Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mit rheinischer Mentalität nach oben

Ein Interview mit Dieter Wolf, Trainer der Blindenfußballmannschaft vom PSV Köln, über Inklusion im Sport, die Entwicklung im Blindenfußball und das eine oder andere Kölsch nach gewonnenen Spielen

Blindenfußball-Bundesliga: Mannschaften auf hohem Niveau Carsten Kobow, Essen / Sepp-Herberger-Stiftung

Michael Wahl: Herr Wolf, Blinde spielen Fußball. Ich will jetzt nicht die Frage stellen, die Sie immer hören – „Wie geht das?“ – sondern: Wie spielen Blinde und Sehende zusammen Fußball?

Dieter Wolf: Mit viel Kommunikation. Wir Sehenden sind visuell geprägt und spielen auch so Fußball, der Blinde oder Sehbehinderte muss sich unter seinen Augenpflastern und der Dunkelbrille aber hauptsächlich auf sein Gehör verlassen, daher sind eindeutige Kommandos wie das „Voy“ (Anm. d. Red.: Jeder gegnerische Spieler, der sich dem ballführenden Spieler nähert, muss „Voy“ („Ich komme“) rufen – bleibt der Ruf aus, wird dies als persönliches Foul geahndet), aber auch stetige Kommunikation auf dem Platz zwischen den sehenden Guides und dem Torwart auf der einen Seite und den Blinden auf der anderen Seite sehr wichtig. Das wird im Training auch intensiv geübt, damit insbesondere Verletzungen durch Zusammenstöße auf dem Platz eher die Seltenheit bleiben.

Inklusion wird im Verein gelebt

Der PSV Köln ist kein klassischer Blindensportverein. Viele Blindenfußballabteilungen sind bei klassischen Behindertensportvereinen angeschlossen. Wie ist das, und wie kam das beim PSV? Und wird Sport so nicht erst wirklich inklusiv durch die Begegnung in einem Verein für alle?

An den PSV Köln sind wir durch persönliche Kontakte gekommen. Es stimmt, dass viele Blindenfußballmannschaften entweder einer Einrichtung oder einem Behindertensportverein angeschlossen sind. Wir haben uns aber bewusst für den anderen Weg entschieden und sind auch sehr gut im PSV Köln aufgenommen worden, der bis dahin noch keine Behindertensportabteilung hatte.
Die Sorge, dass wir in einem doch recht großen Verein wie dem PSV Köln eher nur nebenher laufen, war völlig unbegründet. Unser Sport und damit auch die Spieler sind im Verein akzeptiert und gehören auch zum Vereinsleben. Einladungen anderer Abteilungen oder Besuche unserer Spieltage durch andere Vereinsmitglieder zeigen uns, dass Inklusion hier im Verein gelebt wird und die Jungs dazugehören. Das ist für mich als Trainer ein schönes Gefühl.

Wie sehen Sie die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Blindenfußballs in Deutschland, für neue Trainer, neue Spieler – Blinde sowie Sehende? Welche Förderungen oder Kampagnen würden Sie sich wünschen?

Der Blindenfußball in Deutschland hat sich seit 2008, seitdem ich beim Blindenfußball aktiv bin, doch sehr verändert. Der Sport ist dynamischer geworden – auch dadurch bedingt, dass es mehr Mannschaften in der Liga gibt, die mittlerweile auf einem ähnlichen Niveau spielen.
Durch das Engagement vom Deutschen Behindertensportverbands (DBS) und der Sepp-Herberger-Stiftung sind die Rahmenbedingungen insbesondere in finanzieller Sicht für die Teams, die an der Liga teilnehmen, verbessert worden. Durch Städtespieltage wird der Sport auch dem breiteren Publikum bekannt, was sicherlich förderlich ist.
Was jedoch sicherlich von Verbandsseite noch verbesserungswürdig ist, ist der Austausch zwischen den Vereinstrainern, dem Bundestrainer und den Trägern der Liga. Hier würde ich mir für die Zukunft wünschen, dass man sich insbesondere in Richtung Nationalmannschaft auch Spielern aus anderen Mannschaften mehr öffnet. Nur hierdurch wird für die Spieler auch der Anreiz geschaffen, sich noch zu verbessern, um auch einmal die Möglichkeit zu haben, zu einem Sichtungslehrgang eingeladen zu werden. Auch sollten die Teamtrainer enger eingebunden werden, um die Nachwuchsförderung und die Rekrutierung von neuen Spielern voranzutreiben.

Blindenfußball ist dynamischer geworden

Was macht Ihnen ganz persönlich als Trainer einer Blindenfußballmannschaft Spaß, was motiviert Sie, jedes Wochenende auf dem Platz zu stehen, und welche Ziele für die Saison 2014 haben Sie mit Ihrem Team?

Ich bin schon seit vielen Jahren im Blindensport aktiv, bin früher mit meinem Bruder Tandemrennen gefahren und dann 2008 als Trainer mehr aus der Not heraus, dass dort ein Torwart fehlte, zum Team aus Köln gestoßen. Mich fasziniert immer wieder, mit welcher Begeisterung und Motivation meine Jungs ans Werk gehen, um auch dieses Jahr wieder an der Liga teilzunehmen. Wir sind ein kleines Team, aber gerade das macht uns aus, weil der Zusammenhalt stimmt. Wir werden immer ein wenig belächelt, doch schaffen wir es jedes Jahr, uns im oberen Drittel der Tabelle festzusetzen.
Und aus der Begeisterung meiner Jungs und der fröhlichen, rheinischen Mentalität schöpfe ich meine Freude, jedes Jahr gemeinsam mit ihnen wieder neu anzusetzen, vielleicht doch noch mal Vizemeister oder Meister zu werden, auch wenn die Chancen dazu eher gering sind.

Ihre Ziele für 2014?

Für 2014 müssen wir schauen, was kommt. Das Team hat sich dieses Jahr leider schon wieder aus verschiedenen Gründen personell verändert. Wir versuchen dieses Jahr, neue Spieler zu integrieren, so dass unsere Ziele für 2014 eher bescheiden sind. Wichtig ist für mich, dass wir schöne Spiele abliefern, meine Jungs verletzungsfrei durch die Liga kommen und wir das eine oder andere Kölsch auf gewonnene Punkte in der Liga trinken können.

Danke und alles Gute für die Saison und die weitere Zukunft!


Linktipps:
Blindenfußball beim Polizei Sportverein Köln
Alle Infos zur Blindenfußball-Bundesliga
Mehr zum Thema Blindenfußball bei respect.de, der Jugend-Community der Aktion Mensch
Kickende Wölfchen. Ein Blogbeitrag von Ulli Steilen über Blindenfußball beim DFL Kids-Camp in Wolfsburg

„Sport führt Menschen zusammen und überwindet Grenzen“: Aktion Mensch ist neuer Partner des Behindertensports

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