Inklusion

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Dass meine ältere Tochter nicht nur blond und hübsch, sondern auch mehrfach behindert ist, vergesse ich manchmal. Sie ist einfach so, wie sie ist. Ihre Behinderungen bemerke ich oft erst durch die Reaktionen von außen. Um auf behindernde Momente im Leben mit meiner behinderten Tochter aufmerksam zu machen, gründete ich eine Rubrik auf meinem Blog, die ich – bewusst polarisierend – „Behinderte Momente“ nenne.

Traum vom inklusiven Kitaleben: „Kein Platz für eure Tochter“

Rolf van Melis / flickr

Behinderte Momente #1

Sommer 2012, ein Garten bei Hamburg. Wir feiern den Geburtstag eines Freundes und sind froh, dass unsere Tochter mit dabei ist. Nach vielen Wochen Krankenhaus ein Hauch von Normalität. Kaiserin 1 ist fast ein Jahr alt und liegt lächelnd neben einem anderen Kind auf einer Decke im Gras, die Magensonde hängt ihr aus der Nase.

Viele Freunde sind da, es ist ein fröhliches Fest. Auch die Oma unseres Freundes ist eingeladen, eine freundliche alte Dame. Als sie unsere Tochter sieht, werden ihre Augen groß. Sie stützt die Arme in die Hüften und ruft entsetzt: „Oh Gott! Sowas gibt‘s noch!?“

 

Behinderte Momente #2

Wochenlang waren wir auf der Suche nach einem Kita-Platz für unsere behinderte Tochter. Ein integrativer Kreuzberger Kinderladen hatte uns zu einem Probetag eingeladen. Die Kommunikation per E-Mail und Telefon war sehr nett und offen. Kaiserin 1 hospitierte einen Tag lang mit ihrem Papa, während ich den Tag hochschwanger mit einer Grippe im Bett verbrachte.

Nachmittags kamen beide glücklich wieder nach Hause. Sie hatten einen tollen Tag in der Kita verbracht, und unser Traum vom inklusiven Kitaleben für unsere Tochter schien Realität zu werden. Mein Mann erzählte begeistert von den anderen Kindern und der Integrationserzieherin.

Wenige Tage später folgte ein Anruf: „Leider können wir eurer Tochter keinen Platz bei uns anbieten. Wir haben Schwellen in unserer Kita und sie wird ja in absehbarer Zeit nicht laufen können. Außerdem können wir uns das mit ihrem Cochlear-Implantat nicht vorstellen. Damit haben wir keine Erfahrung.“ Der Traum von einer Kita für Kaiserin 1 war geplatzt. Sie war zu behindert.

 

Behinderte Momente #3

Im Gespräch mit einer Ärztin, die den kranken Darm unserer Tochter operieren soll. Nachdem alle Details der bevorstehenden Operation geklärt sind, fummeln ihre Hände an den fehlgebildeten Ohren meiner Tochter herum. „Wenn ich die so sehe, zuckt es mir schon in den Händen“, meint die renommierte Chirurgin. „Ein kleiner Schnitt da, ein kleiner Schnitt hier – und schon würde sie normaler aussehen.“

 

Weitere "Behinderte Momente" gibt's im Kaiserinnenreich - dem Familienblog von Mareice Kaiser

 

Linktipps:

Behinderung versus Bedürfnis. Mareice Kaiser über ihre zwei Töchter mit „Special Needs“ – mit und ohne Behinderung

Sind Kinder mit Down-Syndrom etwas Besonderes? Carina Kühne darüber, was es eigentlich bedeutet, „besonders“ zu sein

Tanzende Herzen. Mareice Kaiser und Anastasia Umrik über ihre erste Begegnung – aus ihrer jeweiligen Perspektive

Mehr zum Thema „Behinderung im Kindesalter“ beim Familienratgeber


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AnneLi

Durch einen Zeitungsartikel bin ich auf den Blog gestoßen.
Bei mir ist die Erfahrung schon viele Jahre alt (Tochter wurde 1981 geboren und ist mit 5 Jahren gestorben.
Sie litt auch unter einer sehr seltenen Krankheit (Aicardi Syndrom), und es dauerte lange bis man das erkannte.
Beispiele der Umweltsreaktionen kenne ich viele: Da ist ja das "Aicardi-Syndrom" sagte ein Arzt. Nein, das ist "Susanne" war meine Entgegnung.
Flug nach Düsseldorf:Ach wollen Sie in die Uni Klinik? Nein, zur Kö bummeln. Ach?
Mit so einem Kind?
Susi war sehr hübsch, und ich habe sie gerne nett angezogen. Ein kleines Teddypelzmäntelchen stand ihr besonders gut. Kommentar: Für so ein Kind so ein schickes Mäntelchen?
Ich könnte noch lange weiter machen.
Wir haben aber auch sehr viele gute Erfahrungen gemacht, und als Susi in meinen Armen eingeschlafen ist, habe ich alle die es anging, angerufen: Ich bin dankbar für die Zeit mir ihr und dankbar, dass sie sich verabschieden durfte.

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