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Sprachblockaden? Gebärdensprache hilft!

Da war diese Mutter, die mit ihrer Tochter immer dann gebärdete, wenn Vater, Ärzte und Therapeuten nicht hinschauten. Heimlich, als wäre es etwas Verbotenes, jenseits der Lautsprache einen Zugang zu dem Kind zu suchen, das mit 13 Jahren immer noch nicht redete. Dr. Carla Wegener, damals Klinische Linguistin an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie in Frankfurt, bemerkte die Kommunikation zwischen Mutter und Tochter trotzdem.
Es war ein Schlüsselerlebnis für sie: Konnte die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ihren Patienten helfen, in die Lautsprache zu finden? Kindern also, die zwar hören, aber aufgrund von Störungen zum Teil unbekannter Ursache nicht das Sprechen lernen? Wegener sah sich bestätigt, als die Eltern eines 3-Jährigen in die Sprechstunde kamen und sagten: "Unser Kind spricht nichts!" Tatsache war aber: Auf einem Bogen, mit dem die Sprachkompetenz überprüft wird, konnte der Junge 60 Gegenstände mithilfe von Gebärden "benennen".

Studie gestartet
Carla Wegener hat die Konsequenz aus ihren Beobachtungen gezogen und an ihrem heutigen Arbeitsplatz - sie lehrt und forscht als Professorin im Fachbereich Gesundheit an der Hochschule Fresenius in Idstein - eine Studie zum Einsatz von DGS in der Sprachtherapie gestartet. Dabei besucht eine gehörlose Kollegin, die auch -Lehrerin ist, die Kinder ein Mal pro Woche zuhause, spielt oder schaut mit ihnen Bücher an und versucht dabei über Gebärden ins Gespräch zu kommen. "Wir erwarten von den Eltern, dass auch sie die DGS lernen - sonst nützen dem Kind seine Kenntnisse ja nicht viel", stellt Wegener klar.

Spielend sprechen lernen
Ziel dieses Vorgehens ist, den Kindern einen entspannten Zugang zur Lautsprache zu bieten. Denn je länger Eltern und Logopäden sich schon ohne wirkliche Erfolge um ein Kind bemühen - womöglich auch sanften Druck ausüben - desto negativer ist dessen Einstellung zur Lautsprache. Durch die Spielsituation lassen sich die Kinder auf die DGS ein, manche nehmen das Angebot zum Gebärden sogar begeistert auf – wie ein 4-Jähriger, der ab dem dritten Besuch "wie wild" gebärdete und beim 10. Mal schließlich redete.

"Sprache ist wichtig. Welche, ist zweitrangig"
Mittlerweile arbeiten Wegener und ihre Kollegen nicht nur mit Kindern, deren Sprachstörungen auf genetische Defekte zurückgehen, sondern auch mit Kindern, die aus unerfindlichen Gründen Sprachblockaden haben. Bislang haben die Kinder früher oder später immer in die Lautsprache gewechselt. Doch wenn einmal ein Kind bei der DGS bleiben würde, wäre das auch Wegeners Sicht auch ein Weg: "Dann hat das Kind eine Sprache, in der es sich verständigen kann. Denn Sprache ist wichtig zur Identitätsbildung – welche, ist zweitrangig!"

Links:
Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V.
Profil von Dr. Carla Wegener an der Hochschule Fresenius

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