Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mit dem Tauchschein nach Ägypten

von Carina Kühne

Mein Bruder ist seit Jahren ein begeisterter Hobbytaucher. Immer wenn er seine Unterwasserfilme und Unterwasserfotos zeigte, wünschte ich mir, auch einmal einen so tollen Tauchurlaub machen zu können. Deshalb war ich froh, als ich im Januar 2010 im Internet unter www.diewasserfloehe.de einen Verein für integrativen Tauchsport in Darmstadt entdeckte. Hier tauchen nicht nur erfahrene Sporttaucher, sondern auch Rollstuhlfahrer, Menschen wie ich mit Down-Syndrom, Menschen mit Autismus oder anderen Einschränkungen. Jeder lernt nach seinen individuellen Leistungsfähigkeiten zu tauchen.

Es machte mir sofort viel Spaß, und ich fühlte mich in der Gruppe sehr wohl und akzeptiert. Schnell machte ich so große Fortschritte, so dass mein Tauchlehrer meinte: "Bisher hat noch keiner mit Down-Syndrom einen Tauchschein bei mir gemacht, aber Du schaffst das!" Also begannen wir gleich mit folgenden Übungen: Aufbau, Prüfung und Anlegen der Ausrüstung, Druckausgleich, Tarieren, Maske ausblasen, Oktopusatmung, Notaufstieg, Tauchen ohne Maske, Bergen eines bewusstlosen Tauchers und Verständigung mit Unterwasserzeichen. Um weitere Übungen für den "Open water diver"-Tauchschein zu machen, fuhren Marko, mein Tauchlehrer, mein Bruder und ich nach Siegburg in das Tauchzentrum "Dive4live". Ich tauchte dort zum ersten Mal 18 Meter tief und entdeckte eine versunkene Stadt mit vielen Geheimgängen. Für weitere Freiwassertauchgänge fuhren wir zum Biebesheimer See. Dort war die Sicht nicht so gut, aber interessant war es doch. Auf einer Plattform sahen wir eine Schaufensterpuppe.

Ende August begannen Marko und ich mit dem theoretischen Unterricht bei Aquanaut in Darmstadt (einem Tauchzentrum, das die Wasserflöhe unterstützt). Der Unterricht war sehr interessant und ich lernte viel über die Ausrüstung, Tauchtechniken, Physik, Medizin, Navigation und die Tauchtabelle. Das war aber gar nicht so einfach und ich musste viel lernen. Ich war mir nicht sicher, ob ich die Prüfung (85 Fragen in 90 Minuten) schaffen würde. Aber dann war ich schon nach 60 Minuten fertig und hatte nur einen Fehler!

Marko war genau so glücklich wie ich, als er mir zur bestandenen Prüfung gratulierte. Als Belohnung bekam ich einen neuen Tauchanzug für den Urlaub im Roten Meer.
Dann kam auch noch ein Reporter vom Darmstädter Echo und interviewte uns. Als der Artikel "Auf der Suche nach dem Clownfisch" im Echo erschien, waren wir schon in Dahab in Ägypten und hatten nicht nur die Clownfische, sondern auch Adlerrochen, Blaupunktrochen, Stechrochen, Feuerfische, einen Napoleonfisch mit seinem Jungen, Papageienfische, Krokodilfische, Seepferdchen, Muränen, Seeschlangen und vieles mehr gesehen.
Die zwei fehlenden Tauchgänge für meinen Tauchschein machten wir gleich am ersten Tag. Das war schon was anderes, als im Schwimmbad oder im See! Die Unterwasserwelt in Ägypten ist wirklich wunderschön. Natürlich habe ich alle 24 Tauchgänge und sogar einen Nachttauchgang, der schon für meinen nächsten Tauchschein zählt, in mein Logbuch eingetragen.

Auf der Tauchbasis gab es keine Berührungsängste. Alle waren sehr nett zu mir und staunten, dass ich trotz Down-Syndrom einen Tauchschein habe. Wie immer habe ich auch in Dahab darauf geachtet, ob ich Menschen mit Behinderung sehe. Ich habe leider keine gesehen, obwohl sie dort sicher auch gerne Urlaub machen würden. Als Erinnerung schaue ich mir die vielen Fotos und den Film an - und träume von einem Urlaub mit allen Wasserflöhen in Ägypten!

[Info: Musik zum Video von Dreamweaver]

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?