Inklusion, Aktion Mensch-Blog

Kann Kunst die Gesellschaft verändern?

Der Film „Insider Art – Aus Liebe zur Kunst“ wirbt für ein neues, zeitgemäßes Verständnis für Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung in unserer Gesellschaft.

„Insider Art“: Filmszene mit der Künstlerin Alejandra Rubies

„Was mich behindert, ist nicht der Rollstuhl, sondern die Wirkung nach außen. Wenn ich meine Wohnung verlasse und auf andere Menschen treffe. Wenn man die Angst spürt, die von beiden Seiten kommt“, sagt Steffen Woischnik, einer der vier Protagonisten des Films „Insider Art – Aus Liebe zur Kunst“. Damit spricht er aus, worum es bei der Frage der Gestaltung einer inklusiven Gesellschaft geht. Nämlich um ein gleichberechtigtes Miteinander aller. Er betont aber gleichzeitig, dass wir davon noch weit entfernt sind. Dass es Ängste auf beiden Seiten gibt und dass wir uns aufeinander zubewegen müssen.

Inklusion in der Kunst

Doch gerade im Bereich der Kunst ist der Begriff der Inklusion noch immer so gut wie unbekannt. Wenn überhaupt, wird er mit Schule und Sport in Verbindung gebracht. Bea Gellhorn, Gründerin und Geschäftsführerin der Online-Galerie für Insider Art, erzählt, wie die Idee zu dem Film „Insider Art – Aus Liebe zur Kunst“ entstanden ist. Dass es darum geht, den Zuschauern auf anschauliche Weise die Kunst von Menschen mit Behinderung nahe zu bringen und dadurch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft für ihre Arbeit hervorzurufen. Dass gezeigt werden soll, zu welchen Leistungen Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung einerseits fähig sind, in welch schwierigen Situationen sie andererseits aber oft leben.

In der Mitte der Gesellschaft

Die virtuelle Galerie Insider Art engagiert sich seit 2007 ganz konkret für Kunstschaffende mit Behinderung, sie bietet ihnen Präsentationsmöglichkeiten, eröffnet Zugänge, will bestehende Barrieren und Vorurteile abbauen sowie ihre Arbeits- und Produktionsbedingungen verbessern. Dabei möchte die Galerie mit dem Begriff Insider Art einen Gegensatz zum ursprünglichen Begriff der Outsider Art schaffen, mit dem man die Kunst gesellschaftlicher Außenseiter wie zum Beispiel von geistig und psychisch behinderten Menschen bezeichnet. Insider Art hingegen meint eine Begriffserweiterung, sie will die Perspektive verändern, Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft holen – gleichberechtigt neben Kunstschaffenden ohne Behinderung. Dabei liegt der Fokus von Insider Art auf Künstlerinnen und Künstlern außerhalb von Einrichtungen, in denen die Kunstschaffenden doch mehr oder weniger einen geschützten Raum haben. Die etwa 50.000 Künstlerinnen und Künstler mit Handicaps in Deutschland aber, die trotz ihrer Behinderung versuchen, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen, haben es ungleich schwerer. Für sie ist es oft fast unmöglich, ein Bild zu verkaufen oder an Ausstellungen teilzunehmen. Einerseits, weil die Ausstellungsräume meist nicht barrierefrei sind, andererseits, weil die Vorurteile gegenüber Künstlern mit Behinderung von Seiten der Galeristen und anderer Verantwortlichen oft sehr groß sind. Da gibt es keine Chancengleichheit, keine Teilhabe, sondern eher eine große Verunsicherung. „So kommt bei den Künstlerinnen und Künstlern schnell der Gedanke auf: Ich habe sowieso keine Chance“, betont Bea Gellhorn. „Diese Barrieren abzubauen, daran arbeiten wir mit Insider Art.“

Motivation und Leidenschaft

Entstanden ist ein Kurzfilm – nicht über Behinderung, sondern über Kunst und die Bandbreite des Menschseins. Über Toleranz im Umgang miteinander, über kulturelle Vielfalt und Teilhabe. Der Zuschauer lernt in dem Film vier ganz unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten kennen, die wie über 200 weitere Künstlerinnen und Künstler in der Online-Galerie für Insider Art vertreten sind. Er erfährt, welche Motivation und Leidenschaft sie antreibt, was sie bewegt und was sie fordert, was sie vielleicht auch überfordert. Er taucht ein in eine Welt voller Leidenschaft für die Kunst, und vielleicht beginnt er zu fühlen und zu verstehen, was damit einhergehende Ausgrenzung und Stigmatisierung im Lebensalltag bedeuten.
Der 19-minütige Film wurde im August dieses Jahres fertiggestellt, tourt nun für ein Jahr durch Deutschland und wird in Organisationen, Unternehmen, Stiftungen sowie auf Kongressen und unterschiedlichsten Veranstaltungen gezeigt, um die inklusive Idee in die Gesellschaft zu tragen und Insider Art vorzustellen.
Im Internet wird der Film unter film.insiderart.de gegen eine Spende von 5 $ (3,76 Euro / 4.68 Sfr) für den jeweiligen Spender für 72 Stunden freigeschaltet. Nach einem Jahr wird der Film dann frei zugänglich sein. Zusätzlich gibt es eine Version für hörgeschädigte und gehörlose Menschen mit deutschen Untertiteln und eine Version mit englischen Untertiteln.


Linktipps:
Mehr Infos und Trailer zum Film „Insider Art – Aus Liebe zur Kunst“
Die Online-Galerie für Insider Art
Kurz-Doku über die blinde Malerin Silja Korn und den Begriff Insider Art mit Bea Gellhorn
Ich male, also bin ich. Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über das Malen durch Gedanken
"Ich sehe was, was du nicht siehst". Ein Blogbeitrag von Ulli Steilen über eine Kölner Ausstellung von Künstlern mit und ohne Behinderung
Ein Auftrag der besonderen Art. Ein Blogbeitrag von Eva Keller über die Künstler des "Atelier Goldstein"
Malen ist Hoffnung. Ein Blogbeitrag von Margit Glasow über Gestützte Kommunikation und Gestütztes Malen von Menschen mit Autismus

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