Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Rock'n'Rolli: Party für Menschen mit und ohne Handicap

Der Berliner Club Kater Holzig ist bekannt für sein cooles und schönes Publikum. Und für die harten Türsteher. Zur Party "Rock'n'Rolli" ist aber alles anders. An diesem Abend ist cool sein nicht wichtig, und jeder ist willkommen.

Foto: Philipp Wittulsky

Laute Punkmusik dröhnt durch den Hof des Kater Holzig. Dazu erleuchten rote und blaue Lichter die alten Backsteingebäude, ein Lagerfeuer lodert in einer Tonne, und an kleinen, bunt geschmückten Holzbuden gibt es Bier. Das Publikum sitzt auf Podesten aus Holz oder steht dicht vor der Band: Eine Gruppe junger Menschen mit Trisomie 21 jubelt, Einzelne stecken ihre Arme in die Höhe, Rollstuhlfahrer nicken mit dem Kopf, ein junger Mann wiegt sich, auf seinen Blindenstock gestützt, vor und zurück. Es ist Samstagabend, 20 Uhr, und die Party ist in vollem Gange. Bereits zum zweiten Mal findet "Rock'n'Rolli" im angesagten Club Kater Holzig statt.

In der überdachten Bar im Hof sitzen sechs Frauen und sechs Männer an einem großen Holztisch, vor sich einen Fragebogen. Den bearbeiten sie paarweise und befragen sich zu ihren Eigenschaften und Hobbys. Das ist die Flirtstation. Auf einem Sofa neben dem Tisch sitzt Philipp Günther. Er ist blind und möchte auch gleich mitmachen. "Die Flirtstation ist das Beste auf der Party", sagt er und grinst. "Ich bin nämlich auf der Suche." Der Andrang ist allerdings so groß, dass der 28-Jährige kurz warten muss. Er möchte, sagt er, eine Frau kennenlernen und bald mit ihr zusammenziehen.

Mehr als nur Musik

Wer nicht flirten oder tanzen will, kann sich im Hof schminken lassen oder in den Sinneswelten per Geruchs- und Tastsinn um die Erde reisen. Bei "handicap to go" erhalten Menschen ohne Behinderung ein temporäres Handicap und müssen blind, gehörlos oder im Rollstuhl eine Aufgabe lösen. Empathie und Rücksicht gegenüber Menschen mit Behinderung zu wecken, das ist eines der Hauptanliegen von "Rock'n'Rolli". "Solche Werte vermitteln sich am besten durch die eigene Erfahrung in einem lockeren Umfeld", sagt Veranstalterin Annina Zamani, die die Party mit Hilfe von Förderern und Unterstützern finanziert.

Rein ins Nachtleben

Normalerweise organisiert sie keine Partys, sondern barrierefreie Ausflüge mit ihrem Unternehmen "Großer Wagen". "Rock'n'Rolli" ist eine Herzenssache. "Durch meine Arbeit ist mir aufgefallen, dass es viele junge Menschen mit Handicap gibt", sagt sie. "Und die wollen nicht nur raus in die Welt, sondern auch rein ins Leben, zum Beispiel ins Nachtleben."
Die Tanzfläche im Club hat sich inzwischen gefüllt. Sie ist in rotes Licht und Trockennebel getaucht. Einige Gäste drehen sich mit ihren Rollis zur groovigen House-Musik, andere tanzen ausgelassen. Drei Männer in Elektrorollstühlen stehen am Rand, werfen ihre Köpfe wild hin und her und strahlen vor Begeisterung.

Geschmückte Rollstühle

Fast alle Rollstühle haben fluoreszierende Kunststoffringe in den Rädern. Die gibt es bei "pimp my rolli". Auch Ulla Zurmühle hat sich ihren Rollstuhl mit Leuchtstäbchen und einem Nummernschild aufmotzen lassen. "Love, Fun & Rock'n'Rolli" ist darauf zu lesen. Die 33-Jährige findet die Party "genial". "Wenn ich mit Freunden woanders hingehe, fühle ich mich oft unwohl", sagt sie. "Doch hier bin ich nicht der einzige Rollifahrer." Sie habe schon einige neue Leute kennengelernt. "Es ist schön, dass hier alle zusammen sind: mit und ohne Handicap." Die Kulisse findet sie "traumhaft" und fügt begeistert hinzu, dass man auf dem großen Gelände gut "mit dem Rolli rumheizen" könne. "Ich kann mir vorstellen, dass ich auch so mal ins Kater Holzig komme", sagt sie und rollt auf der breiten Rampe zurück in den Club.


Linktipps:
Fernsehbericht über das erste "Rock'n'Rolli"-Event im Club Kater Holzig
Infos über kommende "Großer Wagen"-Veranstaltungen
Musik mit allen Sinnen erleben. Ein respect.de-Themen-Spezial über Sencity, eine Partyreihe für gehörlose und hörende Menschen
Party auf vier Rädern. Ein Blogbeitrag von Petra Strack über Behinderungen im Nachtleben

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