Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Sind Kinder mit Down-Syndrom etwas Besonderes?

Gedanken von Carina Kühne zum heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag 2013

Schülerin Carina Kühne: Ich wollte nie etwas Besonderes sein. Foto: privat

Kinder, die besonders hilfsbedürftig sind, werden oft als "besondere Kinder" bezeichnet. Es sind Kinder mit schweren Krankheiten oder Behinderungen. Diese Kinder sind etwas "anders" und brauchen mehr Unterstützung. Ihr Leben verläuft nicht so wie erwartet.

Oft liest man, dass diese besonderen Kinder sich auch besondere Eltern aussuchen. Ist es nun positiv, wenn man von besonderen Kindern spricht, oder eher negativ? Schließlich kommen sie ja auch automatisch in besondere Einrichtungen wie Sonderkindergarten, Sonderschule, Wohnheim oder Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Als Erwachsene sind besondere Kinder dann häufig nur noch "Behinderte".

Ich wollte nie etwas Besonderes sein. Ich möchte so sein, wie alle anderen auch und einfach dazugehören.

Was heißt eigentlich besonders?

Man kann besonders klug oder dumm sein und auch besonders schön oder hässlich, groß, klein, dick, dünn, freundlich oder unfreundlich. Eigentlich passt besonders vor jedes Adjektiv. Es kann also positiv oder auch negativ sein.

Für meine Mutter waren mein Bruder und ich immer gleich. Jeder Mensch ist doch besonders. Wenn sie gesagt hätte, dass mein Bruder so besonders ist, wäre ich sicherlich traurig gewesen. Oder mein Bruder hätte sich zurückgesetzt gefühlt, wenn ich für sie etwas Besonderes wäre.

Vielleicht sind die Eltern traurig, wenn sie ein behindertes Kind bekommen und fühlen sich besser, wenn dieses Kind etwas Besonderes ist. Inklusion kann aber eigentlich nur funktionieren, wenn keiner besonders hervorgehoben wird sondern jeder so akzeptiert wird, wie er ist – mit allen Stärken und Schwächen.


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Petra Köhler

Ein wunderbarer Beitrag, über den ich jetzt erst einmal nachdenken musste. Ich selbst bezeichne Menschen mit Downsyndrom, als besonders. Dass rührt daher, dass ich nur BESONDERS positive Eigneschaften bei ihnen finde. Sie sind besonders lieb. Sie sind besonders feinfühlig. Sie erkennen, wenn es einem nicht gut geht. Sie geben besonders viel Liebe. Sie lächeln besonders authentisch. All das verbinde ich mit diesem "BESONDERS". Wenn alle Menschen diese Besonderheiten besäßen, wäre die Welt um so Vieles schöner. Ich hatte einen Verwandten. Während des 2. Weltkrieges versteckte ihn Prof. Ibrahim zeitweise, in der Kinderklinik in Jena, vor den Nazis. Er hatte das Downsyndrom. Er war wirklich besonders liebenswert. Er konnte wunderbar zuhören und trösten. Und er hat es ernst gemeint. Er reparierte unsere kaputten Fernseher und Radios. Ich betreute ein kleines Mädchen mit Downsyndrom. Sie brachte mich mit ihrer Fröhlichkeit immer zum lachen. Selbst wenn mir gerade nicht danach war. Ich denke, es ist längst überfällig, dass ihr ganz normal angesehen werdet, in normale Kindergärten und Schulen gehen könnt und ihr aufwachsen dürft, wie jeder Mensch - ohne wenn und aber. Ein "normales" Baby wird behindert werden, wenn es keine Reize erfährt und am lernen gehindert wird. Man nennt es auch millieu-geschädigt. Genau das ist es, was Menschen mit Downsyndrom daran hindert, sich normal zu entwickeln. Euch werden leider die Wege und Zugangsmöglichkeiten versperrt. Carina, kämpfen Sie bitte immer weiter, damit dieser Irrsinn endlich ein Ende findet.

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