Freiwilliges Engagement

Mutmacher auf zwei Rädern

Depressions-Erfahrene treten in die Pedale, um es allen zu zeigen: Depression darf kein Tabuthema sein, kein Betroffener muss sich verstecken und man kann auch mit der Erkrankung aktiv und engagiert wie jeder Andere sein.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Teil der MutTouren. Foto: Sebastian Burger

Stefanie Vilsmaier war schon bei der allerersten MUT-TOUR 2012 dabei. Warum der Name MUT(!)-TOUR? Weil hier Menschen mit Depressions-Erfahrung Mut beweisen, indem sie ihr Leben wieder aktiv gestalten, gemeinsam eine Radreise machen, campen, kochen und Spaß haben. Und sie haben Mut, weil sie auf dieser Radtour in aller Öffentlichkeit zu ihrer Erkrankung stehen, auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen aufklären sowie Betroffene und Angehörige beraten.

14.000 km quer durch Deutschland

2012 ist Stefanie Vilsmaier mit einem Dutzend weiterer Teilnehmer von Dresden hoch bis an die Ostsee geradelt. „Das war ein tolles Erlebnis – sich auspowern, 60 Kilometer am Tag fahren und unterwegs Interviews geben, Passanten aufklären…“, erinnert sie sich. Infostand- und Mitfahraktionen in den Städten, die die MUT-TOUR passiert, sind wichtiger Bestandteil des Konzepts. Partner sind lokale Organisationen aus den Bereichen Psychosoziales und Fahrrad.

Auf den alle zwei Jahre stattfindenden großen MUT-TOUREN waren schon insgesamt 102 Depressions-Erfahrene und -unerfahrene Menschen quer durch die Republik mit dem Fahrrad unterwegs. Sie legten in 23 Etappen 14.000 Kilometer zurück und erreichten mit den Aktionen fast 1.500 Veröffentlichungen zum Thema.

Zehn Tage Urlaub vom Alltag

Die Idee zur MUT-TOUR hatte Sebastian Burger aus Bremen. Er hatte in einer Krisensituation gemerkt, wie gut ihm Bewegung in der Natur und eine feste Tagesstruktur getan hatten. Der radbegeisterte Künstler bastelte in seiner Freizeit an dem Konzept und organisierte die erste MUT-TOUR quer durch Deutschland, in die sich Menschen mit und ohne Depressions-Erfahrung für zehn Tage einklinken konnten. Inzwischen ist die Depressionsliga als Trägerin des Projekts mit an Bord, Stiftungen, Rentenversicherer und Krankenkassen unterstützen das Selbsthilfeprojekt. Die Depressionsliga ist als Selbsthilfeorganisation rein ehrenamtlich organisiert. Wer sich dort engagieren möchte, findet hier Informationen.

Stefanie Vilsmaier engagiert sich inzwischen im Organisations-Team für das Projekt. Sie erklärt künftigen Teilnehmern, was diese erwartet, vor allem aber kommt sie nach der Tour auf die Mitfahrer zu und stellt sicher, dass es ihnen gut geht. Zusätzlich gibt sie unter dem Dach der MUT-TOUR Schulworkshops, informiert Schülerinnen und Schüler frühzeitig über Depressionen und berät Betroffene als zertifizierte „Expertin aus eigener Erfahrung“.

Nachmachen erwünscht!

Neben den Radtouren bilden sich inzwischen die ersten MUT-Ortsgruppen. Sie organisieren etwa in Münster oder Roth regelmäßige Sportangebote – sei es mit dem Rad oder Wanderstock oder Badminton-Schläger. Interessenten, die vor Ort Angebote gestalten wollen oder sich schon einmal für die MUT-TOUR 2016 vormerken lassen wollen, finden Infos dazu auf der Webseite des Projekts.

Doch was treibt eine vielfach Engagierte wie Stefanie Vilsmaier eigentlich an? „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie furchtbar es ist, nicht über das Thema sprechen zu können. Das muss sich ändern. Wir haben da noch viel Luft nach oben.“

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch nach seinen individuellen Möglichkeiten selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Dieses selbstverständliche Miteinander erreichen wir nur, wenn sich möglichst viele Menschen für eine inklusive Gesellschaft einsetzen und sie mitgestalten – zum Beispiel durch freiwilliges Engagement. Die Aktion Mensch bietet mit ihrer Freiwilligen-Datenbank einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten: Menschen mit und ohne Behinderung können aus mehr als 13.000 Angeboten  das passende Engagement auswählen.

Weitere Ideen für inklusives Engagement finden Sie in der Freiwilligen-Datenbank.


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Ines

Hey. Gibt es noch andere Behinderungen als Geistige, Körperliche und das sogenannte depresive Syndrom infolge Burnouts? Ich bin bitter enttäuscht über den sogenannten Inklusionsansatz und das Handeln von Institutionen...Das wir so wenig von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen hören und sehen, woran mag das wohl liegen? Vergisst man in unserer Gesellschaft jene, die sich nicht so lautstark hervortun? Oder sitzt der Deckel so fest, damit niemand etwas mitbekommt von schreiendem Unrecht? Was will man aber von einer Gesellschaft erwarten, die dem Mamon frohnt. Ich mache Erfahrungen, die ihresgleichen suchen. Ich bitte um die Einrichtung einer Plattform für Austausch von Menschen, die oft genug kaum Kraft haben, sich an den PC zu begeben! Im Übrigen bitte ich das Team um Aufklärung, die sich so nennen kann. Denn es gibt die fast unsichtbaren, die doch immer weiterwachsende Gemeinde von Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen und den sich daraus entwickelnden, schleichenden Symtomen von ausgewachsenen Behinderungen in der Gesellschaft und die sich gefährlich nahe am Abgrund bewegende Zukunft solcher Menschen.

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Jens Große-Brauckmann

Ich kann mich nur schwer engagieren, ich wollte einen Ausflug vom sozialpsychiatrischen Dienst mitmachen, ich habe die Teilnahme vorzeitig abgesagt. Viele unbekannte Menschen auf einem Haufen und dann noch sehr schwierige, lieber nicht.

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