicht. Diejenigen, die sich hier auf den Weg zum stufenlosen Seiteneingang machen, sollten vorher an ausreichend Verpflegung und gute Musik auf ihrem iPod denken. Der Weg ist lang, und unterwegs gibt es keinen Kiosk. Im Gebäude angekommen, nehmen wir den Aufzug, der uns zur Ausstellung des inklusiven Kulturprojektes „lebensgefühle“ bringen soll. „Wow“, denke ich, „gleich drei Aufzüge nebeneinander. Die können Massen von Kreishausbesuchern ‚wegschaufeln‘, ähnlich wie in den Top-Skigebieten der Alpen zwischen Weihnachten und Neujahr.“ Stephanie Gaffron ist weniger begeistert. Die Aufzüge sind derart eng, dass sie gerade eben mit ihrem E-Rolli hineinpasst. Platzangst sollte man hier als Rollstuhlfahrer besser zu Hause lassen.

Sich kennenlernen und miteinander reden

Dafür wird die beengte Liftfahrt in die erste Etage des Kreishauses mit dem Blick auf wunderschöne Kunst belohnt. Gezeigt werden rund 40 Werke, die Bewohnerinnen und Bewohner von Wohnheimen der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen, des Frauenheims Wengern und der AWO Ennepe-Ruhr gestaltet haben. Die phantasiereichen und farbenfrohen Bilder sind im Rahmen des zweiwöchigen inklusiven Kulturprojektes „lebensgefühle“ anlässlich des diesjährigen 5. Mai entstanden. „Das Kunstprojekt soll Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichen, ihnen Gelegenheiten bieten, sich näher kennen zu lernen und miteinander statt übereinander zu reden“, erklärt Patricia Riesner, Inklusionsbeauftragte im Schwelmer Kreishaus und Initiatorin des Projektes.

Und genau das ist in Schwelm an diesem Aktionstag gelungen.

 

Linktipps:

Blogparade zum 5. Mai: Jetzt mitmachen und über Begegnungen schreiben!

Lust auf Begegnung? Dann sei dabei und begegne Menschen mit und ohne Behinderung!

Mehr Begegnungen, bitte! Daniela Herrmann über einen Barriere-Check in der Bonner Innenstadt zum Aktionstag 5. Mai

Samba, Luftballons und bunte Vielfalt. Jan Frintert über die Parade der Vielfalt am 5. Mai in Dresden

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