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Suizidprävention - Jugendliche beraten Jugendliche

Jugendliche sind in besonderer Weise suizidgefährdet. Ein Projekt der Caritas in Berlin bildet junge Ehrenamtliche aus, damit diese online Gleichaltrige in Lebenskrisen beraten und begleiten können. Das Modell verbreitet sich in ganz Deutschland.

Foto: CC BY-NC 2.0 / J. Paxon Reyes / Flickr

Mehr Präventionsangebote im Bereich Suizid sind dringend nötig. Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland rund 10.000 Menschen das Leben. Man schätzt, dass es zehn Mal mehr Menschen versuchen. Jugendliche befinden sich in einer Lebensphase, die viele Veränderungen mit sich bringt und sind besonders anfällig für Krisen. Gleichzeitig ist die Hemmschwelle groß, sich an Institutionen zu wenden, die Rat und Hilfe bieten könnten. Deshalb geht das Caritas-Projekt "U25" neue Wege und lässt Jugendliche von Jugendlichen beraten – das Ganze anonym und online. Jugendliche, die Hilfe suchen, schicken über ein Online-Formular eine Nachricht an das Team und erhalten ebenfalls per E-Mail eine Antwort. Im besten Fall entsteht ein dauerhafter Austausch zwischen dem Freiwilligen und dem Jugendlichen.

In Berlin sind es zehn Ehrenamtliche zwischen 16- und 25 Jahren, die an der 6-monatigen Qualifizierung zum „Peerberater“ teilnehmen. Es sind Schüler ebenso wie Studierende der Psychologie, Medizin oder Sozialpädagogik. Sie treffen sich abends oder am Wochenende, um sich kennenzulernen, eigene Krisenerfahrungen zu reflektieren, vor allem aber um zu erfahren, wie man per E-Mail richtig auf die Nachrichten von suizidgefährdeten Jugendlichen reagiert. Allen Teilnehmern ist klar, dass per E-Mail keine Therapie durchgeführt werden kann, auch geht es nicht einfach darum, die Klienten an eine andere Beratungsstelle zu vermitteln.

Bei dem Ansatz mit Gleichaltrigen zu arbeiten, ist entscheidend, dass die Hemmschwelle niedrig ist, dass die Beratenden die gleiche Sprache sprechen, sich in derselben Lebensphase befinden und viele Probleme ohne Weiteres nachvollziehen können. Wie erfolgreich die Berater arbeiten, lässt sich nicht sagen und beschäftigt die Freiwilligen intensiv. Manch ein Jugendlicher bedankt sich am Ende für die Hilfe, von vielen anderen hört man nichts mehr. Die Berater bleiben im Ungewissen, ob er oder sie einen Ausweg aus der Krise gefunden hat oder – im schlimmsten Fall – seine Suizidabsicht umgesetzt hat.

Das Projekt, das vor zehn Jahren in Freiburg startete, gibt es inzwischen in fünf deutschen Städten. Die jungen Freiwilligen füllen mit dem Beratungsangebot nicht nur eine Lücke, sondern tragen auch dazu bei, dass Suizid in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und Menschen über das Thema reden. Ein wichtiger Schritt, um Menschen den Weg zu rechtzeitiger Hilfe zu ebnen.

www.u25-berlin.de

Möglichkeiten, sich im Bereich Suizidprävention zu engagieren, finden Sie in der Freiwilligendatenbank u.a. mit den Suchbegriffen „Seelsorge“ oder „Krisenintervention“.

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