Inklusion

Sportfest inklusiv - gemeinsam Spaß am Sport

Vergangene Woche lockte das inklusive Sportfest SPINK 2.500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen nach Hamburg – auch Michel Arriens war im Millerntor-Stadion dabei.

Michel Arriens

„Hauptsache zusammen Spaß haben, egal ob mit oder ohne Behinderung“, antwortet Arian, als ich ihn nach seinen Zielen für heute frage. „Ganz normal eben“, fügt sein Kumpel Paul noch hinzu. Die beiden Schüler von der Erich-Kästner Schule sind zusammen mit 2.500 angemeldeten Teilnehmern und Teilnehmerinnen durch halb Hamburg gefahren, um an dem zweitägigen, inklusiven Sportfest SPINK im Millerntor-Stadion teilzunehmen.

„Heute bin ich nur ein bisschen behindert“

Bereits von weitem leitete mich eine Mischung aus Jubelgesängen und den Geräuschen ineinander fahrender Rollstühle zum Vorplatz des Millerntor-Stadions. Kaum hatte ich mir meine Laufkarte mit den Stationen um den Hals gehängt, da saß ich mit meinem Mitspieler auch schon am Tisch von „Dialog im Stillen“. Finn musste schalldichte Kopfhörer aufsetzen und anhand meiner Lippen- und Handbewegungen eine Figur aus Holzklötzen bauen. Das war gar nicht so einfach. Umso stolzer war er, als er erfuhr, dass das bisher nur zwei Teilnehmerinnen vor ihm geschafft hatten.

Beim „Dialog im Dunkeln“ fuhr ich mit blickdichter Brille und Blindenstock beinahe Mia um, die offensichtlich gerade vom Schminken kam. Während sie mir erzählte, dass sie das Down-Syndrom hat, hielt sie mir stolz ihren Schwerbehindertenausweis vor die Nase. „Heute bin ich aber nur ein bisschen behindert, ich hatte nämlich gerade eine Knie-OP“, sagte sie noch, bevor sie winkend in der vorbeilaufenden Menge verschwand.

„Es geht um persönlichen Erfolg, nicht um Sieg“

Nach einer Tanzperformance vom LUKULULE e.V. und einem Konzert von Blind & Lame unterhielt ich mich einige Zeit mit Anastasia und Kathrin vom Modelabel inkluWAS, die mit ihrem Design für Vielfalt werben. Da aber noch einige Häkchen auf meiner Laufkarte fehlten, stärkte ich mich zunächst am Getränke- und Obststand, um mit neuer Kraft bei „Need for Speed“ Rollstuhlrennen zu fahren.

In Zusammenarbeit mit den Special Olympics Deutschland wurden im Stadion auch wettbewerbsfreie Disziplinen nach dem Motto „Erfolg statt Sieg“ angeboten. Während ich meine Übungen absolvierte, wurde die Stationsbetreuung aufgefordert, mich vom Rasen zu holen und daran erinnert, dass der Zutritt zum Rasen für bereifte TeilnehmerInnen aus Schutzgründen verboten sei. Im anschließenden Gespräch mit dem Leiter des Stadions vom FC St. Pauli empfahl ich ihm für 2016, den Rasen ganz aus dem Angebot für SPINK zu streichen – zumindest unter diesen Bedingungen. Inklusion bedeutet am Rand stehen nämlich nicht.

Erste Goldmedaille

Am Ende hatte ich neben Blindenfußball, Rollstuhlparcours, Armdrücken und 12 weiteren sportlichen Stationen auch ein künstlerisches und musikalisches Rahmenprogramm aus Konzerten, Tanzeinlagen und Mode hinter mir. Unter dem Motto „Gemeinsam stark“ hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auszutesten und neue Fähigkeiten oder Vorlieben zu entdecken. Das Thema Behinderung hat an diesem Tag für niemanden so wirklich eine Rolle gespielt, „ganz normal eben“ – so, wie man es sich ja auch wünscht. Völlig erschöpft hielt ich auf dem Rückweg meine erste Goldmedaille für Sport, Spaß & Inklusion in den Händen. Mein Wunsch wäre, dass Schulen die Idee eines inklusiven Sportfests ernst nehmen und sie in ihren regulären Schulalltag einfließen lassen – denn Sport kann definitiv allen Spaß machen!

 

Linktipps:

Mehr Infos zum inklusiven Sportfest SPINK in Hamburg

Mehr zum Thema Freizeit, Sport und Inklusion bei der Aktion Mensch

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