Inklusion

Rein ins Nachtleben!

In Clubs und auf Konzerte zu gehen, das gehört zum Leben junger Menschen dazu. Hier trifft man sich, feiert zusammen und lernt neue Leute kennen. Für Menschen mit Behinderung ist es oft eine Herausforderung, diese Orte zu besuchen. Denn nur wenige sind barrierefrei. Der 33-jährige Rapper Fidi Baum tut es trotzdem.

Rapper Graf Fidi beim Konzert in Berlin: „Die wenigsten Locations sind barrierefrei“

Katja Hanke

Ein kleiner Club in Berlin: Elektronische Beats wummern aus den Lautsprecherboxen, dazu rappen zwei junge Männer auf der Bühne. Einer sitzt auf einem Klappstuhl, der andere steht daneben. Auf der Tanzfläche vor ihnen ein Dutzend Gäste: stehend oder in Rollstühlen. Sie wiegen die Oberkörper im Takt, wippen mit den Knien oder zwirbeln ihre Arme durch die Luft. Jeder so, wie es geht. Dass Menschen mit und ohne Behinderung in einem Club gemeinsam feiern, ist ungewöhnlich. Denn meistens scheitern diese Begegnungen daran, dass Clubs nicht barrierefrei sind. An diesem Abend hat der Lebenshilfe e.V. die Menschen zusammengebracht, zum inklusiven Festival „Rock am Berg“ eingeladen.

Rappen für Inklusion

Die zwei Rapper sind die Ersten. Einer von ihnen ist Hans-Friedrich Baum, 33 Jahre, Rollstuhlfahrer und Inklusionsaktivist. „Hey, Rock am Berg“, ruft er voller Elan in die Menge, so, als ob da Tausende sind. Als Rapper nennt er sich Graf Fidi, und in seinen Texten geht es oft um Inklusion, aber auch ums Reimen, Rassismus, Berlin und natürlich darum, wie super-cool er ist. Schließlich ist er Rapper. Und als solcher tritt er aber nicht nur bei inklusiven Partys auf, sondern ist deutschlandweit in Clubs und auf Festivals unterwegs.

Eine barrierefreie Bühne hätte er eigentlich immer gern, erzählt er nach dem Konzert. „Das klappt aber sehr selten. Die wenigsten Locations sind barrierefrei.“ Er sieht es locker und scherzt: „Ich brauche nicht unbedingt ein Rampe. Wenn mich vier Leute auf die Bühne hieven, ist das auch okay.“ Er könne ja auch ein paar Stufen laufen, sagt er. Das musste er an diesem Abend mal wieder tun, um überhaupt auf die Bühne zu kommen.

Mit dem Rollstuhl in die Clubs

Auch privat geht er oft mit seinen Kumpels aus, das ist für ihn selbstverständlich. Schließlich gibt es in Clubs nicht nur Musik, sondern man feiert zusammen und lernt neue Leute kennen. Meistens gehen Baum und seine Kumpels in den Club Cassiopeia. „Da ist alles ebenerdig“, sagt er. „Da komme ich mit dem Rollstuhl durch die Türen und es gibt eine barrierefreie Toilette.“ Er habe festgestellt, erzählt er, dass es mittlerweile ebenerdige Eingänge oder Rampen in den meisten Clubs gibt. „Eine Herausforderung sind aber die Behindertentoiletten“, sagt er. „Die sind oft nicht vorhanden.“

Welche Berliner Clubs barrierefrei sind oder wenigstens teilweise, das können Interessierte in der Datenbank Mobidat erfahren. Wer dort „Nachtleben“ in die Suchmaske eingibt, bekommt 16 Diskotheken und Musikclubs angezeigt. Das Haus 13 im Pfefferberg, wo an diesem Abend die Konzerte stattfinden, ist auch darunter. Hier finden regelmäßig inklusive Konzerte statt – organisiert vom Verein Handiclapped.

Begegnungen wagen

Zwar gibt es mittlerweile eine gute Auswahl an barrierefreien Clubs in Berlin, trotzdem nehmen nicht viele Menschen mit Behinderungen das Abenteuer Nachtleben auf sich. Auch für Fidi Baum alias Graf Fidi sind fehlende Rampen bei weitem nicht das größte Problem im Nachtleben. „Das sind für mich die Leute, die betrunken über mich drüberfallen und dann rumpöbeln“, sagt er. Zum Glück ist er selbstbewusst und hart im Nehmen. „Aber ich sehe nur selten mal andere Rollstuhlfahrer in einem Club“, sagt er. „Wahrscheinlich trauen sich viele nicht.“

 

Linktipps:

Rock'n'Rolli: Party für Menschen mit und ohne Handicap. Blogbeitrag von Katja Hanke über Inklusion im Club

Party auf vier Rädern. Blogbeitrag von Petra Strack über Behinderungen im Nachtleben

Wenn ich feiern gehe ... Blogbeitrag von Luisa Eichler über Berührungsängste von Jugendlichen gegenüber Rollstuhlfahrern

Aber bitte mit Fahrstuhl! Blogbeitrag von Katja Hanke über gelebte Inklusion in einer Berliner Wohngemeinschaft

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