Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mehr Leichte Sprache!

Foto: HDValentin / flickr.com

 

Prüferin für Leichte Sprache

Anita Kühnel ist 55 Jahre alt.
Sie arbeitet bei dem Verein "Mensch zuerst"
in Kassel.
Das ist ein Verein von und für Menschen
mit Lernschwierigkeiten.
Sie hilft mit, dass Menschen
mit Lernschwierigkeiten in
unserer Informations-Gesellschaft
nicht ausgeschlossen werden.

Das bedeutet:
Es gibt viele Informationen
in unserer Gesellschaft,
zum Beispiel:
in Zeitungen, Radio, Film,
Fernsehen und Internet.
Diese Informationen sollen auch Menschen
mit Lernschwierigkeiten verstehen können.

Was tut Anita Kühnel?
Anita Kühnel ist eine ausgebildete
"Prüferin für Leichte Sprache".
Sie prüft Texte, die von Schwerer Sprache
in Leichte Sprache übersetzt wurden.

Sie prüft:
Hat der Übersetzer alles richtig gemacht:

  • Gibt es schwere Wörter im Text?
  • Sind die Sätze kurz und sind die Sätze zu verstehen?
  • Kann man die Schrift gut lesen?
  • Fehlen Bilder oder Fotos, die den Text erklären?

Sie streicht im Text an,
wo noch etwas geändert
werden muss.

Auch wenn sich der Übersetzer viel Mühe gibt:
Nur Menschen mit Lernschwierigkeiten
selbst können sagen,
ob ein Text zu verstehen ist.

Lehrplan für Prüferinnen und Prüfer

Der Verein "Mensch zuerst" hat
einen Lehrplan für die Ausbildung von Prüfern für
Leichte Sprache entwickelt und getestet.

Das bedeutet:
Es wurde ein Plan gemacht.
In dem Plan steht,
was man für die Prüfung von Texten
wissen oder lernen muss,
um eine gute Prüferin
oder guter Prüfer zu werden.

Der Lehrplan macht die Schulungen für neue Prüferinnen und Prüfer leichter.

Wer hat mitgemacht?
Die Interessen-Vertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland ISL e.V. hat hierbei mit gearbeitet.
Das Projekt wurde vom
Bundes-Kompetenz-Zentrum Barriere-Freiheit BKB und dem Bundes-Ministerium für Arbeit und Soziales bezahlt.
Warum ist die Ausbildung wichtig?
Die Zahl der Übersetzungsbüros für
Leichte Sprache wächst.
Trotzdem gibt es noch viel zu wenig Prüferinnen und Prüfer.

Ricarda Kluge arbeitet als Übersetzerin und Unterstützerin für Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Sie meint: "Es geht nicht nur
um die Technik wie man prüft.
Es geht auch um Stärkung der Prüfer.
Damit die Prüfer sagen können:
Ich kann etwas nicht verstehen.
Ich bin nicht dumm.
Aber das ist Schwere Sprache."

Zu den Kursen für Prüfer
Die Nachfrage nach Ausbildungs-Kursen
für Prüferinnen und Prüfer ist groß.

Es gibt bisher zu wenige Kurse für Prüfer.
Die Kurse im Projekt sind leider ausgebucht.

Reicht das?

(Anmerkung:
Stefanie Wulff ist die Schreiberin
dieses Textes in Schwerer Sprache)

Stefanie Wulff findet es gut:

Besonders gut gefällt Stefanie Wulff,
dass es immer mehr ausgebildete Prüfer gibt.

Aber sie fragt sich:
„Ganz ehrlich, wird für Leichte Sprache
genug getan?“

Recht auf Leichte Sprache

In der UN-Behinderten-Rechts-Konvention steht:
Zum Recht auf Teilhabe
gehört das Recht auf Information.

Gar nicht lustig
Stefanie Wulff stellt sich vor:
Büchern, Zeitungen, Internetseiten und Wörter sind in einer Sprache geschrieben,
die sie nicht versteht.
Sie findet das gar nicht lustig:

Sie weiß: Man kann das nicht alles von
heute auf morgen ändern.
Aber man kann damit anfangen.

Ihr Vorschlag:
Man sollte die Leichte Sprache als formelle, dienstliche Sprache anerkennen (so wie die Gebärden-Sprache).
Die Verbreitung sollte vom Staat
stärker gefördert werden.

Denn davon profitieren alle
Beispiel:
Sie fragen beim nächsten Fußballspiel:
"Was bedeutet hier Abseits?"
Dann schauen Sie doch einfach in den Fußballregeln in Leichter Sprache nach.

Das Büro für Leichte Sprache
der Lebenshilfe Bremen hat die Regeln
für alle in Leichte Sprache übersetzt.
 
