Inklusion

Technik fuer alle: eine Utopie?

Technik bestimmt unser Leben. Technik umgibt uns überall. Sie erleichtert uns den Alltag. Für blinde Menschen ist sie aber häufig nur lästig oder nutzlos. Dabei zeigt zum Beispiel Apples iPhone, dass es längst möglich ist, Produkte herzustellen, die von Menschen mit und ohne Sehbehinderung gleichermaßen genutzt werden können. Heiko Kunert stellt uns eine Zukunft vor, die eigentlich schon heute Wirklichkeit sein könnte.

Hamburger U-Bahn: Fahrplandaten selbstverständlich online übertragen

Ingolf / flickr

Ich checke meine E-Mails, lese den neuesten Artikel im Aktion-Mensch-Blog, erfahre wie das Wetter wird, welche Cafés in der Nähe sind und was es Neues in der Welt gibt. Die Sprachausgabe des iPhones macht das heute schon möglich. Wie toll könnte aber die Welt erst sein, wenn alle technischen Produkte barrierefrei wären.

Beim Zähneputzen höre ich den melancholisch-schönsten Indie-Track aller Zeiten aus meinem Digitalradio. Von wem der wohl ist? Ich drücke den Infoknopf und prompt liest mir eine synthetische Sprachausgabe den Interpreten und den Titel vor. Gut, dass ich nicht mehr meine Frau wecken muss, damit sie mir die Anzeige auf dem Display vorliest. Das freut sie. Das freut mich.

Beim Frühstück: Irgendwas stimmt mit dem Kühlschrank nicht. Im Orangensaft schwimmen Eisstückchen. Haben wir ihn zu kalt eingestellt? Zeigt die digitale Anzeige eine Fehlermeldung an? Ach ja, wir leben ja nicht mehr im Jahr 2014. Ein Druck auf den Infoknopf, und die freundliche, aber etwas unterkühlte Kühlschrankstimme verrät mir, dass das Gerät auf null Grad eingestellt ist. „Wieso denn das?“, frage ich. Der Kühlschrank bleibt stumm.

Verspätung? Hätte ich doch bloß unser selbstfahrendes Google-Mobil genommen

Auf geht’s zur Arbeit. Mit der U-Bahn. Der Bahnsteig ist ungewöhnlich voll. Hat der Zug etwa Verspätung? Früher musste ich die anderen Fahrgäste fragen, was auf der Anzeigetafel stand, oder ich musste einfach warten. Heute ist es ja längst selbstverständlich, dass die Hochbahn-Daten an meinen weißen Stock übertragen werden. Und aus seinem kleinen Lautsprecher kommt denn auch prompt die Meldung, dass ich wegen einer Weichenstörung 20 Minuten auf die U3 warten muss. Hätte ich doch bloß unser selbstfahrendes Google-Mobil genommen. Dann wär ich jetzt schon im Büro.

Dort angekommen bestell ich mir bei unserem neuen Kaffeevollautomaten einen doppelten Espresso. Gut, dass das Teil neuerdings Sprachbefehle versteht. Dann suche ich mir einen der noch freien PCs aus. Da inzwischen jeder Rechner mit simplem Tastendruck auf Sprachausgabe und Blindenschriftzeile umgestellt werden kann, kann ich den Arbeitsplatz am sonnigen Fenster wählen. Auch in öffentlichen Büchereien, Internet-Cafés und in Hotellobbys ist es übrigens inzwischen möglich, als blinder Mensch einfach los zu tippen. Herrlich!

Mit Hilfe meiner Finger und Ohren bekomme ich alle Infos, die ich benötige

Apropos, Hotellobbys. Morgen muss ich auf Dienstreise nach München, mit einer Übernachtung. Wenn ich daran denke, wie ich früher manch eine Nacht in einem völlig überhitzten oder viel zu kühlen Hotelzimmer geschlafen habe, weil ich die Bedienelemente der Klimaanlage erst nicht gefunden und dann die Bedeutung der vielen Tasten nicht verstanden hab. Gut, dass die Technik heute so gestaltet ist, dass ich mit Hilfe meiner Finger und Ohren alle Infos bekomme, die ich zur Bedienung benötige.

Da wird selbst der Fernsehabend zum Vergnügen. Seien es die Menüs von Fernseher oder Blu-ray-Player, alle kann ich problemlos bedienen. Anders als in 2014 gibt es heute ja immer ein akustisches Feedback, eine Sprachausgabe, die mir sagt, wo ich mich im Menü befinde. Und dass alle Fernsehsendungen und Filme, die heute im TV laufen, eine optional zuschaltbare Hörfilm-Spur haben, brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen. Willkommen in einer Welt für alle!

 

Linktipps:

Technik als Motor der Inklusion? Interview mit Enno Park zum Thema „Technische Innovationen in den Lebenswissenschaften“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Mobile Innovationen. Interview mit Matthias Lindemann zum Thema: „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“ beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Neuartige Medien als Schlüssel zur Teilhabe. Nina Treusch über die Veränderung des Schulalltags für Kinder mit und ohne Behinderung durch neue Technik

Mit eLearning zu barrierefreien Unis. Eva Keller im Interview mit Prof. Gerhard Weber von der TU Dresden über neue Technik an Hochschulen

Kommunikation und Teilhabe durch Technik. Katja Hanke über den Verein Kommhelp, der Hilfsmittel zur barrierefreien Kommunikation für Menschen mit Behinderungen entwickelt

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