Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Meine Erfahrungen bei der Jobsuche

von Carina Kühne

Weil ich unbedingt einen richtigen Beruf erlernen möchte, habe ich schon über einhundert Bewerbungen geschrieben. Leider bekomme ich meist Absagen oder gar keine Antworten. Deshalb habe ich schon viele befristete Praktika absolviert oder ehrenamtlich gearbeitet. Selbst in Einrichtungen, wo behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden, hört der Inklusionsgedanke offenbar mit der Kindergartenzeit auf. Auch Arbeitgeber, die selber Kinder mit Down-Syndrom haben, sind oft nicht bereit, einen Menschen mit Behinderung einzustellen. Einmal bekam ich zu hören: "Solange mein Kind keinen Arbeitsplatz hat, bin ich nicht bereit, jemanden mit Down-Syndrom einzustellen."

Während eines Praktikums in einer Arztpraxis war die Ärztin mit mir sehr zufrieden und stellte mir einen Ausbildungsplatz in Aussicht. Am Wochenende sah sie einen Film mit Bobby Brederlow. Leider erkannte sie nicht seine schauspielerische Leistung an, wie es sicher bei einem normalen Schauspieler der Fall gewesen wäre. Am Montag erklärte sie mir schließlich, dass sie mich leider doch nicht einstellen könnte - weil Menschen mit Down-Syndrom sich so unmöglich verhalten und deshalb untragbar seien…

Ich bekomme oft Anfragen, ob ich in Filmen oder bei Radiohörspielen mitmachen mag, in denen es um Behinderung geht. Da ich mich sehr für Inklusion einsetze und auch festgestellt habe, dass die Medien einen großen Einfluss haben, habe ich mich dazu bereit erklärt. Nach dem Casting heißt es oft: "Es tut uns leid, das klingt jetzt vielleicht doof, aber für unsere Zwecke bist Du leider nicht behindert genug!" Bewerbe ich mich um einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in der freien Wirtschaft, heißt es: "Mit dem Down-Syndrom sind Sie zu behindert." Aus lauter Frust und Betroffenheit habe ich nun einen Minijob angenommen.

Ich frage mich nur: "Wo bleibt da die Inklusion?"

Fernsehtipp

Auch die Sendereihe "Die Story" vom WDR beschäftigt sich mit der Frage des inklusiven Arbeitsmarktes. Ein Jahr lang wurden zwei Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg begleitet:
Die Story: Behindert - Was darf ich werden? Am Montag, 19. September um 22:00 Uhr im WDR

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