Übersetzerin:
Cordula Edler, Dipl. Soz.-Paed., Zell u. A.
PrüferInnen:
Chrissi Heer, Kuchen
Dominic Edler, Göppingen

Dieser Beitrag in Schwerer Sprache:

 
Anita Kühnel hilft mit, dass Menschen mit geistiger Behinderung in unserer Informationsgesellschaft nicht im Abseits stehen müssen. Die 55-Jährige arbeitet bei "Mensch zuerst", einem Verein von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Kassel. Durchschnittlich zweimal in der Woche ist sie damit beschäftigt, Texte in Leichter Sprache zu prüfen. Übersetzer haben die Texte zuvor bereits von "Schwerer" in Leichte Sprache übersetzt, so dass sie für Menschen mit Lernschwierigkeiten verständlich sind. Aber ist wirklich alles korrekt? Oder haben sich unverständliche Wörter eingeschlichen? Sind Sätze zu lang? Fehlen Bilder oder Fotos, die den Text erklären? Kann man die Schrift gut lesen? Anita Kühnel checkt das alles und kreuzt an oder schreibt an den Rand, wo noch etwas geändert werden muss. Sie ist eine ausgebildete "Prüferin für Leichte Sprache". So viel Mühe sich ein Übersetzer auch geben kann: Nur Menschen mit Lernschwierigkeiten selbst können beurteilen, ob ein Text am Ende auch verständlich ist.

Lehrplan entwickelt

Im Rahmen eines Modellprojekts hat der Verein "Mensch zuerst" kürzlich einen Lehrplan für die Ausbildung von Prüfern für Leichte Sprache entwickelt und erfolgreich getestet. Das Projekt wurde vom Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit BKB finanziert und in Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland ISL durchgeführt. Mittlerweile wächst zwar die Zahl der Übersetzungsbüros für Leichte Sprache. Prüfer gibt es aber noch viel zu wenige. Der Lehrplan macht Schulungen künftig leichter, in ihm sind die wichtigsten Regeln und Methoden beschrieben. Prüfer brauchen eine gute Ausbildung, weiß Ricarda Kluge, die als Übersetzerin und Unterstützerin für Menschen mit Lernschwierigkeiten arbeitet. "Es geht aber nicht nur um die Technik. Es geht auch um Stärkung, damit die Prüfer sagen können: Ich kann etwas nicht verstehen. Nicht, weil ich dumm bin. Sondern, weil es unverständlich ist." Die nächsten Kurse für Prüfer, die noch bis November 2012 laufen, sind bereits ausgebucht, die Nachfrage nach Kursen ist weit größer als das Angebot.

Reicht das?

Ich finde es gut, dass es inzwischen mehr Übersetzungsbüros für Leichte Sprache gibt und engagierte Gruppen wie "Mensch zuerst" oder das Netzwerk Leichte Sprache. Ich finde es auch gut, dass man beim Verlag Spaß am Lesen aus Münster Bücher und eine Zeitung in Leichter Sprache kaufen kann. Oder dass zumindest Startseiten von Websites übersetzt werden, hier und da auch einzelne Stadtführer, Infomaterialien oder behindertenpolitische Programme der Parteien. Und dass Übersetzungsbüros und Beratungsstellen zur Leichten Sprache finanziell gefördert werden, damit mehr Dokumente in Leichter Sprache angeboten werden können. Besonders gut gefällt mir, dass es mehr ausgebildete Prüfer gibt, die beurteilen können, ob etwas wirklich leicht verständlich ist. Aber ganz ehrlich: Reicht das aus?

Recht auf Leichte Sprache

Nimmt man die Behindertenrechtskonvention ernst, dann gehört zum Recht auf Teilhabe auch ein Recht auf Information. Ich fände es auch nicht lustig, wenn ich in meiner Welt zu 99 Prozent von Büchern, Websites, Zeitungen und Schriftzügen aller Art umgeben wäre, die ich nicht lesen könnte. Weil sie in einer Sprache geschrieben sind, die ich nicht verstehe. Natürlich kann man nicht von heute auf morgen alles ändern. Aber man könnte zum Beispiel damit anfangen, Leichte Sprache, ähnlich wie Gebärdensprache, als offizielle Sprache anzuerkennen und ihre Verbreitung – auch von staatlicher Seite aus – stärker zu fördern. Und es geht nicht "nur" darum, Menschen in die Mitte der Gesellschaft zu holen, wo sie hingehören. Wie man so schön sagt: Wir profitieren alle davon. Wenn Sie sich zum Beispiel beim nächsten Fußballspiel mal wieder fragen: Was war noch mal Abseits? Dann schauen Sie doch einfach in den Fußballregeln in Leichter Sprache nach, für alle übersetzt worden vom Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Bremen!


Mehr zum Thema:
Hurraki: Ein Wörterbuch in Leichter Sprache
Regeln für Leichte Sprache vom "Netzwerk Leichte Sprache" (PDF-Dokument)
Inhalte zum Thema Inklusion bei der Aktion Mensch
Leichte Sprache: Für mehr Verständnis. Ein Blogbeitrag von Heiko Kunert über die Entstehung von Texten in Leichter Sprache
Leichte Sprache: Nur für Menschen mit Handicap? Ein Blogbeitrag von Carina Kühne darüber, warum Leichte Sprache gut für alle ist


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Marie

Hallo! ich finde leichte Sprache toll. Und will in Zukunft in meinem Job auch so schreiben. Ich will auch gerne selbst Übersetzungen in leichte Sprache anbieten. ich habe eine 1-Frau-Agentur für Pressearbeit in München. Meine Frage: wo finde ich in München und Umgebung eine Ausbildung zur Übersetzerin für leichte Sprache?

Ich freue mich über Eure Tipps und Antworten! Vielen Dank, Marie

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