Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Qualifizierung bedeutet Anerkennung – für alle!

Wer in der Werkstatt eine Qualifizierung durchläuft, hat am Ende keinen Abschluss, der „draußen“ anerkannt ist. Die Werkstätten wollen das endlich ändern. Wie, das erklärt Vera Neugebauer, Stellvertretende Vorsitzende der BAG WfbM und Geschäftsführerin der Hannoverschen Werkstätten, im Interview – hier auch als Text in Leichter Sprache zu lesen.

BAG WfbM-Vize Neugebauer: „Zugang zum ersten Arbeitsmarkt erleichtern“

Das Gespräch mit Vera Neugebauer können Sie hier im Blog in Leichter Sprache und anschließend im Original lesen.


Dieser Text ist in Leichter Sprache.

Es soll eine neue Ausbildung in der Werkstatt geben.

Die Aktion Mensch hat mit Vera Neugebauer gesprochen.
Sie ist die Chefin von der BAG WfbM.
Das ist die Abkürzung für:
Bundes-Arbeits-Gemeinschaft der Werkstätten
für Menschen mit Behinderung.
Das ist ein großer Verein.
Dort arbeiten die Werkstätten zusammen.
Sie entscheiden dort Dinge,
die für alle Werkstätten wichtig sind.
Zum Beispiel:

  • Welche Arbeit die Menschen in den Werkstätten machen.
  • Wie die Ausbildung in den Werkstätten ist.

Für Menschen aus der Werkstatt ist es schwer,
Arbeit auf dem 1. Arbeits-Markt zu finden.
Das bedeutet:
Sie bekommen vielleicht keine Arbeit in einer Firma,
wo auch Menschen ohne eine Behinderung arbeiten.
Weil viele Arbeitgeber falsche Sachen
über Menschen mit Behinderung denken.
Zum Beispiel:

  • Menschen mit Behinderung können nicht genug.
  • Sie schaffen die Arbeit in der Firma nicht.
  • Sie sind zu oft krank.

Das stimmt aber nicht.

Damit mehr Menschen mit Behinderung
auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten können:
Die Werkstätten wollen die Ausbildung besser machen.
Dann merken die Arbeitgeber vielleicht:
Viele Menschen mit Behinderung können genauso gut arbeiten
wie Menschen ohne Behinderung.

So soll die Ausbildung in den Werkstätten sein:
Die Ausbildung soll auf jeden Fall 3 Jahre dauern.
Und sie soll in allen Werkstätten gleich sein.
Am Ende von der Ausbildung gibt es ein Zeugnis.
In dem Zeugnis steht zum Beispiel:

  • Diese Dinge kann eine Person.
  • Diese Hilfe braucht eine Person bei der Arbeit.

Menschen aus der Werkstatt können sich
mit dem Zeugnis bewerben.
Dann wissen die Firmen:
Diese Person kann gut bei uns arbeiten.
Oder: Diese Person kann besser in einer anderen Firma arbeiten.

Die neue Ausbildung in den Werkstätten ist noch eine Idee.
Viele Menschen müssen noch darüber reden.
Zum Beispiel:

  • Chefs von Firmen
  • Politiker
  • Werkstätten.

Zusammen wollen sie bald einen Plan
für die neue Ausbildung machen.


Text: Eva Keller
Prüferin: Nina Rademacher aus dem Büro leicht ist klar in Kassel.


Bilder sind wichtig bei Texten in Leichter Sprache.
Den Text mit Bildern kann man hier lesen:

Text in Leichter Sprache: Es soll eine neue Ausbildung in der Werkstatt geben


Hier ist das Gespräch mit Frau Neugebauer.
Aber: Das Gespräch ist nicht in Leichter Sprache.
Die Fragen und Antworten sind
in Schwerer Sprache aufgeschrieben.

Qualifizierung bedeutet Anerkennung – für alle!

Wer in der Werkstatt eine Qualifizierung durchläuft, hat am Ende keinen Abschluss auf der Hand, der „draußen“ anerkannt ist. Die Werkstätten wollen das endlich ändern. Wie – das erklärt Vera Neugebauer, Stellvertretende Vorsitzende der BAG WfbM und Geschäftsführerin der Hannoverschen Werkstätten, im Interview mit der Aktion Mensch.

