Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mehr vom Leben

Inklusiver Leseabend mit Texten von Menschen mit Behinderung

CD-Cover "Mehr vom Leben"

Ich war nicht der Einzige, dem das Wasser in den Augen stand und dem das Herz aufging, als Michael Haaga am Klavier sitzend sein Lied "Der Klang deiner Augen" in den hohen Raum der Bergerkirche in der Düsseldorfer Altstadt sang. "Der Klang deiner Augen ist ein zartes Geheimnis, das ich in all den Jahren nie richtig verstand", heißt es in dem Lied des blinden Sängers. "Mir ist es sehr wichtig, hier dabei sein zu können", sagte Haaga unter anhaltendem Applaus seiner Zuhörer. Auch sein Text, der von der Liebe zu seiner Frau und dem Aufdecken eines Geheimnisses handelt, wurde am Freitagabend in der Bergerkirche vorgelesen.
"Mehr vom Leben. Frauen und Männer mit Behinderung erzählen" – unter diesem Titel hatten der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm) e. V. und die KoKoBe Düsseldorf zu einem Abend mit Musik und Lesung aus dem gleichnamigen Buch eingeladen.

300 Texte voller Liebe, Hoffnung und Leid

Was bedeutet es, Frau zu sein, Mann zu sein und eine Behinderung zu haben? Wovon träume ich? Was ist mir wichtig? Wie steht es um soziale Kontakte, Liebe und Lust? Bin ich mit meiner Wohn- und Arbeitssituation zufrieden oder auf der Suche nach neuen Möglichkeiten?
Diesen und anderen Fragen widmeten sich Frauen und Männer mit Behinderung in ihren Texten. Im Frühjahr 2009 hatten der bvkm und die Aktion Mensch gemeinsam zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Jetzt wurde eine Auswahl der Texte dem Düsseldorfer Publikum präsentiert.
Anne Willeke, Moderatorin des Leseabends und Mitherausgeberin des Buches "Mehr vom Leben", sagt zurückblickend: "Wir waren überwältigt von der großen Resonanz auf unseren Aufruf und freuten uns am Ende über rund 300 eingereichte Texte."

"Nicht behindert sein ist kein Verdienst"

Es sind Texte von ganz großer Aufrichtigkeit und voller Hoffnung. Aber auch Texte, aus denen viel Leid und Verletzung spricht. So wie im Beitrag von Guido Blum mit dem Titel: "Ich habe eigentlich kein eigenes Leben mehr." Darin schildert er sein Leben nach einem Autounfall, bei dem er seinen besten Freund verlor und selbst schwerbehindert wurde. Der letzte Satz in seinem Text lautet: "Nicht behindert sein ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, dass uns jederzeit genommen werden kann!"
Warmherzig, gefühlvoll, entschlossen, manchmal kämpferisch kommen die Sätze der thematisch sehr unterschiedlichen Texte bei den Zuhörern in der Bergerkirche an. Vorgelesen von professionellen Stimmen wie der von Schauspieler Klaus Nierhoff. Julia Bertmann, eine junge Frau mit Down-Syndrom, schreibt in ihrem Beitrag: "Ich möchte so behandelt werden wie nichtbehinderte Menschen. Ich mag mich so wie ich bin. I am what I am. Ich lebe genau so wie nichtbehinderte Menschen." Und im Text von Lydia Vlainic, die an diesem Abend in der Bergerkirche anwesend ist und aus ihrem Leben erzählt, heißt es: "Ich bin eine lebenslustige Person, die gerne lacht und lebt. Ich versuche, das Positive zu sehen und das Beste aus dem Leben zu machen."

Wer nicht lesen will, kann hören

Eine Auswahl aller eingereichten Texte ist im BALANCE-Verlag als Buch erschienen. Auf 280 Seiten finden sich über 70 Geschichten und Erzählungen unterschiedlicher Länge. Das Buch kostet 14,95 Euro.
Außerdem liegt eine Hörbuchversion vor. Zahlreiche prominente Persönlichkeiten haben den Autorinnen und Autoren ihre Stimme geliehen. Marietta Slomka, Anne Will, Guildo Horn, Hella von Sinnen sind ebenso dabei wie Maite Kelly, Wolfgang Niedecken und viele andere.


Linktipp:
Augen zu und Ohren auf. Ein Blogbeitrag von Ulrike Pfaff über das Hörbuch "Mehr vom Leben"

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