Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Seelsorge mal anders

Pfarrerin Elisabeth Strube betreut eine ungewöhnliche Gemeinde. Deren Mitglieder sind nämlich über ganz Sachsen-Anhalt verstreut - und sie sind gehörlos. Strube braucht und gebraucht deshalb die Deutsche Gebärdensprache (DGS), wenn sie Hausbesuche macht, wenn sie Gottesdienste feiert oder wenn sie sich in Gehörlosenvereinen vorstellt.

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) hat Strube in Kursen bei der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Gehörlosenseelsorge (DAFEG) gelernt. Die DAFEG sorgt über Aus- und Fortbildung sowie das Erarbeiten von Gebärdenliedern und kirchlichen Texten dafür, dass Gehörlose in die kirchliche Arbeit und das Gemeindeleben besser eingebunden werden. Wenn Elisabeth Strube beim Gebärden an ihre Grenzen stieß, holte sie sich bislang einen Dolmetscher an die Seite. "Doch es gibt Momente im Leben, da möchte ich unter vier Augen mit den Menschen sein", sagt sie. Wenn ihr jemand etwas sehr Persönliches anvertrauen möchte zum Beispiel. Oder wenn ein Sterbender den direkten Beistand eines Geistlichen sucht.

Linguistik, Techniken, Geschichte und Kultur
In einem dieser Momente im vergangenen Jahr beschloss Strube, noch tiefer in die DGS einzusteigen. So schrieb sich die 54-Jährige, die in Halberstadt ihren Lebensmittelpunkt hat, für den berufsbegleitenden Studiengang "Gebärdensprachdolmetschen" an der privaten Hochschule Fresenius ein. Seitdem schiebt sie ein Mal pro Monat zwischen ihre Fahrten von Halberstadt nach Wittenberg und von Magdeburg nach Halle noch Wochenendseminare in Idstein oder Frankfurt ein. Linguistik der DGS, Techniken des Dolmetschens, Geschichte und Kultur der Gehörlosen stehen dann auf dem Programm: "Alles Dinge, über die ich bislang nicht viel wusste", sagt Strube.

"Gottesdienst für die Augen"
Weil sie aber schon jetzt die Bedürfnisse von Gehörlosen und Schwerhörigen gut kennt, berät sie auch Gemeinden, die sich besser auf gehörlose und schwerhörige Kirchenbesucher einstellen wollen. Strube regt dann an, beim Sprechen stärker die Mimik einzusetzen. Sie klärt auf, welche Technik sinnvoll ist, damit auch Schwerhörige Texte verstehen, mitbeten und mitsingen können - zum Beispiel transportable Induktions- und Ringschleifensysteme. Und: Sie treibt gerade ein ganz neues, eigenes Projekt voran: einen "Gottesdienst für die Augen", der sich gleichermaßen an Gehörlose und Hörende richtet. In Gebärdensprache und gesprochenem Wort. Mit weniger Musik, sondern mehr visuellen Elementen: Pantomimische Szenen sind geplant, außerdem sollen biblische Texte mit passenden Bildsequenzen begleitet werden und Töne wie die läutenden Glocken beim Einzug ins Kirchenhaus sollen auch mit Bildern dargestellt werden.
Und was haben die Hörenden von solch einem inklusiven Gottesdienst? "Die erleben ihn intensiver, weil er stärker ihre Sinne anregt", gibt sich Strube überzeugt.

Weiterführender Link:
Gehörlosenseelsorge der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland

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