Aktion Mensch-Blog

"Rollstuhlkarate? So was gibt es?"

von Sibylle Kölmel

Das Projekt "Wir bauen Brücken! – Menschen mit Handicap im Alltag" bringt Schülerinnen und Schülern das Thema Behinderung nahe und wirbt in Schulen für mehr Toleranz und Vielfalt. Die Aktion Mensch fördert dieses Projekt des Körper- und Mehrfachbehindertenverbandes in Sachsen mit 4.000 Euro.

Referenten Christian Lissek und Katrin Reinke Fotos: Sibylle Kölmel

Ein Montag im März. Es schneit, und es ist ziemlich kalt. Hier in der Grundschule Markkleeberg-West bei Leipzig ist die große Pause vorbei. Die Drittklässler laufen in ihr Klassenzimmer und nehmen an den Tischen Platz. Es wird still. Alle schauen gespannt nach vorne.

Dort sitzen Christian Lissek und Katrin Reinke. Beide haben eine Behinderung, beide sind sie Referenten des Projekts "Wir bauen Brücken! – Menschen mit Handicap im Alltag". Er hat auf einem Stuhl Platz genommen, sie sitzt im Rollstuhl. Heute wollen sie erzählen, was es bedeutet, mit einer Behinderung zu leben. Und: wie Menschen ohne Behinderung mögliche Hemmungen abbauen und ein besseres Verständnis für den Umgang miteinander entwickeln können.

"Ich komme eigentlich ganz gut klar"

Deshalb berichten Christian Lissek und Katrin Reinke zunächst einmal von sich selbst.

Christian Lissek hat seit seiner Geburt eine spastische Behinderung. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitet er beim Körper- und Mehrfachbehinderten Verband Sachsen und berät unter anderem Menschen mit Behinderung. Er hat einen großen Freundeskreis, eine Hündin und fährt Autorennen in nicht-behindertengerechten Autos.

Katrin Reinke hat Ataxie, eine Störung der Grob- und Feinmotorik, die auch die Körperhaltung, die Sprache und das Sehen beeinflusst. Nach dem Realschulabschluss macht sie eine Ausbildung zur Sekretärin. "Ich komme mit meiner Krankheit und der Hilfe von Anderen eigentlich ganz gut klar. Ich wohne in einer eigenen Wohnung und fahre mit dem E-Rollstuhl zur Arbeit." Katrin Reinke berichtet, dass sie Rollstuhlkarate macht. Die Kinder sind erstaunt und begeistert. Ein Junge sagt: "Rollstuhlkarate! So was gibt es auch?"

Fragen und Antworten zu Behinderungen

Dann geht es um Ursachen für Behinderungen. Und um Definitionen.

"Kennt jemand den Oberbegriff, wenn jemand nicht sehen, nicht hören kann?", fragt Christian Lissek. Die Kinder rätseln. "Vielleicht heißt es sehbehindert?", fragt ein Junge zurück. "Das sind Sinnesbehinderungen", ruft ein anderer Junge. Die erste Folie mit diesem Begriff wird an der Tafel befestigt. Eine weitere Folie mit dem Wort "Sprachbehinderung" folgt.
"Und was gibt es noch für Behinderungen?", fragt Christian Lissek weiter. "Geistig behindert", sagt ein Mädchen in der ersten Reihe. Und ein anderes ruft "gehbehindert" in den Raum.

Einige Zeit später zeigen die Referenten Abbildungen. "Das Moped steht falsch, weiß jemand, warum?" Ein Mädchen antwortet: "Es hat auf dem Blindenstreifen geparkt. Die Blinden haben meistens immer einen Blindenstock, mit dem sie ertasten können, wo irgendwas ist."

Dann geht es um Blindenhunde, Rollstuhl-Rampen, Badewannen und Toiletten für Menschen mit Behinderung, den Schwerbehindertenausweis und um sprechende Armbanduhren und Thermometer.

"Wir zeigen den Kindern auch, wie sie Behinderten helfen können. Im Supermarkt zum Beispiel, oder auf der Straße", sagt Christian Lissek. Wie das im Alltag aussehen kann, machen ein paar praktische Übungen deutlich. Die Schüler fahren Rollstuhl, üben das Gebärdenalphabet und führen sich mit verbundenen Augen über den Flur: "Und was, denkst du, ist wichtig, um gut geführt zu werden?" – "Vertrauen. Dass ich mich drauf verlassen kann, so geführt zu werden, dass ich nicht gegen die Wand knalle ... Okay, können wir jetzt weitergehen?"


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