Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Sinnesparcours zum 5. Mai in Frankfurt

Rolli-Fahren kann Spaß machen – wenn man geschickt genug ist, die orange-weißen-Hütchen in rasantem Slalom zu umkreisen. Rolli-Fahren kann tückisch sein – wenn man zu viel Schwung nimmt, um die Bordsteinkante zu nehmen. Rolli-Fahren kann gefährlich werden – wenn meine Tochter unbedingt schieben will, ohne Rücksicht auf meine Finger an den Rädern und auf den Straßenverkehr zu nehmen. Diese und noch ein paar Erfahrungen mehr habe ich heute auf dem Sinnesparcours gesammelt, den der Verein "Kinder im Zentrum" (KIZ) im Frankfurter Stadtteil Gallus anlässlich des Aktionstags "5. Mai" aufgebaut hatte.

Haben es selbst ausprobiert: Eva Keller (M.) und ihre Tochter Dilek Akkaya / KIZ e.V.

Bewegung, Hören, Sehen: Das waren die Themen, zu denen es Aufgaben zu lösen gab – wie die Simulation einer Querschnittslähmung, durch die ich kurzzeitig auf den Rollstuhl angewiesen war. Eine andere war, einem Gespräch zu folgen, nachdem ich einen Hörschutz aufgesetzt hatte. Oder, auf diese Weise abgeschirmt von allen Geräuschen, sich mit dem Gegenüber ersatzweise per Gestik und Mimik zu verständigen.
Um sich in Menschen zu versetzen, denen alltägliche Handgriffe schwer fallen, lagen auf einem Tisch Handschuhe und diverse Utensilien aus: Bonbons, die ausgepackt werden mussten, ein Fahrradschloss, das geöffnet, und eine Schraube, die festgezogen werden musste. Daneben liegen Informationen aus, über die Gründe für Hör- und Sehbehinderungen und körperliche Beeinträchtigungen sowie über die Zahl der Menschen, die damit leben.

Sprechende Waage und Streifenschreiber

Andererseits gab es für Passanten und Besucher auch einige Hilfsmittel zu bestaunen, die zum Beispiel Menschen mit Sehbehinderung das Leben erleichtern oder einfach schöner machen: eine sprechende Waage; ein Blumenkalender mit geprägten Bildern, ein Wahlzettel in Blindenschrift. Der Streifenschreiber, eine Art Blindenschrift-Schreibmaschine, mit der man rasche Notizen machen kann. Und natürlich: der Blindenstock.
Ein zweiter Rundgang über das Gelände, Augenbinde auf, Stock in der rechten, Tochter an der linken Hand – die sich diesmal als umsichtige Helferin erweist. Zieht mich zur Seite, als mir jemand entgegen kommt; erklärt, dass das scheppernde Etwas, das der Stock berührt, ein Fußgängerschild ist; weist mich darauf hin, dass wir nun am Kaffee- und Kuchenstand angekommen sind.

Behinderung ist kein Kinderspiel

Ein guter Ort, um mit Frauen und Männern ins Gespräch zu kommen, die nicht für ein paar Minuten mit Blindenstock oder Rollstuhl unterwegs sind. Für die Behinderung kein Spiel ist; ein Spiel, auf das sich übrigens vor allem die Kinder an diesem sonnigen Nachmittag ganz unbefangen einlassen. Sondern die erzählen können, welche Hürden sie täglich noch nehmen in unserer Stadt. Und wie manchmal für den einen zum Nachteil ist, was dem anderen nutzt: Der Rollstuhlfahrer freut sich über abgesenkte Bordsteinkanten – der Blinde aber vermisst dann die Kante als Zeichen, dass er gleich auf der Straße steht. Auch diese Erfahrung habe ich heute übrigens gemacht – zum Glück an einer ruhigen Straße.


Linktipps:
Der Verein "Kinder im Zentrum" (KIZ)
Die Veranstaltungsreihe "Inklusion betrifft alle" des KIZ
Der Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen
Mehr Infos zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai 2013

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