Inklusion, Aktion Mensch-Blog

"Nicht runterschauen!"

Andy Holzer ist Profibergsteiger - und von Geburt an blind. Achttausender sind seine Kragenweite. Holzer hat sie fast alle geknackt: die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente. Nur einer fehlt noch: der Mount Everest. Und den nimmt er auch bald in Angriff. Steile Felswände sind für ihn kein Hindernis, sondern Herausforderung. Heute Morgen steht der 45-jährige Tiroler vor einer anderen Herausforderung: In der Kletterhalle "Canyon" versucht er gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher aus dem Kölner Stadtteil Chorweiler eine 16-Meter Wand zu bezwingen. In Köln-Chorweiler gibt es mehr Beton als Fels. Eine typische Plattenbau-Gegend und das, was man sozialen Brennpunkt nennt.

Blindes Vertrauen
Holzer hat Erfahrung darin, sein Wissen und seine Begeisterung für das Klettern weiterzugeben. Er hält Vorträge vor Führungskräften und führt Seilschaften. Eine Gruppe von Managern hat er auf den Gipfel des Kilimandscharo gebracht. Heute Morgen ist es Adrian, den er sichert und in der Kletterwand motiviert, auch mit seinem Humor: "Weißt Du, was ich immer mache, wenn ich in der Wand hänge? Nicht runterschauen!" Und dann ruft er dem 12-jährigen Kölner zu: "Super Adrian, du kletterst ja wie eine Rakete!" Vor dem Abseilen meint Holzer: "So jetzt geht es los, häng dich in das Seil, blindes Vertrauen." Vertrauen ist für den blinden Extremsportler das A und O beim Klettern: "Sobald du den Boden verlassen hast, liegt dein Leben in den Händen deines Partners. Man muss bereit sein, dem anderen Verantwortung zu übergeben. Dann kann man Erstaunliches leisten, auch als blinder Bergsteiger."

"Sehen wird überschätzt"
"Sehen wird sowieso überschätzt", sagt Andy Holzer, als er selbst in die Wand steigt. Er ertastet sich den Weg mit den Fingern und Füßen. "Der liebe Gott hat uns fünf Sinne gegeben, damit wir sie alle gleichermaßen nutzen",meint er später. "Und da mir einer fehlt, nutze ich die anderen vier um so intensiver."
Bei all seinen Aktionen geht es ihm nicht ums "Höher, Schneller, Weiter", sondern um Menschlichkeit. "Sich aufeinander verlassen können, als Team etwas leisten, das ist mein Antrieb." Und genau das vermittelt er heute auch den Kölner Kids.

Zur Person:
Andy Holzer wurde am 3. September 1966 im österreichischen Lienz geboren. Aufgrund einer Netzhauterkrankung ist er von Geburt an blind. Als Heilmasseur hat er 26 Jahre in einem Krankenhaus gearbeitet. Nebenher war er schon immer begeisterter Bergsteiger. Seit 2010 ist er selbstständig. Er führt Expeditionen, hält Vorträge und hat unter dem Titel „Balanceakt. Blind auf die Gipfel der Welt“ ein Buch über seine Erfahrungen veröffentlicht.
Andy Holzer engagiert sich für die Inklusionskampagne der Aktion Mensch. Mehr Informationen zu Andy gibt es auf seiner Website.

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