Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Street Art zum Anfassen

Die Stadt ist eine Leinwand, der öffentliche Raum dazu da, sich auszudrücken. Ben Lübke (22) und Patrick Hölscher (26) aus Dortmund haben eine besonders kreative neue Form von "Street Art" entwickelt.

Botschaft in Brailleschrift auf Tasthöhe. Foto: Patrick Hölscher

Sie installieren sogenannte "Brailletags" an Griffen, Geländern, Telefonzellen, Sitzen oder Ampeln. Und sie kreieren T-Shirts und andere Merchandise-Produkte mit "haptischer Druckveredelung" – sprich: zum Anfassen. Zu sehen sind auf den Textilien normale Sprüche und Motive. In Brailleschrift gibt es außerdem Angaben zu Material, Waschtemperatur, Farbe usw., also Informationen, die Blinden ansonsten vorenthalten sind. "Haptic Words" nennt das Duo sein Projekt, das seine Dortmunder Grenzen schon längst verlassen hat. Auch in anderen Städten und Nachbarländern Deutschlands haben sie ihre Botschaften schon verbreitet.

Graffiti der anderen Art

"Wir wollen durch soziale Medien und dokumentarische Videos ein Stück zur Aufklärung beitragen und auf Barrieren hinweisen", beschreiben sie ihr Anliegen. Ben ist blind, macht zurzeit in Mainz eine Ausbildung als Masseur und ist großer Hip-Hop-Fan. Ihm geht es einerseits darum, nach Street-Art-Manier seinen Namen im öffentlichen Raum zu "bomben", sprich möglichst oft zu platzieren – Graffiti der anderen Art. Und es geht ihm um persönliche Botschaften, zum Beispiel seine Kritik an der Kürzung des Blindengeldes, die er so öffentlich zum Ausdruck bringt. Seine Tags bringt er überall dort an, wo er vermutet, dass andere Blinde sie fühlen werden. Die meisten Sticker, die er dazu benutzt, werden einfach auf der Punktschriftmaschine geschrieben. Größere Installationen werden auf Folien geplottet. Patrick studiert Kommunikationsdesign an der FH Dortmund und schreibt zurzeit seine Bachelorarbeit über das Projekt, das die beiden vor zwei Jahren starteten und seitdem ständig weiter entwickeln und dokumentieren. "Dieses Projekt sieht sich aber weniger als Bachelorarbeit, sondern vielmehr versuchen wir eine Subkultur oder sogar eine eigenständige haptische Ausdrucksform zu schaffen und zu fördern", sagt er.

Nachahmer gesucht

Ben und Patrick hoffen, dass sich andere anschließen werden und ebenfalls ihre Botschaften im urbanen Raum verbreiten. Und sie würden ihren Aktionsradius gerne erweitern: Braille-Art auf den Straßen von New York bis Tokyo und ein Merchandise-Angebot mit Taschen, Jacken und vielen anderen Produkten. Im Rahmen der Ausstellung "Urban Movements" im "Dortmunder U-Zentrum für Kunst und Kreativität" sind "Haptic Words" schon zu sehen gewesen. So kreativ und stylisch, wie das Projekt ist, wird es hoffentlich noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit bekommen!


Linktipps:
Video-Vorstellung des Projekts "Haptic Words" auf YouTube
Ich male, also bin ich. Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über das Malen durch Gedanken
Kunst für alle: Auch Hände können sehen. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über Kunst zum Anfassen

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