Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mensch sein in Deutz

"Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!" Das Integrationsbistro "Buerger'z" im Kölner Stadtteil Deutz hat den Ausspruch des alten Goethe zum Leitmotiv und Programm erhoben. Im "Buerger'z" arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Sie bewirten Gäste aus dem "Veedel" (Stadtviertel) und kochen für Schulen und Kitas. Ich bin in den Küchenbereich vorgedrungen, habe mir das Integrationsbistro von innen angesehen und mit Geschäftsführer Peter Van de Moortel gesprochen.

Gemeinsame Arbeit in der Küche des "Buerger'z" buergerz-deutz.de

"Bei uns arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen. Einige mit Down-Syndrom, mit Lernbehinderung, aber auch Menschen mit körperlicher oder psychischer Behinderung", erklärt mir Van de Moortel. 16 Mitarbeiter in der Küche, im Service und in der Verwaltung zählt das 2008 gegründete "Buerger'z". Acht mit und acht ohne Behinderung. Von den nichtbehinderten Mitarbeitern haben einige eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit hinter sich. Außerdem absolvieren jährlich über 20 junge Menschen, oft aus Förderschulen oder aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, ein intensiv betreutes Praktikum im Betrieb. Das gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu erproben und einen ersten Schritt in die reguläre Berufswelt zu unternehmen. Auch die Berufsausbildung möchte Van de Moortel verstärken. "Vier bis fünf Ausbildungsstellen zum Restaurantfachmann bzw. -fachfrau könnten es schon werden", sagt er.

Expansion ist angesagt

"Wichtig ist uns, dass die Menschen, die hier arbeiten, zufrieden mit ihrer Arbeit sind. Und dann müssen natürlich auch die Zahlen stimmen. Das heißt, der Betrieb muss sich in wirtschaftlicher Hinsicht selbst tragen." Nach anfänglichen Schwierigkeiten tut er dies inzwischen. Die Anfragen von Kunden, Schulen und Kitas, sowie von Vereinen und Betrieben, die das Catering-Angebot nutzen möchten, nehmen stetig zu. Derzeit versorgt das Unternehmen 35 Kölner Kindertagesstätten und Schulen mit Mahlzeiten. "Wir sind inzwischen an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen", so Van de Moortel. Auch deshalb lautet das Ziel für die nahe Zukunft: Expansion! Van de Moortel plant, eine weitere Küche einzurichten, so dass mehr Schulen und Kitas beliefert werden und im Zuge dessen mehr gemeinsame Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung geschaffen werden können.

Höhenverstellbare Küche

Durchschnittlich 80 Personen kommen jeden Mittag zum Essen in das Stadtteil-Bistro. Bei schönem Wetter sind auch Terrasse und Biergarten geöffnet. Zwei warme, frisch zubereitete Mittagsmenüs zu erschwinglichen Preisen stehen täglich auf der Speisekarte. Nachmittags lockt das Bistro-Café mit Kaffeespezialitäten, belgischen Waffeln und Eis. Das bedeutet eine Menge Arbeit für den Küchenchef und seine Gehilfen. Hilfreich dabei ist der höhenverstellbare Küchenbereich, sodass auch Menschen mit Mobilitätseinschränkung problemlos den Kochlöffel schwingen können. Überhaupt wird Barrierefreiheit in dem Gebäude des "Zentrums für Bildung, Kultur und Integration", so der offizielle Name des gemeinnützigen Unternehmens, großgeschrieben: stufenloser Zugang, breite Türen für Rollstuhlfahrer und Aufzüge auf allen Ebenen. Das kommt auch den Bewohnern des Mehrgenerationenhauses zugute, welches im gleichen Gebäude angesiedelt ist.

Mehrgenerationenhaus und Circus

Möglich gemacht hat das alles das Bürgerzentrum Deutz, beziehungsweise die Mitglieder des Fördervereins. Ihr Engagement war die Initialzündung für das Bistro und den Integrationsbetrieb "Buerger'z". Die Grenzen zwischen Mehrgenerationenhaus, Integrationsbistro und den anderen Angeboten des Bürgerzentrums (etwa dem inklusiven Circusprojekt für 120 Kinder mit und ohne Behinderung) sind fließend. Man lebt und arbeitet hier zusammen. Das Deutzer Bürgerzentrum engagiert sich aber nicht nur für eine inklusive Arbeitswelt, sondern versucht auch, die Teilhabe für alle am gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben zu ermöglichen. Regelmäßig finden hier Stadtteilversammlungen, Vereinstreffen, Podiumsdiskussionen und Projekte für Jung und Alt, für Menschen mit und ohne Behinderung statt.


Linktipps:
Das Kölner Integrationsbistro "Buerger'z"
Das Bürgerzentrum Deutz in Köln
Teilhabe zwischen Töpfen und Tellern. Ein Blogbeitrag von Timo Klippstein über ein Beispiel gelungener Inklusion am Arbeitsplatz
Beruf inklusiv: Fester Job im Hotel. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über ein Netzwerk zur Eingliederung von Menschen mit Behinderung in der Ersten Arbeitsmarkt

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