Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Neuartige Medien als Schlüssel zur Teilhabe

von Nina Treusch

Schlagworte:
Bildung

Welche Rolle spielen Tablets, Mobiltelefone und Whiteboards bei der Überwindung von Barrieren im Unterricht? Der Schulalltag für Kinder mit und ohne Behinderung verändert sich durch die Technik.

Smartphones, Tablets und Co sind mittlerweile kaum mehr aus dem Alltag wegzudenken. Morgens in der Bahn werden mal schnell die neuesten Nachrichten auf dem Mobiltelefon abgerufen, im Büro in der Mittagspause die Mails gecheckt, und abends lässt sich der neueste Schmöker entspannt auf dem E-Reader genießen. Medialer Einfluss als Luxusgut der neuen Generationen, mag sich da manch einer denken. Die andauernde Fixierung auf den Bildschirm fordert außerdem nicht gerade dazu heraus, eine angeregte Diskussion mit dem Gegenüber zu starten.
Kommunikation ist ein Grundbedürfnis. Warum also nicht den Spieß umdrehen und den medialen Wandel für sinnvolle Zwecke nutzen?

Neue Medien mehr als nur Lückenfüller

Durch den schnellen technischen Fortschritt werden gleichzeitig immer mehr Werkzeuge für Menschen mit Artikulationsschwierigkeiten geschaffen, sich mitzuteilen. Das erste Mal kam mir dieser Gedanke in den Sinn, als ein Schüler mit einem Tablet an mir vorbeilief.
Bisher kannte ich diese kleinen Geräte nur von Reisenden in der Bahn, die sich durch kurzweilige Spiele darauf die Zeit totschlugen. „Eine unnötige Spielerei“, war folglich mein erster Gedanke, als ich den sprachlich eingeschränkten Jungen damit sah. Doch dann konnte ich beobachten, wie er zusammen mit einer Pädagogin darauf herumtippte und begeistert dazu gestikulierte.
Bei näherem Hinsehen wurde deutlich, dass Y. das Tablet dazu nutzte, um mit seiner Umwelt sprachlich in Kontakt zu treten. Durch antippen von speziell auf ihn angepassten Alltagssymbolen konnte er auf diese Weise jederzeit seine aktuellen Wünsche, Bedürfnisse und Empfindungen äußern. Wenn man diese Situation nun auf den inklusiven Unterricht überträgt, birgt solch ein mobiles Sprachrohr für Kinder wie Y. eine ernstzunehmende Chance, mit Schülern und Lehrern ins Gespräch zu kommen und sich aktiv am Lernprozess zu beteiligen.
Die Arbeit mit dem Tablet macht also nicht nur Spaß, sondern die Kommunikationssoftware kann auch am individuellen Lernstoff des Kindes ausgerichtet werden.

Bedienung leicht gemacht

Arbeit am Bildschirm fesselt die Aufmerksamkeit von jungen Lernenden und regt sie dazu an, sich spielerisch mit einem Thema zu befassen. Diesen Effekt kann man sich auch durch den Einsatz einer elektronischen Tafel im Klassenzimmer zunutze machen. Für die Lehrkraft bedeutet die Umstellung auf ein elektronisches Arbeitsgerät sicherlich erst einmal ein Mehr an Arbeitsaufwand. Die Vorteile liegen dennoch klar auf der Hand: Ein interaktives Whiteboard eignet sich gleichermaßen für Regelschüler als auch für solche mit besonderen Bedürfnissen.
Die Oberfläche der interaktiven Tafel reagiert anhand einer berührungsempfindlichen Touch-Steuerung, die eine Bedienung mit mehreren Fingern oder mit der ganzen Hand ermöglicht.
Buchstaben, Zahlen, Figuren, Bilder oder Worte können so leichter auch von motorisch eingeschränkten Schulkindern verschoben werden. Geübten Schülern bietet sich zudem die Gelegenheit, sich am Schreiben mit einem elektronischen Stift zu probieren – dieser ist durch einen verstärkten Griff einfacher zu halten und zu bewegen als ein herkömmlicher Füller. Insgesamt also ein Medieneinsatz für entsprechende Bedürfnisse und Lernsituationen – und ein Gewinn für ALLE.

Politischer Support für die praktische Umsetzung

Für die feste Etablierung von neuen Medien als Teilhabeinstrument sind aber nicht nur gute Ideen relevant, sondern auch gesetzliche Rahmenbedingungen für die konkrete Umsetzung. Auf Seiten der Sozialpolitik wird vor allem in jüngster Zeit die Bedeutung von neuen Medien für eine barrierefreie Kommunikation und Bildung erkannt und in der Umsetzung mitbedacht.
So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zum Beispiel im Maßnahmenkatalog des Nationalen Aktionsplans 2012 zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention den Zugang zu Information und Kommunikation durch barrierefreies Web 2.0 und den Einsatz von Leichter Sprache mit aufgenommen. Weiterhin wird im Punkt Bildung eine Berücksichtigung von Fragen inklusiver Bildung im Bereich Medien thematisiert.
Beim 2012 evaluierten Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Medienbildung in der Schule wird zudem explizit auf die Förderung der Qualität des Lehrens und Lernens durch Medien sowie die Möglichkeiten der gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe und der Mitgestaltung eingegangen.
Die gesetzliche Verankerung des Einsatzes von neuen Medien für den Bildungszugang stellt letztendlich also den Grundbaustein für aktive Maßnahmen und Projekte zur Umsetzung von Inklusion dar.


Linktipps:
Mehr Infos zu unterschiedlichen Formen von interaktiven Whiteboards
Go Talk Now: Gratisversion der iPad-App für Unterstützte Kommunikation
Das Handlungsfeld „In der Schule“ der Aktion Mensch
„Schule für alle gestalten“: Das Praxisheft der Aktion Mensch für Lehrerinnen und Lehrer (PDF-Dokument)
Die Sonderpädagogik in Zeiten der Inklusion. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über Chancen und Herausforderungen für Sonderpädagogen in der schulischen Inklusion
"Ich bin ich". Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über vorbildliche schulische Inklusion an der privaten Mira Lobe Grundschule
Inklusion – ein Lehrstück. Ein Blogbeitrag von Raúl Krauthausen mit persönlichen Erfahrungen und Überlegungen zur schulischen Inklusion

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