Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mein Leben? Ein Abenteuer!

Diesmal: Duschen auf Umwegen

Vielleicht merkt man es an meinen Blogbeiträgen oder meinen Erzählungen bei einer Tasse Tee: Mein Leben ist nur selten langweilig. Man könnte sagen, mein Leben IST das Abenteuer selbst. Ich mag es so. Und dennoch muss ich, mitten im Abenteuer steckend, immer wieder mit dem Kopf schütteln und mich fragen, wie ich in diese Situation geraten konnte. Ich weiß, dass es auch diesmal gut gehen wird und ich mich schon ganz bald ins nächste Abenteuer stürzen werde. Oder fallen. Vielleicht werde ich aber auch geschubst, man weiß es nie so genau.

25. Juli: Ich war mal wieder urlaubsreif. Eigentlich bin ich immer urlaubsreif, insbesondere nach der großen anderStark-Vernissage musste ich mir einige freie Tage gönnen. Ich buchte beinahe willkürlich die Hotels in einigen Städten. Einzige Voraussetzung: rollstuhlgerechtes Zimmer. Der Rest wird schon klappen, hat ja immer irgendwie geklappt – und was soll schon bei einem 4-Sterne-Hotel passieren? Dachte ich.

Irgendwas ist immer

Ausgerechnet an diesem Tag waren die Temperaturen so angestiegen, dass ich nur noch an Wasser denken konnte. Ich hatte Durst und wollte duschen. Sofort! Angekommen im Zimmer ging meine mich begleitende Assistentin ins Bad. Wir verreisen oft zusammen und sagen vor jeder Reise nicht ironiefrei: „Mal sehen, was dieses Mal alles schief laufen wird.“

„Und?“, rief ich aus dem Zimmer. „Ist es sehr dramatisch?“ Sie schwieg. Also ja.
Ich bin es gewohnt, dass jedes Mal etwas „unperfekt“ ist. Entweder ist das Waschbecken zu hoch oder nicht mit dem Rollstuhl unterfahrbar, oder der Übergang zur Dusche hat eine kleine, aber eigentlich zu hohe Stufe, oder das Bett ist zu niedrig oder zu hoch, oder ... oder ... oder ... Die Liste könnte ich unendlich fortführen. Aber es waren immer Dinge, mit denen man sich anfreunden kann. Irgendwie.

Leichte Panik gemischt mit Verzweiflung

Ich fuhr ins Bad. Und ... schwieg. Ich starrte in die gleiche Richtung wie meine Assistentin und spielte nur eine Millisekunde mit dem Gedanken, die Koffer gar nicht erst auszupacken. Dann lachte ich. Meine Assistentin nicht, sie gucke immer noch auf die Badewanne. „Und was machen wir jetzt?!“, fragte sie, und ich hörte leichte Panik gemischt mit Verzweiflung in ihrer Stimme. Sie wollte mich nicht stinkend erleben, so viel war klar. Und ich habe keine Möglichkeit, in die Wanne zu kommen, so viel war auch klar.

„Entschuldigen Sie, ich glaube, da ist etwas schiefgelaufen ... Ich brauche eine Dusche ... und in meinem Zimmer ist nur eine Badewanne. Könnte ich das Zimmer wechseln?“

„Wir haben keine anderen Zimmer, das tut uns leid!“ Meine Augen wurden groß, meine Assistentin nervös, mein Puls blieb noch ganz ruhig. „Okay. Sie haben aber sicherlich einen Spa-Bereich, den ich nutzen könnte? Es ist Hochsommer, ich muss ja irgendwann duschen, Sie verstehen ...“ Ich grinste.

„Ja ... normalerweise schon ... nur wird dieser leider gerade umgebaut ... da können Sie nicht hin.“ Nun wurde auch der nette Herr an der Rezeption nervös. Gut so.

Okay. Was soll ich tun? Mir ein anderes Hotel suchen, oder helfen Sie mir beim Duschen?“ Manch einer mag das als einen Flirtversuch deuten, was aber nicht als solcher gemeint war. Ich bin lediglich immer lösungsorientiert.

„Ähm, ich würde gerne ...“ (Er flirtete mit mir!) „Zehn Minuten von hier ist das Tochterhotel von uns, dort können Sie den Spa-Bereich nutzen!“

Wird schon klappen, wie immer

Na, geht doch. Ich freute mich. Meine Assistentin schien etwas ruhiger, aber noch leicht nervös: „Und ... wie machen wir das dann?“ Ich wusste es auch noch nicht. Irgendwie wird das schon klappen, wie immer.
Hingegangen mit Vorfreude auf das Duschen, währenddessen verlaufen, der Spa-Bereich hatte schon zu. Wir gingen verschwitzt (also ich) essen, gut gelaunt trotz des Abenteuers. Aber nur weil ich wusste: In ein paar Stunden, dann kannst du duschen ...

Ich habe schon die lustigsten Duscherlebnisse gehabt: Im Keller, mit einem Gartenschlauch, auf einem Karton sitzend ... Macht nichts. Ich würde es jederzeit wieder tun! Ich liebe die kleinen Herausforderungen meines Alltags.

Ab geht's zum nächsten Dusch- und Abenteuerlevel! Ich werde berichten.


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