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Mein Weg nach Olympia

Niko von Glasow feiert mit seinem Film über die Paralympics am 15. Februar Weltpremiere auf den diesjährigen 63. Internationalen Filmfestspielen Berlin in der Filmreihe Berlinale Special. Am 13. Mai kommt der Film in die Kinos. Margit Glasow hat ihn schon gesehen.

Greg Polychronidis und Niko von Glasow bei den Dreharbeiten. Foto: IF Productions

"Ich finde Sport doof", betont der einzige deutsche Regisseur, der selbst mit einer Behinderung lebt, in seinem neuen Film "Mein Weg nach Olympia". Und fügt hinzu, dass es die Paralympics seiner Meinung nach nur deshalb gäbe, damit Menschen mit Behinderung wieder einmal beweisen könnten, dass sie "normal" sind.
Er will sich deshalb die Sache einmal genauer anschauen. Herausfinden, was die Motivation dieser Sportler ist, sich so zu quälen. Er will ein Stück von ihrem Alltag erzählen. An den Supererfolgreichen ist er dabei nicht interessiert. Auf seiner Reise rund um den Globus, auf der er Sportler aus den USA, Norwegen, Griechenland, Ruanda und Deutschland kennenlernt, und während der Paralympics in London erfährt er, dass diese Sportler eben Sportler sind, dass es auch ihnen nicht nur darum geht, dabei zu sein. "Ich bin froh, einer der besten Boccia-Spieler der Welt zu sein", erklärt ihm Greg Polychronidis aus Griechenland, der bis zum Hals gelähmt ist. Sein Ziel ist klar: Sieg. Und am Ende gewinnt er Gold.

"Es ist schön, berühmt zu sein"

Auch der armlose, waffenvernarrte Bogenschütze Matt Stutzman, der in seiner Heimat mit seinem Bogen auf die Jagd geht, behauptet: "Es ist schön, berühmt zu sein." Sie alle haben versucht, ihr Bestes in London zu geben, haben sich geschunden und sind bis an ihre Grenzen gegangen. Am Ende lagen Sieg und Niederlage dicht beieinander.
Dabei zeigt Niko von Glasow auf eine sehr einfühlsame Art und Weise, dass man, um sportliche Höchstleistungen zu erreichen, nicht nur Muskeln haben muss. "Du musst etwas innerlich überwinden, zum Beispiel Schmerz oder Angst. Ich denke heute, es ist der Wunsch nach Anerkennung, jeder auf seinem Gebiet: Diese große Motivation, der Beste sein zu wollen, ist bei allen gleich. Der Sportler will der Beste sein in seiner Disziplin – unabhängig ob mit oder ohne Behinderung. Genauso wie ich der beste Regisseur sein will." Und Greg, der Feingeist, gibt ihm recht: "Du kannst der ärmste oder behindertste Mensch sein, aber wenn du etwas gefunden hast, das dich glücklich macht, könntest du glücklicher als jeder andere sein."

Einfühlsam, authentisch, kritisch

Der Film "Mein Weg nach Olympia" wurde von Ingo Fliess mit IF Productions in Koproduktion mit Niko von Glasow und Florian Caspar Seibel, Palladio Films, sowie Helge Sasse, Senator Film Produktion GmbH und in Koproduktion mit WDR, SWR und NDR produziert. Regisseur Niko von Glasow (u. a. Deutscher Filmpreis 2009 für den Dokumentarfilm "NoBody's Perfect") beweist mit diesem Film erneut, dass er – aufgrund seiner eigenen Erfahrung mit einer Behinderung – dafür prädestiniert ist, Menschen mit Behinderung authentisch vor die Kamera zu holen. So bringt er in Berlin die einbeinige Schwimmerin Christiane Reppe beim Pfannkuchenbacken zum Nachdenken, als er sie wie nebenbei fragt, welche Probleme sie mit ihrer Behinderung habe. Ganz selbstbewusst erklärt die junge Frau ihm zunächst, dass sie eigentlich überhaupt keine Probleme habe. Doch sie denkt weiter darüber nach und erklärt ihm am nächsten Tag, dass es ihr schon wichtig sei, sich als die Starke zu verkaufen – weil nämlich nicht immer alles gut und einfach ist. Die ruandesische Sitzvolleyball-Mannschaft hingegen sieht Sport als Möglichkeit der Versöhnung in ihrem Land an. Aida Dahlen, die mit sechseinhalb Jahren vor dem Krieg in ihrer Heimat Bosnien fliehen musste und in Norwegen eine neue Familie fand – sie trainiert wie besessen und schaut immer wieder nach vorn, auch wenn es oft schwierig ist und am Ende nicht immer der Sieg wartet.

Durch Niko von Glasows liebenswerten, unverbrauchten Umgang mit den Sportlern und das kritische Hinterfragen ihrer Arbeit entstand ein vielschichtiges, sehr persönliches und wunderbar heiteres Porträt von Spitzensportlern, die allen körperlichen Grenzen zum Trotz Höchstleistungen erbringen.


Linktipps:
"Ich bin nicht für die totale Integration". Ein Interview mit Niko von Glasow über seinen Film "Mein Weg nach Olympia"
Wir wollen alle nur geliebt werden! Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über Niko von Glasows Film "Alles wird gut"
Theater inklusiv: Die Randgruppe in der Abstellkammer. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über Niko von Glasows Theaterstück "Alles wird gut"

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