Inklusion

Neues von der Handy-Tankstelle

„Braucht noch jemand ein bisschen Strom für sein Handy?“ So fragt Blogger Raul Krauthausen bei Konferenzen über Twitter. Mit diesem Angebot kommt er schnell ins Gespräch und hat tolle Begegnungen.

Raul Krauthausen mit seiner "Handy-Tankstelle": Wunderbare Abwechslung

Aktion Mensch

Ich mag dieses Internet, und wenn es nicht schon da wäre, sollte man es erfinden. Denn immer wieder passieren unerwartete Ereignisse.

Vor ein paar Monaten hatte ich eine WhatsApp-Nachricht von einem Freund bekommen, der meinte, mein Tweet am ersten Tag der Netzkonferenz re:publica war der meist geteilte Tweet. Dabei ging es nur darum, dass ich gerne auf Veranstaltungen meinen USB-Stromanschluss an meinem elektrischen Rollstuhl für ladehungrige Handys zur Verfügung stelle:

Offer: If someone needs to charge his Smartphone, you can plug it in to my electric wheelchair for free! #rp15 @republica

Ich war ziemlich überrascht, dass das Angebot auf solch ein Interesse gestoßen ist. Ursprünglich wollte ich einfach nur mit Menschen in Kontakt kommen. Denn es ist ein Unterschied, ob Menschen zu mir kommen, um einen besonderen Service von meinen Rollstuhl zu nutzen, oder zu einer Diskussion nach einem Vortrag zum Thema Inklusion. Ich freue mich sehr über die Gespräche nach einem Vortrag, weil sie sich oft auf die Themen beziehen, zu denen ich gesprochen habe. Es ist aber auch sehr spannend, mit Menschen über irgendetwas zu reden, das abseits der Vortragsthemen liegt.

Ein bisschen anders wahrgenommen

Die Gespräche fangen meistens damit an, warum ich überhaupt ein Handy über meinen Rollstuhl aufladen kann und was das Ding noch so alles für Features hat. Ich finde es sehr interessant, dass mein Rollstuhl und ich auf einmal ein bisschen anders wahrgenommen werden: Ich bin dann nicht der Mensch im Rollstuhl, der irgendwie behindert ist. Ich bin denn der Mensch mit einer coolen Handy-Aufladestation. Das erzeugt sogar Neid.

Ich nenne diese Gespräche dann gerne „Neues von der Handy-Tankstelle“, weil wir uns meistens über andere Themen unterhalten, die nicht sofort was mit meiner Behinderung zu tun haben. Es kann natürlich auch damit zusammenhängen, dass auf einer Netzkonferenz die Themen sowieso andere sind, und doch freue ich mich sehr darüber. Damit möchte ich thematisch nicht werten, sondern dazu motivieren, mit mir auch über andere Themen zu sprechen als über Inklusion, Barrierefreiheit und die UN-Behindertenrechtskonvention.

Zum Beispiel habe ich einen 3D-Drucker zu Hause und frage mich die ganze Zeit, was passieren würde, wenn man damit einen weiteren 3D-Drucker herstellen würde?

Der Mensch hinter einer Behinderung

Zu Hause spiele ich gerne Playstation oder gucke Serien bei Netflix, und sehr oft frage ich mich, wo eigentlich dieses „Betriebsfahrt“ liegt, zu dem so viele Busse fahren. Also es gibt noch das eine oder andere Thema, über das man mit mir reden kann, und es muss nicht immer die Behinderung sein. Vielleicht helfen diese Gespräche auch dabei, dass der Mensch hinter einer Behinderung gesehen wird.

Dazu interessiert mich das Leben von dem Gegenüber noch viel mehr als der „Betriebsfahrt“-Standort, und so frage ich sehr gerne, was den oder die andere so umtreibt, beschäftigt und interessiert. Es ist unglaublich spannend, welche Menschen man an der Handy-Tankstelle kennenlernt. Zum Beispiel Lokführerinnen, Zukunftsforscher oder Sportlerinnen, die mir endlich mal erklären können, warum man sich jeden Tag so quälen kann.

Diese Gespräche sind eine wunderbare Abwechslung für mich, und wenn sie auch manchmal nur 20 Minuten dauern, möchte ich sie nicht missen und hoffe, dass Menschen mit und ohne Behinderungen viele solcher Begegnungen haben. Manchmal reicht schon ein Tweet auf einer Veranstaltung.

Was für interessante Begegnungen hattest du schon?

 

Linktipps:

Behinderung ausgeblendet. Mirien Carvalho Rodrigues über Begegnungen in ihrem Job, bei denen ihre Blindheit kein Thema ist

Zu früh. Heiko Kunert über eine unverhoffte Begegnung mit einem Mann, der wirklich alles über Blinde weiß – oder das zumindest denkt

Eine Begegnung mit Hindernissen. Anastasia Umrik über eine peinliche Begegnung und was sie daraus mitgenommen hat


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moskito

Ich finde, Raúl geht mit dem Thema Behinderung oder wie ich immer sage Mensch mit Einschränkung - ganz gut um. Ich mein, ein Mensch, der im Rollstuhl seinen Tag verbringt und ein Buch mit dem Titel "Dachdecker wollte ich eh nie werden" schreibt, der zeigt schon Mut und animiert auch dazu, den eingeschränkten Menschen so zu sehen, wie er ist und nicht, wie andere ihn gern hätten. Mit Sicherheit hat so mancher Mensch mit Einschränkungen viel mehr Humor und Lebensfreude, als so mancher Mensch ohne Einschränkung. Mach weiter so Raúl. In Deiner Sichtweise und mit Deiner Schlagfertigkeit bist Du schon irgendwie ein Vorbild für mich geworden. LG

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