Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Teilhabe durch Sport

Dr. Volker Anneken ist Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ein Interview über Inklusion im Breitensport.

Breitensportart Rollstuhlbasketball: Bessere Lebensqualität Foto: DBS

Das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS gGmbH) ist eine Gesellschaft der Gold-Kraemer-Stiftung, der Lebenshilfe NRW und der Deutschen Sporthochschule Köln mit dem Ziel, die Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu erforschen und zu fördern. Wir haben mit Dr. Volker Anneken, dem Geschäftsführer des FIBS, über die Arbeit des Forschungsinstituts gesprochen.

Michael Wahl: Herr Anneken, Ihr Institut beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahren mit dem Forschungsschwerpunkt „Teilhabe und Inklusion durch Sport“. Welche Erkenntnisse können Sie hervorheben?

Dr. Volker Anneken: Wir haben für verschiedenste Zielgruppen mit Behinderungen feststellen können, dass die regelmäßige Teilhabe an Bewegungs- und Sportangeboten positiven Einfluss auf inklusive Prozesse hat. Neben einer besseren sozialen und beruflichen Teilhabe nehmen sportlich Aktive auch ihre Lebensqualität signifikant besser wahr als Inaktive. Dies trifft sowohl für Menschen mit körperlichen, sensorischen als auch mit kognitiven Beeinträchtigungen zu.
Wir haben aber auch feststellen müssen, dass es nach wie vor für viele Menschen mit Behinderungen wohnortnah zu wenig Möglichkeiten gibt, am Sport teilhaben zu können – insbesondere der Personenkreis mit ausgeprägten motorischen und/ oder kognitiven Beeinträchtigungen.

Wo sehen Sie die Schnittmengen zwischen Rehabilitationsport und Behindertensport?

Der Rehabilitationssport ist ein guter Weg, körperliche und psychische Fähigkeiten im Rahmen der Rehabilitation z. B. nach einer Erkrankung oder einem Unfall wieder zu stärken. Aber wichtiger ist für mich noch die Möglichkeit durch den Rehasport regelmäßiges Sporttreiben anzubahnen. Der Rehasport kann die Tür zum wohnortnahen Sportangebot sein und bereitet somit die Teilhabe an einem wichtigen Teilsystem der Gesellschaft vor.

Angebotserweiterung ein zentraler Faktor für gelingenden inklusiven Sport

Welche Strukturen in der deutschen Behindertensportlandschaft müssen aus Ihrer Sicht verändert werden, damit Menschen mit Behinderungen noch mehr Sport treiben können?

Es müssen mehr Angebote auch für die Zielgruppen geschaffen werden, die bis dato noch nicht selbstverständlich, wohnortnah und selbstbestimmt Sport treiben können. Dabei muss sich nicht nur der sogenannte Behindertensport weiterentwickeln. Der gesamte Sport muss vielfältigere Bewegungsangebote schaffen. Nur dann können auch diejenigen teilhaben, die kein großes sportliches Talent in die Wiege gelegt bekommen haben. Diese Angebotserweiterung ist in unseren Augen ein ganz zentraler Faktor für gelingenden inklusiven Sport. Hier gibt es in vielen Sportarten noch großen Entwicklungsbedarf. Tolle Beispiele wie Showdown oder Luftballonvolleyball zeigen aber, dass Sport auch anders kann.

Behindertensport wird häufig mit den Paralympics oder anderem Leistungssport verbunden – erleben Sie auch sportliche Leistungen von Menschen mit Behinderungen, denen der Sport zu ganz persönlichen Highlights oder inklusiven Begegnungen verhilft?

Mich persönlich hat ein Bericht eines Trainer im von unserem Institut begleiteten Programm „Einfach Fußball“ der Bayer AG beeindruckt. In den ersten Monaten nahm ein Kind mit geistiger Behinderung nur passiv am Rand spielend teil. Der Trainer des Vereins versuchte immer wieder, ihn einzubinden. Dennoch kam der Spieler jede Woche. Irgendwann gab der Trainer auf und bat den jugendlichen Trainerassistenten ohne Behinderung, mal auf den Teilnehmer zuzugehen. Nicht beim ersten Mal – aber nach zwei oder drei Trainingseinheiten stand der Junge plötzlich auf, ging mit dem Assistenten zur Gruppe und nahm von dem Tag an immer am Fußballtraining begeistert teil.

Sport und Inklusion haben also große Schnittmengen, die jeder nutzen kann und soll – wo können sich unsere Leser über Ihre Erkenntnisse informieren?

Aktuelle Publikationen aus dem FIBS finden Sie unter www.fi-bs.de. Zwei aktuelle Veröffentlichungen zu den Themen, die wir gerade besprochen haben, sind die Tagungsdokumentation „Inklusion durch Sport. Forschung für Menschen mit Behinderungen“ und ein Lehrbuch zum „Sport von Menschen mit Behinderungen“.

Herzlichen Dank, Herr Dr. Anneken, für das Interview, und viel Erfolg für eine sportlich-inklusive Zukunft.


Linktipps:
Das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS gGmbH)
Das Handlungsfeld "Inklusion leben: In der Freizeit" der Aktion Mensch
Selbstbewusstsein durch Sport. Ein Blogbeitrag von Michael Herold über seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Thema Sport
Spiel, Spaß, Inklusion. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über die Arbeit des Deutschen Olympischen Sportbundes für Inklusion in den Sportvereinen
Die Weichen des Behindertensports von Sotschi bis Rio. Ein Interview im Blog von Michael Wahl mit dem DBS-Präsidenten Friedhelm Julius Beucher über Paralympics, Breitensport und Inklusion

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports

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