Inklusion

Mobile Innovationen

Zukunftskongress „Inklusion 2025“ – Thema: „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“

SimonQ / flickr.com

Smartphones und unzählige Apps erleichtern vielen Menschen das Leben. Mit einem kurzen Tippen oder Wischen lässt sich manches schneller erledigen als noch vor einigen Jahren. Für Menschen mit Behinderung bedeutet diese Weiterentwicklung im Alltag oft eine Herausforderung, birgt jedoch auch großes Potenzial für mehr Selbstständigkeit.

In Meetingpoints werden beim Zukunftskongress „Inklusion 2025“ zukunftsträchtige Projekte vorgestellt. Matthias Lindemann arbeitet als IT Consultant bei der Corporate Technology (CT), einem Forschungs- und Entwicklungszweig der Siemens AG. Dort ist er insbesondere für die Entwicklung barrierefreier Produkte zuständig. Er selbst hat eine Sehbehinderung. Auf dem Zukunftskongress wird Matthias Lindemann im Themenbereich „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“ anzutreffen sein und in einem der Meetingpoints seine neuen Entwicklungen vorstellen.

 

Apps für mehr Barrierefreiheit

Interview mit Matthias Lindemann

 

Herr Lindemann, was bedeutet Barrierefreiheit für Sie?

Matthias Lindemann: Barrierefreiheit bedeutet für mich, dass ich jedem, der es möchte, Zugang gewährleiste, beispielsweise zum Internet. Würde ich als Rollstuhlfahrer vor einem nicht barrierefreien Kaufhaus stehen, würde ich mich diskriminiert fühlen. Genau das geschieht aber Tag für Tag im Internet. Für viele ist es ganz einfach nicht zugänglich, weil beispielsweise die Seiten von Internetshops oder Behörden nicht auf sehbehinderte Menschen eingestellt sind.

Welche Lösungsansätze haben Sie gegen Barrieren entwickelt?

Mit entsprechender Software, die auf internetfähigen Haushaltsgeräten installiert wird, lassen sich diese nun über entsprechende Apps steuern, zum Beispiel Kühlschränke, Spül- und Waschmaschinen oder Induktionsherde. Geräte ohne haptische Elemente auf der Nutzeroberfläche konnten sehbehinderte Menschen bisher nur schwierig nutzen. Jetzt ist das möglich. Die App liest den blinden Nutzern und Nutzerinnen die Auswahlmöglichkeiten vor und bietet eine Sprachsteuerung an.

Im Meetingpoint stellen Sie eine akustische Innovation für Blinde vor. Sie heißt ARGUS und soll „die erste 3D-Sound-basierte Navigationslösung“ sein. Was bedeutet das?

ARGUS ist eine App, die auf Smartphones installiert werden kann. Die Navigations-App wird dann mit einem hochgenauen GPS-Empfänger gekoppelt, und los geht es. Statt den üblichen Sprachanweisungen – „biegen Sie bitte links ab“ – bekomme ich jedoch ein unaufdringliches Stereogeräusch über Kopfhörer vermittelt, das mich genau in die Richtung zieht, in die ich laufen soll. Sprich: Wenn ich geradeaus laufen soll, kommt das Geräusch von vorne, wenn ich rechts abbiegen soll, wandert es nach rechts, und so weiter.

Ist es für Blinde nicht gefährlich, außer den Navigationsanweisungen nichts mehr zu hören?

Ja, ist es. Der Hörsinn dient ja gerade blinden Personen zur Orientierung. Unsere Lösung dafür: Wir nutzen keine klassischen Stereokopfhörer, sondern ein sogenanntes Knochenkopfleitsystem. Dabei setzt man den Kopfhörer quasi vor die Ohren und nicht auf die Ohren, sodass auch Außengeräusche weiterhin wahrgenommen werden können.

Ist dieses Navigationssystem bereits für alle deutschen Städte erhältlich?

Eine Version mit erweiterten Daten, das heißt unter anderem mit Informationen zu sicheren Straßenquerungen, verschiedenen Eingangstüre, gibt es derzeit für Paderborn, Soest, Madrid und San Sebastian in Spanien sowie zwei britische Städte. Die Basisversion, die reguläre Gehwege angibt, ist bereits für ganz Deutschland verfügbar. Darin können auch eigene Wege zusammen mit einer assistierenden Person abgelaufen und für den nächsten Gang gespeichert werden.

ARGUS ermöglicht Blinden also bald noch mehr Selbstständigkeit und Sicherheit, wenn sie allein unterwegs sind. Das möchte auch CaMeLi (Care Me For Life), das dritte System, das sie vorstellen werden. An wen richtet es sich?

CaMeLi richtet sich an ältere Menschen. Es befindet sich derzeit noch in der Entwicklungs- und Testphase. Am Ende herauskommen soll dabei ein kleines Tablet mit einem empathischen Avatar, mit dem man sich unterhalten und Sprachbefehle geben kann. Die können für die Kommunikation genutzt werden oder in Einrichtungen für betreutes Wohnen, um Informationen zu erhalten. Außerdem bietet das System eine Sturzerkennung, die mithilfe des Mikrofons und der Kamera des Tablets feststellen kann, ob es einen Unfall gab. Wenn die Nutzerinnen und Nutzer dann nicht auf eine Frage des Avatars antworten, wird automatisch ein Notruf abgesetzt.

 

ARGUS und CaMeLi können im Meetingpoint ausprobiert werden.

 

Linktipps:

Alle Infos zum Zukunftskongress „Inklusion 2025“

Zukunftskongress „Inklusion2025“: Thema „Technologieentwicklung und digitale Kommunikation“

Mehr Informationen zu den Meetingpoints auf dem Zukunftskongress

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