Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mut machen ...

... das wollte Prof. Dr. Matthias von Saldern den Lehrerinnen und Lehrern der Carlo-Mierendorff-Schule, als er im März zum Pädagogischen Tag der Integrierten Gesamtschule in Frankfurt kam. Mut für den Weg zu einer inklusiven Schule. Und eben weil sich die "Carlo" schon auf diesen Weg gemacht hat, war von Saldern – Erziehungswissenschaftler der Uni Lüneburg und Mitglied des Fachausschusses Bildung der Deutschen UNESCO-Kommission – eingeladen.

"Wir arbeiten längst inklusiv, nur merkt es keiner!"

Diese These von Salderns war Mutmacher Nummer 1. Schließlich bedeute Inklusion ja auch, Kinder aus unterschiedlichen Milieus, mit Hochbegabung, mit sozialen oder emotionalen Schwierigkeiten gemeinsam zu unterrichten. Die Herausforderung für die Schulen läge darin, mit Heterogenität umzugehen.

"Heterogenität ist eine Chance, kein Problem!"

Das war der Mutmacher Nummer 2 des Erziehungswissenschaftlers. Es gehe darum, bei Heterogenität nicht an die Abweichung von der Norm zu denken, sondern an Unterschiedlichkeit. Nicht das "Andersartige", sondern das "Individuelle" zu sehen. In der Realität aber falle es nicht allen Lehrern leicht, Heterogenität auszuhalten, so von Saldern. Stattdessen gebe es die Tendenz zu einfachen Lösungen: Die Ignoranz der Unterschiede zwischen den Kindern und die Orientierung an der mittleren Leistungsstärke. Oder die Einteilung der Kinder in homogene Lerngruppen. Doch "wenn man etwas sortiert, macht man etwas kaputt", sagte von Saldern und illustrierte das an einem Notenblatt von "Für Elise" mit hohen und tiefen Noten, Pausen und Beschleunigungen. Daneben ein zweites, die Linien, Noten, Zeichen seziert und gestapelt: keine Spur mehr von einer Melodie. Fazit: "Es hilft nur, Heterogenität zu akzeptieren!"

"Das mit der Inklusion kriegen wir schon hin"

Im Drang zur Gruppierung sieht von Saldern das eine Hindernis auf dem Weg zur Inklusion, in der Gewohnheit der Gleichzeitigkeit das andere: Obwohl die Kinder sich so unterschiedlich entwickeln, gibt es für alle Klassenarbeiten zum selben Zeitpunkt und mit identischen Anforderungen; dieselbe Anzahl von Mathe- oder Deutschstunden; Schul-Abschlüsse nach einer festgelegten Anzahl von Jahren.
Mutmacher Nummer 3 lautete schließlich: "Das mit der Inklusion kriegen wir schon hin, es ist längst keine pädagogische Frage mehr. Aber: Wir müssen über Ressourcen reden!" Da hätte die Lehrerinnen und Lehrer fast der Mut verlassen – wenn Matthias von Saldern mit seinem launigen Vortrag dem Thema vorher nicht die Schwere genommen hätte ...

Weiterführende Links:
Inklusionskampagne der Aktion Mensch – Geschichten im Blog: Wie kann eine "Schule für alle" wirklich funktionieren?
Inklusionskampagne der Aktion Mensch: Handlungsfeld Bildung
Professor von Saldern auf der Homepage der Leuphana Universität Lüneburg
Gutachten: Auf dem Weg zur schulischen Inklusion in NRW
Mehr Informationen rund um die Inklusionspädagogik

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