Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Lernen trotz Widerstand: Meine Schulzeit

von Carina Kühne

Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern mit Down-Syndrom wurde Carina Kühne von Anfang an der Besuch einer Regelschule ermöglicht. Was inklusiv klingt, stellte sich jedoch schnell als problematisch heraus: Carinas Lehrer verweigerten ihr, den gleichen Stoff wie ihre Mitschüler zu lernen – trotz gleicher Fähigkeiten.

Die meisten Kinder mit Down-Syndrom besuchen eine Sonderschule. Ich durfte eine Regelschule besuchen und bin immer gern zur Schule gegangen. Mir hat das Lernen viel Spaß gemacht und ich wollte auch so sein wie meine Klassenkameraden. In der Grundschule verhinderten meine Lehrer jedoch, dass ich den gleichen Stoff lerne, wie meine Mitschüler. Wenn ich die gleichen Aufgaben rechnete, wurden sie von meiner Lehrerin ausradiert. Sie sagte: "Du kannst das gar nicht können, Du hast ja das Down-Syndrom!" Ich wollte aber gerne lernen. Das war eigentlich ganz selbstverständlich für mich. Darum war ich sehr froh, dass ich regelmäßig von einem Klassenkameraden alle Aufgaben bekam, die meine Lehrer mir nicht geben wollten. So lernte ich zu Hause mit meiner Mutter und meiner Tante. Wenn ich krank war, brachten mir meine Schulfreunde die Aufgaben, die sie durchgenommen hatten, obwohl die Lehrerin es ihnen verboten hatte. In meinem Zeugnis stand, dass ich nach den Richtlinien und Rahmenplänen der Sonderschule unterrichtet wurde.

Mit meinen Mitschülern verstand ich mich sehr gut und wir spielten nachmittags miteinander. Als die Grundschulzeit zu Ende war, wollte ich auch in die Sekundarstufe am Ort wechseln. Meine Klassenlehrerin verhinderte das jedoch und ich bekam eine Zwangseinweisung in die Sonderschule. Darüber war ich sehr unglücklich. Meine Familie und ich wollten uns damit nicht abfinden und es gelang uns tatsächlich, eine Schule zu finden, in der ich zunächst die vierte Klasse wiederholen konnte. Nun durfte ich auch alles mitmachen und in meinem Zeugnis stand, dass ich lernzielgleich am Regelunterricht teilgenommen habe. Danach konnte ich auch in die Sekundarstufe wechseln und durfte lernen.

Natürlich ist auch manchmal eine Arbeit daneben gegangen, aber ich bin immer gut mitgekommen und war eine gute Schülerin. In Englisch, meinem Lieblingsfach, war ich sogar Klassenbeste und hatte als einzige eine Eins im Zeugnis. Ich schaffte einen guten Hauptschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 2,3.

Ich hatte Glück und hoffe, dass bald alle Kinder diese Möglichkeit bekommen. In der Sonderschule sind nur behinderte Schüler, in Inklusionsklassen gibt es behinderte und nicht behinderte Schüler und beide können voneinander lernen. Man lernt Toleranz und Rücksichtsnahme. Laut UN-Konvention haben auch behinderte Menschen das Recht, zu entscheiden, welche Einrichtung sie besuchen möchten.

Ich wünsche mir sehr, dass dieses Recht bald umgesetzt wird. Es gibt doch nur eine Welt und da gehören behinderte und nicht behinderte Menschen dazu.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf den Seiten zum Handlungsfeld Bildung.

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