Aktion Mensch-Blog

Rolli-Rallye und Gebärdenkurs beim REWE Family-Event

Tausende von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen strömten am 1. Juni zum REWE Family-Event auf das Heiligengeistfeld in Hamburg, wo angesagte Show-Stars wie Detlef D! Soost und die aktuelle DSDS-Gewinnerin Beatrice Egli die Bühne rockten. Mittendrin im bunten Treiben – ganz im Sinne des Inklusionsgedankens - hatte die Aktion Mensch ihren Stand.

Rollstuhl-Parcours: Mit etwas Hilfe kam jeder ans Ziel Brigitte Muschiol

Eine kleine Rolli-Rallyestrecke lud Fußgänger ein, einmal auszuprobieren, wie es sich anfühlt, mit dem Gefährt in Fahrt zu kommen, Kurven zu meistern oder schnell bremsen zu müssen. Susanna Schüler und Petra Alaei vom Gehörlosenverband Hamburg e.V. boten im Rahmen des Modellversuchs für Gebärdensprachübungen in Schulen und Kindergärten (MOGIS) kleine Übungen zur Verständigung zwischen hörenden und gehörlosen Menschen an.

Keine Berührungsängste mit Rollstühlen

Wer gedacht hat, dass Kinder und Jugendliche automatisch Berührungsängste mit Rollstühlen hätten und etwa in erster Linie an Castingshows interessiert seien, wurde am Stand der Aktion Mensch positiv überrascht. Gleich nach Öffnung des Veranstaltungsgeländes ließen sich die ersten Kinder und Jugendlichen auf ganz neue Erfahrungen ein. Bei der Rolli-Rallye der Aktion Mensch fuhren sie gegen Team-Mitarbeiter, Geschwister, Freunde und auch mal gegen sich selbst. Natürlich ging es nicht um einen trockenen Wettbewerb, sondern um die Herausforderung, sich auf ein ungewohntes Gefährt und ein neues Körpergefühl einzulassen. Und – ganz nebenbei – um einen Denkanstoß, welchen Herausforderungen sich Rollstuhlfahrer im Alltag stellen müssen. Oder Menschen, die zum Beispiel nicht die Sprache als Mittel der Verständigung zur Verfügung haben, sondern Brücken der Verständigung über Gebärden bauen müssen.

Den neunjährigen Tobi überraschte bei dem Rolli-Rennen am meisten, „wie anstrengend es ist, damit voranzukommen“. Seine Mutter ergänzt, es sei nichts Ungewöhnliches für ihren Sohn, dass Menschen manchmal Hilfe brauchen, und sei es durch technische Hilfsmittel. Sie selbst ist stark sehbehindert, „da muss Tobi manchmal für mich mitgucken“. Dafür sei er aber ein sehr aufgeschlossener Junge geworden, der ein großes Einfühlungsvermögen in andere Menschen entwickelt habe.

„Ganz schön cool“

Die 12-jährige Jasmin, die sich mit zwei Freundinnen auf die Rallyestrecke begeben hat, machte die Erfahrung, wie anders sich der Körper verhält, wenn er die Beine nicht zur Fortbewegung einsetzen kann. Man müsse neu überlegen, aber irgendwie kriege man den Dreh raus. „Ich kenne zwar auch in meinem Bekanntenkreis Rollifahrer, aber ich habe noch nie darüber nachgedacht, wie sie sich fühlen, wenn sie damit unterwegs sind.“ Ihre Freundinnen steuern ihre Eindrücke aus der Fernsehsendung „Vorstadtkrokodile“ bei, wo in einer Sendung vor längerer Zeit schon waghalsige Szenen eines Rollstuhl-Stuntmans zu sehen waren: „Ganz schön cool“, sagen sie. „Das haben wir uns gemerkt.“

Leon, 14 Jahre, mag sich nicht einen Rollstuhl setzen. Vielleicht ist es ihm ein bisschen unangenehm, dass die vielen Leute, die mit Kind und Kegel und Bollerwagen übers Gelände ziehen, interessiert stehenbleiben und sich vom Geschehen um Hütchen umfahrende Rolli-Fahrer beeindrucken lassen. Aber dann erzählt er von seiner Tante, die vor einiger Zeit nach einer Operation an den Beinen lange den Rollstuhl gebraucht hatte: „Ich weiß noch, dass sie Krankengymnastik gebraucht hat, damit sich ihre Beinmuskulatur wieder aufgebaut hat.“ Inzwischen hat sich die Tante wieder gut erholt. „Am schwersten ist ihr aber das Sitzen gefallen“, meint er nachdenklich. „Jeder Mensch braucht Bewegung. Das gilt auch für Rollifahrer.“

Ein Vater, der die Taschen seiner Tochter trägt, während sie vom Aktion-Mensch-Team ins Rollifahren eingewiesen wird, sagt, er sei sehr von der Inklusion überzeugt: „Das ist das Leben.“ Die Tochter, die später dazu kommt, erzählt, dass die Rollifahrer nur im Erdgeschoss unterrichtet werden, weil das Gebäude nicht komplett barrierefrei sei. In ihrem Schulalltag seien die Rollifahrer aber nichts Ungewöhnliches mehr: „Sie gehören dazu.“

Schnupperkurs in Gebärdensprache

Parallel zur Rolli-Rallye boten Susanna Schüler und Petra Alaei vom Modellprojekt MOGIS kleine Übungen zum Gebärden an. Susanna Schüler hat Bildkarten zu einfachen Begriffen vorbereitet: Tasche etwa, Ball, Stuhl oder Hund. Zunächst darf jeder frei vormachen, wie er diesen Begriff ohne Sprache ausdrücken würde. Dann zeigt die Dozentin, wie ihn die Gebärdensprache ausdrückt. Erstaunlich, wie nah man intuitiv am offiziellen Ausdruck ist. Und wie viel Spaß es macht, eine neue Sprache zu lernen – ganz ohne Worte.

Die Aktion Mensch unterstützt den Modellversuch für Gebärdensprachübungen in Schulen und Kindergärten (MOGIS) mit 46.996 Euro. Es ist eines von über 1.000 Projekten in Hamburg, die von der Soziallotterie seit 2003 mit bisher fast 28 Millionen Euro gefördert wurden.


Linktipp:
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