Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Party auf vier Rädern

Denken Sie einmal an die Planung Ihrer letzten Partynacht zurück: Sie haben vermutlich einige Freunde angerufen, sich auf einen Abend geeinigt und entschieden, wo Sie hingehen möchten. Bei der Locationauswahl haben wahrscheinlich Faktoren wie die aufgelegte Musikrichtung, das Publikum und die Getränkepreise eine Rolle gespielt. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, dass vor diesen Faktoren die Frage kommt, ob Sie überhaupt in den betreffenden Club hineinkommen? Nicht weil Sie Turnschuhe anhaben statt des geforderten Partydresscodes, sondern weil der Club wie die meisten Partylocations in einem Keller liegt oder zumindest zur Tanzfläche und den Toiletten Stufen hat.

Den rollstuhlfahrenden Lesern dieses Blogs wird das Problem nur allzu gut bekannt sein, die nichtbehinderten Leser hingegen fragen sich wahrscheinlich gerade, was eine Rollstuhlfahrerin denn überhaupt in einer Disko will – Tanzen doch wohl kaum?! Na und ob! :-) Wer sagt denn, dass man nur auf zwei Beinen tanzen kann? Auf vier Rädern geht das ebenfalls. Anders? Ja! Mit mehr Platzbedarf auf der Tanzfläche zum Beispiel. Weniger wild? Weniger ausgelassen? Nein. Mit mehr irritierten und ungläubigen Blicken? Oh ja!

Was ist dann eigentlich die größere Barriere: Die baulichen Gegebenheiten, die man mit vier starken Männern überwindet (indem frau sie mit einem gekonnten Augenaufschlag dazu bringt, sie kurz die Stufen hoch zu tragen) oder die Barrieren in den Köpfen, die sich in den Blicken und vielen weiteren verbalen und nonverbalen Äußerungen zeigen? Meine beiden "Favorite-Sprüche" dabei sind: "Was möchte SIE denn trinken?" und "Das find ich aber toll, dass Ihr SIE sogar hierhin mitnehmt!". Natürlich jeweils an eine meiner Freundinnen oder meine Assistentin gerichtet, nicht an mich selbst. Diese beiden einfachen Sätze öffnen den Blick in eine ganze Schublade von dahinterstehenden Vorurteilen:

  1. Ich kann nicht sprechen / bin nicht selbst in der Lage zu sagen, was ich trinken möchte (Bacardi Cola übrigens - der darauf folgende Blick ist erneut ein persönlicher Favorit!)
  2. Ich werde "mitgenommen" statt ein normales Mitglied des Freundeskreises zu sein.
  3. Es ist außergewöhnlich statt ganz normal, dass ich mit Rollstuhl in einem Club bin.

Auf den ersten Blick nicht gerade eine rosige Betrachtung in Hinblick auf den Fortschritt beim Abbau von Vorurteilen in unserer Gesellschaft - und an manchen Abenden denke ich mir insgeheim "nicht schon wieder!". Aber was mich daran ermutigt: Sobald die Betreffenden von meinen Freunden mit einem Schulterzucken und "Frag sie doch einfach selber!" an mich weiterverwiesen werden und sich vergewissert haben, dass vor der "Cola" wirklich das Wort "Bacardi" kam, scheint es Klick zu machen. Oft kommen die Leute dann sogar gleichzeitig mit dem Getränk und dem Kommentar "Du, das war gerade total blöd von mir, Dich nicht direkt selber zu fragen, aber beim nächsten mal weiß ich das!" zurück zu mir.
Zwei Erfolge auf einen Schlag: Ein Freigetränk für mich und ein Mensch mit einer unbefangeneren Einstellung gegenüber dem Thema Behinderung für die Gesellschaft.

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