Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Schönheitsideal trifft Körperbehinderung

Das vorherrschende Schönheitsideal der modernen Welt (groß, schlank und makellos) scheint behinderte Menschen per se auszuschließen; wird doch die Behinderung als einer der größten vorstellbaren Makel wahrgenommen. Intelligenz wird einem "typischen Behinderten" vielleicht noch zugestanden. Dass er/sie nett und lieb ist und bestimmt einen ganz tollen Charakter hat. Aber Schönheit? Attraktivität? Sex-Appeal? Nein, das passt laut landläufiger Meinung ganz sicher nicht mit dem Bild eines behinderten Menschen zusammen.

Stimmt das?

Ich persönlich kann dazu sagen, dass es in der Tat Tage gibt, an denen ich mich nicht attraktiv fühle. Weil ich beispielsweise meinen Bad-Hair-Day habe. Weil ich morgens festgestellt habe, dass der rote Blazer, den ich eigentlich tragen wollte, einen Fleck hat und ich jetzt den langweiligen grauen anhabe, zu dem ich keine passenden Schuhe finde. Und weil die letzte Nacht viel zu kurz war und ich deswegen Augenringe habe. Und überhaupt.
Aber wegen meiner Behinderung habe ich mich eigentlich noch nie unattraktiv gefühlt. Das können Sie sich nicht vorstellen? Ist aber so :-)
Und es ist gar nicht mal so unplausibel, wenn man sich vor Augen führt, dass selbst die "Supermodels", die schönsten Frauen der Welt, panisch auf ihre nicht vorhandenen Fettpolster starren und ihre Oberschenkel millimeterweise nach Orangenhaut absuchen. Das vorhandene "Rohmaterial" scheint also nicht ausschlaggebend zu sein, sondern vielmehr die eigene Stimmung, die Selbstwahrnehmung und die persönliche Ausstrahlung. Können diese drei Dinge denn positiv sein, wenn man nach objektiven Standards so gar nicht in das Schönheitsideal reinpasst? Ja. Weil meine Chefin mir gestern ein super Feedback zu meiner letzten Präsentation gegeben hat. Und ich den figurbetonten Seidenrock anhabe, zu dem der Ton meines Nagellacks perfekt passt. Und endlich die Sonne scheint, so dass ich die neuen Highheels mit den 10-cm-Absätzen anziehen kann. Sieht man in den offenen Schuhen, dass meine Füße durch die Muskelatrophie nicht ganz gerade sind? Ja, ein bisschen. Aber man sieht auch, wie toll die hohen Absätze meine Beine zur Geltung bringen.
An manchen Tagen ist mir der eine Aspekt wichtiger, an anderen eben der andere. Ganz sicher habe ich nicht das Selbstbewusstsein, jeden Teil meines anatomisch andersartig geformten Körpers der Öffentlichkeit zu zeigen und natürlich versuche ich bestimmte Dinge zu kaschieren: zum Beispiel die schiefe Wirbelsäule durch Vermeiden von rückenfreien Kleidern. Aber genau dasselbe macht jede Frau mit ihren Problemzonen bevor sie in ein Minikleid schlüpft. Stattdessen betonen wir vielleicht unsere Augen mit den langen Wimpern. Den sinnlichen Mund. Die gepflegten Hände.
Und haben am Ende wie alle Menschen unsere guten und unsere schlechten Tage.

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?