Die BAG WfbM fordert, dass die Qualifizierung in den Werkstätten anerkannt wird. An wen richtet sich diese Forderung?
Vera Neugebauer: Sie hat verschiedene Dimensionen. Wir fordern die Politik auf, die Berufsqualifizierung der Werkstätten ernst zu nehmen und im Berufsbildungsgesetz zu verankern – denn bislang ist sie im SGB III geregelt. Als BAG geht zudem der Appell nach innen, an die Werkstätten, die Qualifizierung zu standardisieren. Und wir richten uns an die Kammern, die uns helfen sollen, vorhandene Spielräume zu nutzen. So könnte man gemeinsam Qualifizierungsbausteine entwickeln, die von den Kammern anerkannt werden – in einigen Städten machen das Werkstätten und Kammern schon vor.

Um Lerninhalte vergleichbar zu machen, wollen Sie nun bundeseinheitliche Bildungsrahmenpläne entwerfen. Bis wann sollen diese stehen?
Im neuen Jahr machen wir uns an die Arbeit, bis Ende 2014 wollen wir in allen Bundesländern gemeinsame Rahmenpläne haben, die Lerninhalte sowie Fertigkeiten und Kenntnisse der Menschen mit Behinderung erfassen. Wenn die Lerninhalte erst einmal transparent und vergleichbar sind, werden auch die Berufswahlmöglichkeiten steigen.

Welche Punkte sind dabei am wichtigsten – oder am schwierigsten?
Wir möchten, dass die Qualifizierung von zwei auf mindestens drei Jahre verlängert wird. Die größte Herausforderung wird sein, die vorhandenen, regulären Ausbildungspläne an die Menschen und ihre individuellen Möglichkeiten anzupassen. Deshalb wollen wir Bildungsrahmenpläne auf vier Qualifikationsniveaus entwerfen. Die Menschen mit dem höchsten Unterstützungsbedarf, die meist Tagesförderstätten besuchen, schließen wir dabei übrigens ein. Es ist nicht einzusehen, warum sie von der beruflichen Bildung abgeschnitten sein sollen.

Die Werkstätten im Saarland, in Bremen und Berlin verleihen nach zweijähriger Qualifizierung Zertifikate – ist das mehr als Symbolik?
Ein Zertifikat ist eine öffentliche Anerkennung, und die bedeutet den Menschen sehr viel. Das Ziel, den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern, erreichen wir damit aber leider noch nicht. Denn häufig beschreiben die Zertifikate die Inhalte der Qualifizierung nicht genau oder sind sehr werkstattbezogen – ein Arbeitgeber kann damit dann nur wenig anfangen. Auch hier streben wir eine Vereinheitlichung der Inhalte und Formulierungen an.

Verträgt sich die Idee eines allgemein anerkannten Abschlusses denn überhaupt mit einer individuell angepassten Ausbildung, wie sie der Anspruch der Werkstätten ist?
Ja. Mit unterschiedlichen Lehrmethoden und Materialien können personenbezogene Qualifizierungen entwickelt werden, die auf den Einzelnen und seine Bedürfnisse angepasst sind. Und natürlich muss ich klären, welches Bildungsziel der Einzelne hat. Im Berufsbildungsbereich der Hannoverschen Werkstätten beispielsweise lernen alle Teilnehmer in der Hauswirtschafts-Qualifizierung dieselben Inhalte kennen. Aber während der eine sehr selbständig alle Arbeiten rund um Wäschepflege und Service erledigt, braucht der andere selbst beim Tischdecken Unterstützung.


Linktipps:
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen
Das Handlungsfeld "Am Arbeitsplatz" der Aktion Mensch
Maßarbeit für alle? Ein Blogbeitrag von Eva Keller über den Werkstättentag 2012
Mut zum Risiko. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über Rentenansprüche für Werkstatt-Mitarbeiter
Werkstätten und Inklusion: Ein Widerspruch? Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über die Vereinbarkeit von Inklusionsanspruch und Werkstätten
Arbeitsplatz Werkstatt. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über eine Tagung von Werkstatträten aus Rheinland-Pfalz

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