Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Master of Inklusion?

Geredet wird viel über die Chancen und Grenzen von Inklusion. Und von Kindergärten und Schulen wird erwartet, dass sie den Worten Taten folgen lassen – also sich für Kinder mit Behinderung öffnen. Aber: Einfach mal machen, und dann "learning by doing"? Das kann man zwar versuchen. Doch diese Devise behagt nicht allen Erziehern, Lehrern und Eltern.

Seminar an der Uni Hildesheim

Aus- und Weiterbildung in Sachen Inklusion ist zweifellos gefragt – und es scheint, als würde sich etwas tun auf diesem Markt. Ein Beispiel ist der berufsbegleitende Lehrgang "Fachkraft für Inklusion" für Erzieher, den das Kolping-Bildungswerk Köln im Herbst startet. Denn während in der Erzieher-Ausbildung der Umgang mit Kindern mit Behinderung nur gestreift wird, soll der Lehrgang die Möglichkeit geben, sich intensiv mit Theorie, eigenen Haltungen und Wahrnehmungen sowie mit Methoden aus der inklusiven Praxis zu beschäftigen.
Auch der berufsbegleitende Master "Inklusive Pädagogik und Kommunikation" der Uni Hildesheim will jene stärken, die bereits mitten im Berufsalltag stehen und inklusive Pädagogik umsetzen wollen. Lehrer und Schulleiter (die sich in der Regel im Rahmen ihres Pädagogik-Studiums nur punktuell mit Behinderung und Inklusion beschäftigt haben) erfahren hier viel Neues über Diagnostik, Selektion und Schulerfolg, über didaktische Konzepte, den Umgang mit Konflikten und wie sie ihre Schule in eine inklusive Schule verwandeln können.

Was ist wirklich neu?

So weit, so gut. Doch reicht die Idee von "Inklusion" aus, um gleich ganze Studiengänge zu begründen? Lernen die angehenden Lehrer zum Beispiel den Umgang mit heterogenen Gruppen oder Konflikten nicht auch in herkömmlichen Pädagogik-Studiengängen? Oder haben Marketing-Experten nur ein attraktives Label über das Studienprogramm geschrieben?
Die Uni Siegen jedenfalls nimmt für sich in Anspruch, mit dem Bachelor "Pädagogik: Entwicklung und Inklusion" etwas Neuartiges anzubieten, das sich gleichermaßen von den herkömmlichen Studiengängen Pädagogik, Sonderpädagogik und Soziale Arbeit unterscheidet: "Es handelt sich um einen pädagogischen Studiengang, der dennoch auf Benachteiligungen in unserer Gesellschaft blickt", stellt Sonja Köhler, wissenschaftliche Koordinatorin des Studiengangs, klar. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes Inklusion: Benachteiligung nicht allein aufgrund von Behinderungen, sondern auch aufgrund ausländischer Herkunft oder Alter. Ein zweites Charakteristikum ist, dass Facetten von Inklusion und Exklusion aus soziologischer, pädagogischer und psychologischer Sicht betrachtet werden. Und zum Studium gehört eine Praxisphase, die sich über drei von sechs Semestern zieht: Studierende erarbeiten Konzepte zur Inklusion an ihrem Einsatzort – wie Jugendhaus, Altenheim, Kindergarten, psychiatrische Klinik – und reflektieren Erfolge und Misserfolge sowie Unterschiede zwischen den Einrichtungen in regelmäßigen Treffen mit Kommilitonen und Professoren.

Den Blick öffnen

Den Blick für mehr als eine Gruppe zu öffnen: das ist wohl das verbindende Element solcher "Inklusions-Studiengänge", zu denen auch der Bachelor "Inklusive Frühpädagogik" an der Hochschule Emden/Leer sowie der Master "Soziale Inklusion: Gesundheit und Bildung" an der Evangelischen Fachhochschule Bochum zählen. Der Emdener Studiengang ist offen für Frauen und Männer, die bereits Berufserfahrung als Erzieher, Heilerziehungspfleger, Ergotherapeut oder Ähnlichem gesammelt haben und die auf die Arbeit in interdisziplinären Teams in Kitas vorbereitet werden sollen. Und auch hier geht es darum, nicht nur für die Belange von Kindern mit Behinderung zu sensibilisieren, sondern die Bedürfnisse von Kindern aus armen und/oder Migrantenfamilien wahrnehmen zu lernen. Für mehr "Interkulturelle Kompetenz" soll deshalb zusätzlich ein vierwöchiges Auslandspraktikum sorgen.
Neu ist dieser Studiengang übrigens nicht: Er startete schon 2004 mit den beschriebenen Inhalten, damals aber noch unter dem Namen "Integrative Frühpädagogik". Die Zeit war noch nicht reif für den Begriff Inklusion", sagt die Studiengangsverantwortliche Prof. Dr. Andrea Caby. Für die Zukunft hofft sie, dass der Begriff Inklusion gar nicht mehr notwendig sein wird, um einen Studiengang zu beschreiben – weil die Idee vom gemeinsamen Lernen bei gleichzeitiger Achtung der Vielfalt der Kinder dann selbstverständlich sein wird.

Weitere Kreise ziehen

Bis dahin ist es sicher gut und hilfreich, wenn der Begriff "Inklusion" im Aus- und Weiterbildungsangebot Aufmerksamkeit schafft und immer weitere Kreise zieht. Ob die einzelnen Angebote tatsächlich – dank der Aufhebung der Trennung zwischen Pädagogik und Sonderpädagogik in der Theorie und dank Praxisprojekten, die inklusiven Unterricht, Freizeitgestaltung und Gesundheitsversorgung versuchen – ausreichend für die Praxis qualifizieren, werden die Absolventen selbst am besten beurteilen können. Und an dieser Stelle dann hoffentlich von ihren Erfahrungen berichten ...


Die Aus- und Weiterbildungsangebote im Überblick:



Mehr zum Thema:
Wie kann eine "Schule für alle" wirklich funktionieren? Ein Blogbeitrag von Margit Glasow
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