Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mut zum Risiko

Was ist Mut? Mut ist, wenn Menschen mit Behinderung die Werkstatt verlassen, um eine Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt anzunehmen. Warum? Weil sie dann ihren Anspruch auf Rente wegen Erwerbsminderung verlieren, der ihnen nach 20-jähriger Zugehörigkeit zur Werkstatt zusteht (so ist es in § 43 Abs. 6 im SGB VI geregelt). Und das, wo Werkstatt-Mitarbeiter auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ja häufig nur mäßig bezahlte Jobs finden oder nur unregelmäßig beschäftigt werden – mit Folgen für die Rentenhöhe.

Werkstatt für Menschen mit Behinderung (Foto: LWL)

Kein Wunder, dass Menschen mit Behinderung sich ganz genau überlegen, ob sie dieses Risiko eingehen – selbst wenn sie sich den Alltag auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zutrauen und den Umgang mit Kollegen ohne Behinderung nicht scheuen. Und kein Wunder, dass Eltern, die ihr Kind nach dem eigenen Tod sicher versorgt wissen wollen, eher für den Verbleib in der Werkstatt werben – auch wenn sie sich sonst so viel Inklusion wie möglich wünschen.

Wichtigstes Hemmnis für Selbstbestimmung

Den Verlust des Rentenanspruchs nach dem Ausscheiden aus der Werkstatt nennt Dr. Felix Welti, Professor für Sozialrecht der Rehabilitation und Recht der behinderten Menschen an der Uni Kassel, "das wohl wichtigste Hemmnis für die Selbstbestimmung und die Wahlfreiheit bezüglich der Teilhabe am Arbeitsleben". Damit Menschen mit Behinderung bereit sind, die Werkstatt zu verlassen, ist also eine zentrale Frage zu klären: Wie sichern wir ihnen einen ordentlichen Rentenanspruch? Bis die Politik darauf eine Antwort gefunden hat, gibt es wohl nur ein sicheres Rezept: Durchhalten! Wer das schafft, kann anschließend entscheiden, mit welchem Job er sich in Zukunft etwas dazuverdienen möchte. Oder ob er die Arbeit ganz aufgibt und sich ehrenamtlich engagiert.

Aber: Nach Lösung klingt das nicht – eher nach Notlösung.


Linktipps:
Der Gesetzestext zur Rente bei Erwerbsminderung (§ 43 SGB VI )
Infos und Tipps zum Persönlichen Budget für die Teilhabe am Arbeitsmarkt
Mehr zum Thema Arbeit und Alter beim Familienratgeber
Ein Taschengeld zum Überleben? Ein Blogbeitrag von Carina Kühne über die Entlohnung für die Arbeit in Werkstätten
Werkstätten und Inklusion: Ein Widerspruch? Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über die Vereinbarkeit von Inklusionsanspruch und Werkstätten

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