Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Roboter versus Assistent? Eine Überlegung, Roboter „R2D2“ zum Assistenten auszubilden

Gestern sah ich im Fernsehen einen Bericht über den Einsatz von Pflegerobotern für Bewohner in Altenpflegeheimen. Ich bin noch weit davon entfernt, mir Gedanken über das Leben im Alter machen zu müssen, aber auch ich brauche intensive Unterstützung und bin in vielen Bereichen auf Hilfe angewiesen. Wie wäre es also, wenn diese Assistenz anstatt von einem Menschen von einem Roboter kommen würde?

Wie die Leserinnen und Leser dieses Blogs bereits wissen, bin ich nicht in der Lage, selbst zu schreiben, zu essen, zu gehen oder irgendwas anderes zu tun, was auf körperlicher Kontrolle und Kraft beruht. Deswegen habe ich Assistenz, die rund um die Uhr bei mir ist, und einige technische Hilfen, wie ein Spracherkennungsprogramm oder eine Umfeldkontrolle. Dank dieser Geräte sollte ich wenigstens ein klein wenig Selbständigkeit haben können, wenn sie dann auch richtig funktionierten.

Alles Technik, oder was?

Die Sprachumfeldsteuerung reagiert zum Beispiel auf Putzgeräusche und schaltet sich ein, wenn ein Stuhl verrückt oder der Schrubber über den Boden bewegt wird, und beschallt mich mit Musik, weil sie die Anlage in Gang setzt. Und mein Diktierprogramm ist noch eine andere Geschichte. Es ist auf die Sprache eines Geschäftsmannes eingestellt und will statt meiner Geschichten und Briefe häufig Texte über Börsenkurse und Marktanalysen schreiben. Wenn ich zum Beispiel den Satz: „Der Baum ist grün und steht im Garten“ sage, dann hat es verstanden: „Die Börsenkurse sind im Keller und stehen Not.“ Das sind keine idealen Bedingungen für einen Vollzeitpflegeroboter. Und doch glaube ich, dass mir meine Technik fehlen würde, wenn sie kaputt geht.

Bei einem Assistenten gibt es keine technischen Probleme oder Stromausfall

Wenn ich jetzt also weiter denke und mir überlege, meine Umfeldsteuerung würde nicht nur meine Anlage oder mein Telefon mit meiner Stimme bedienen, sondern auch mir ein Getränk anreichen können wie die Roboter im Altenpflegeheim, was würde passieren, wenn meine technische Hilfe plötzlich keine Lust mehr hat und mitten in der Bewegung stoppt oder das Getränk unkontrolliert in meinen Mund schüttet? Noch schlimmer und schmerzhafter wäre eine technische Panne beim Haare bürsten, und er würde mir stundenlang durch meine Haare fahren. Die möglichen Pannen beim Toilettengang oder der Körperpflege erspare ich mir und überlasse sie der Fantasie meiner Leserinnen und Leser.

Assistenten sind nicht taub und stumm – Roboter aber schon

Bis jetzt weiß ich, ich würde meine Assistenten immer einem Roboter vorziehen. Aber natürlich gibt es Situationen, die für mich mit einem technischen Helfer einfacher zu regeln wären. Wenn ich zum Beispiel jemanden kennenlerne, wäre da nicht die Unsicherheit, wen er zuerst anspricht oder wie man mit meiner Begleitung umgeht. Und auch die intimen Momente, wenn ich zum Beispiel mit einem Mann allein sein möchte, wären mit dem Roboter unkomplizierter. Denn er könnte ganz einfach nichts sehen, nichts hören, nichts sagen und nichts denken. Unsicherheit, Scham und Hilflosigkeit wären auf keiner Seite ein Problem, wenn ich den Roboter einfach ausschalte, und auch einen Streit und schlechte Laune würde es bei uns, abgesehen vom Akku-Ausfall, nicht geben.

Ein Roboter ist doch kein Mensch

Auch wenn es einige Momente gibt, in denen ich die menschlichen Hände, die mir helfen, gerne durch Gummi- und Metallhände ersetzen würde, so kann ich doch am Ende des Fernsehberichts und meiner Gedanken dazu ganz klar sagen: Ich möchte keinen Pflegeroboter, denn ein Pflegeroboter würde mir nicht mit Aufmunterung und Unterstützung helfen, wenn ich gestresst bin von meiner Abschlussarbeit, und er würde sich auch nicht mit mir freuen und feiern, wenn ich die Arbeit endlich abgegeben habe. Es sei denn, es würde ihm vorher einprogrammiert. Und das ist doch vorhersehbar und langweilig.


Linktipps:
Der Ratgeber "Wege zur Assistenz" des Bundesverbands Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) (PDF-Dokument)
Arm ab = arm dran? Ein Blogbeitrag von Petra Strack zum Thema Finanzierung von Persönlicher Assistenz
Leben mit persönlicher Assistenz. Ein Blogbeitrag von Petra Strack über den Unterschied zwischen Betreuung und Assistenz
Ziemlich beste Assistenten. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen über den Kinofilm "Ziemlich beste Freunde" und das Leben mit persönlicher Assistenz

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