Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Stimmen zur Schulinklusion: Die Schüler-Perspektive

Nach Lehrern und Eltern haben wir Schülerinnen und Schüler gefragt, welche Erfahrungen sie mit Inklusion gemacht haben, was sie von dem Konzept halten und was sie sich für die Zukunft unseres Schulsystems wünschen.

"Du kannst alles werden"

Zeynab (20, Berlin) hat an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe Abitur gemacht:

"Ich hatte einen oder zwei Jahrgänge über mir eine Mitschülerin, die war Rollstuhlfahrerin. Ich habe mitbekommen, dass sie dies jedoch nicht daran gehindert hat, ihr Abitur zu machen oder Freunde zu finden. Die Schule war behindertengerecht eingerichtet und die Lehrer haben sie in keinster Weise benachteiligt oder anders behandelt.
Aus meinen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass sich die Lehrer sehr viel Mühe gegeben haben, den Schülern zu helfen und ihren Schulalltag besser zu gestalten. Mancher Lehrer war dann auch mehr als nur "der Lehrer", hat den Schülern zugehört, geholfen und sie aufgebaut, sie ermutigt, am Ball zu bleiben und ihre Ziele zu verfolgen. Mein Tutor hat damals zum Beispiel mal zu mir gesagt: "Zeynab, du kannst alles werden, auch Astronautin, wenn du das denn möchtest. Du musst nur an Dich selbst glauben, dann kannst du nach den Sternen greifen." So was zu hören, das war kurz gesagt: WOW! Jemand der an mich glaubt, das war das, was ich brauchte, als ich noch "jünger" und unentschlossener war."

Eine behindertengerechte Schule wäre gut

Sandra (16, Niedersachsen) besucht eine Realschule:

"Wir haben einen gehbehinderten Jungen im Jahrgang. Da wir keine Fahrstühle haben, muss er immer mit Krücken die Treppen laufen. Ich finde es gut, wenn Behinderte an "normale" Schulen gehen, wenn alles behindertengerecht ist und sie keine Probleme haben. Eine behindertengerechte Schule wäre gut. Ich fände es auch besser, wenn es mehr Behinderte auf unserer Schule gäbe, damit diese nicht ausgeschlossen werden und es mehr zur Gewohnheit wird, etwas mit Menschen mit Behinderung zu machen."

Immer ein großes Drama

Philip (19, Niedersachsen) besuchte zunächst eine Regelschule, bevor er an eine Schule für Blinde und Sehbehinderte wechselte:

"Ich war bis zur 6. Klasse auf einer Regelschule. Dort habe ich einen Zivildienstleistenden bekommen, und einmal die Woche kam jemand vom mobilen Dienst. Meine Bücher wurden alle eingescannt, dies war aber immer ein großes Drama, da ich oft am Anfang des Schuljahrs ohne Bücher dasaß. Das war nicht so lustig.
Ich weiß von mehreren Schulleitern, die sagten, dass es ja nicht möglich sei, zum Beispiel das Zentralabitur in Braille umzusetzen. Ich habe auch schon Schulleiter erlebt, die sagen, dass es ja überhaupt nicht ginge, jemanden mit einer Sehbehinderung oder einer Blindheit aufzunehmen. Das finde ich eine Frechheit. Einige Schulen müssen in der Zukunft sehen, wo sie bleiben, weil schließlich jeder das Recht auf Bildung hat. Und wenn man dann mal an die Presse gehen würde, könnte es schnell sein, das die Schulen ihre Meinung ändern, da sie keine Schüler verlieren möchten.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass jede Schule ohne Bedenken jemanden wie mich aufnehmen wird. Aber das braucht wahrscheinlich nicht nur ein paar Jahre, sondern Jahrzehnte."

Wir haben viel Spaß

Toni (11, Bayern) besucht eine Montessori-Schule:

"Wir helfen uns gegenseitig. Bei den Integrationskindern sind genauso nette und nicht nette Kinder dabei wie bei allen anderen auch. Wir lernen alle gemeinsam, das funktioniert gut und wir haben viel Spaß zusammen. Wir haben eine neue Schülerin. Ihr Arm funktioniert nicht. Sie ist total nett. Ich wünsche mir, dass es mehr solcher Schulen gibt und dass mehr Kinder in so eine Schule gehen können."

Gegenseitiger Respekt ist eine Voraussetzung

Paul (18, Nordrhein-Westfalen) besucht ein Gymnasium:

"Für mich hat der Umstand, dass alle Schüler sich gegenseitig mit Respekt behandeln und Unterschiede - seien es körperliche, geistige oder soziale - außer Acht lassen, weniger etwas mit einem Konzept als mit Vernunft und Menschenverstand zu tun. Um sich in einer guten Gesellschaft wie heute zu bewegen, ist gegenseitiger Respekt denke ich eine Voraussetzung.
Meines Erachtens ist es die Pflicht der Lehrer und Pädagogen, gerade in Kindergarten und Grundschule den Kindern beizubringen, dass jeder Mensch unabhängig von Aussehen, Psyche oder sozialem Hintergrund gleichwertig ist. Aber Pädagogen, die etwas anderes vermitteln, gibt es heutzutage sowieso nicht mehr. Alles andere hängt von den Kindern und Schülern selbst ab. Wer welche Schulform besucht, entscheiden schließlich immer noch die Qualifikationen des Einzelnen."

Später keine Hemmungen beim Kontakt mit Behinderten

Julia (14, Niedersachsen) besucht das Gymnasium:

"Bei uns an der Schule gibt es extra Fahrstühle, so dass jeder überall hinkommen kann. Ich finde es gut, dass auch Menschen mit Behinderung an "normalen" Schulen Unterricht haben. Ich denke, es hilft ihnen, leichter Freunde zu finden, da sie so auch mit anderen in Kontakt kommen. Auch Menschen ohne Behinderung kann es meiner Meinung nach helfen. Wenn man mit einem behinderten Mitschüler in eine Klasse geht, hat man eher Verständnis dafür und hat später weniger Probleme oder Hemmungen beim Kontakt mit Behinderten.
Ich fände es gut, wenn jede Schule behindertengerecht ausgestattet wäre, und ich denke, das sollte man auch erwarten können. Bisher hat man an den Schulen noch wenig Kontakt mit Behinderungen jeder Art. Ich fände es besser, wenn das mehr wären, da es dann normal wäre und ein einzelner Behinderter weniger herausstechen würde. Ich denke, dass sich Schüler mit Behinderung auch wohler fühlen würden, wenn sie wüssten, dass sie mit ihrer Behinderung nicht alleine sind."

Weitere Informationen:
Inklusionskampagne der Aktion Mensch: Handlungsfeld Bildung
Inklusionskampagne der Aktion Mensch / Geschichten im Blog: Inklusion in der Schule: Das Verschiedensein ist normal
Inklusionskampagne der Aktion Mensch / Geschichten im Blog: Wie kann eine "Schule für alle" wirklich funktionieren?
Familienratgeber: Schule für Kinder mit Behinderung

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