Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Mal anders betrachtet

Heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Der Kurzfilm „46/47“ stellt die Welt auf den Kopf: „Normal“ ist, wer 47 Chromosomen hat.

Filmszene aus „46/47“: „Normal- und Anderssein“ Fotos: Heinze/Dietschreit

Am 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Das Datum hat Symbolcharakter: Drei mal 21 – bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosom dreifach vorhanden. Wie andere Welttage auch – etwa denen der „Pressefreiheit“, des „Wassers“, der „Jugend“ oder des „Flüchtlings“ – ist der Welt-Down-Syndrom-Tag von den Vereinten Nationen (UN) offiziell anerkannt.

An solchen Tagen steht ein besonderes Thema oder eine besondere Gruppe von Menschen im Fokus des öffentlichen Interesses. Die Facetten ihrer Besonderheit werden aus allen möglichen Winkeln medial beleuchtet. So auch am Welt-Down-Syndrom-Tag. Menschen mit Down-Syndrom fallen aufgrund ihrer typischen äußerlichen Merkmale sofort auf. Wie aber sieht die Welt aus ihrer Perspektive aus? Wie erleben sie ihren Alltag?
Diesen Perspektivwechsel wagt der Kurzfilm „46/47“. Für die Länge von acht Minuten stellt er die Welt und das Verhältnis von „Normal- und Anderssein“ auf den Kopf.

Wer 46 Chromosomen hat, ist behindert

Im Mittelpunkt des Films steht Daniel. Daniel ist anders als die anderen. Ihm fehlt etwas. Er hat nur 46 Chromosomen, alle anderen 47. Fast alle Menschen haben das Down-Syndrom, diejenigen, die nur 46 Chromosomen haben, gelten als behindert. So auch Daniel. Der Kurzfilm begleitet mit seiner fiktiven Handlung den „behinderten 46-Chromosomer“ in seinem Alltag: bei der Arbeit, wo er nicht ernst genommen wird; beim Bus fahren, wo er von allen angestarrt wird und auf dem Behindertensitz Platz nimmt; beim Einkaufen und zu Hause, wo er ständig von seiner überbehütenden Mutter angerufen wird ...
„Hast du dein Chromosom gefunden“, wird Daniel von einem im Hinterhof spielenden Kind gefragt. „Nein“, lautet Daniels Antwort. Und darauf das Kind: „Also bleibst du behindert?“

Was ist schon normal?

Der Kurzfilm „46/47“ bringt dem Zuschauer ins Bewusstsein, was es bedeutet, als Mensch mit Down-Syndrom zu leben. Die Macher des Films, Nadine Heinze und Marc Dietschreit, erklären auf ihrer Internetseite: „Durch die Umkehrung des Verhältnisses von Regel und Ausnahme entsteht für diejenigen, die sich als Teil der 'Norm' wahrnehmen, die Möglichkeit, die Gegebenheiten von einer anderen Position zu betrachten und der Frage 'Was ist normal?' einmal anders zu begegnen.“
Wenn das am Welt-Down-Syndrom-Tag gelingt, hat sich der Tag schon gelohnt.

Angucken ist toll, anstarren nicht gut

Bleibt die Frage: Wie sehen Menschen mit Down-Syndrom den Film? Die Redakteure des Magazins Ohrenkuss (alle mit Down-Syndrom) haben sich „46/47“ gemeinsam angesehen und anschließend darüber gesprochen. Redakteurin Marley Thelen beispielsweise findet es „toll, wenn jemand behinderte Menschen anguckt – aber anstarren finde ich nicht gut“. Das Magazin „Ohrenkuss ... da rein, da raus“ erscheint zweimal im Jahr und veröffentlicht ausschließlich Texte, die Menschen mit Down-Syndrom selbst verfasst haben. Hier sind ihre Eindrücke zum Film.


Linktipps:
Der Trailer zum Kurzfilm „46/47“ (Video)
Mehr Infos zum Kurzfilm „46/47“ auf Facebook
Der Kurzfilm „46/47“ kann auch als DVD bestellt werden
Was bedeutet eigentlich "geistig behindert"? Carina Kühne stellt sich diese Frage im Inklusionsblog
Down-Syndrom-Babys aussortieren? Ein Blogbeitrag von Ulrich Steilen über vorgeburtlichen Bluttest "PraenaTest"
Werden alle Menschen mit Handicap geduzt? Ein paar Gedanken von Carina Kühne im Blog über Achtung, Akzeptenz und den richtigen Umgang miteinander
 

Bisher hat noch kein Besucher diesen Beitrag kommentiert – mach du den Anfang!


Mit Aktion Mensch-Nutzerkonto

Melde dich an und diskutiere mit!

Als Gast

Gib deinen Namen oder ein Pseudonym sowie deine E-Mail-Adresse an und kommentiere als Gast:

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.


Filter

Schlagwort


Tags

In Vorfreude Gutes tun

Dein perfektes
Weihnachtsgeschenk

Ein Jahreslos der
Aktion Mensch

Jetzt Los kaufen

So kannst du beitragen

Freiwillig engagieren oder Projekt starten

Über Inklusion informieren

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen

Noch kein
Geschenk?