Freiwilliges Engagement

(K)ein Ehrenamt wie jedes andere

Tod und Sterben sind ständige Begleiter bei Birgits freiwilliger Tätigkeit. Sie besucht für einen Kinderhospizdienst einen Jungen, der unheilbar krank ist. Die freiwillig Engagierte ist das beste Beispiel dafür, dass es auch bei einer schwierigen Aufgabe viel zu lachen geben kann – wenn die nötige Abgrenzung gelingt.

Lachen und Spaß gehören mit dazu, wenn sich Birgit und Linus sehen. (Symbolfoto) CC BY 2.0 / David Goehring / Flickr

Am Anfang stand ein kleines Inserat in der Zeitung. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst in der Region Hannover (AKHD) suchte ehrenamtliche Verstärkung. Birgit (51), die gelernte Bürokauffrau, hatte zuvor ihre Schwiegermutter bis zu deren Tod begleitet. Sie hatte viel Zeit mit ihr verbracht, geredet, vorgelesen, Mut gemacht. Der Tod war längst kein Tabu mehr in der Familie. Birgit ist überzeugt: „Ich habe mich viel mit dem Thema Sterben beschäftigt und einen guten Umgang damit gefunden.“ Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass Kinder und Jugendliche sterben zu sehen eine viel schwierigere Aufgabe sein würde als die Betreuung der hochbetagten Schwiegermutter. Sie entschied sich für eine neue Herausforderung.

Seit inzwischen 3 ½ Jahren besucht sie nun den 13-jährigen Linus. Er wurde mit der seltenen Stoffwechselkrankheit Morbus Krabbe geboren. Inzwischen kann er nicht mehr gehen, auch nicht mehr sehen und sprechen und wird künstlich ernährt. Es ist ein Leben auf Abruf, das aber keineswegs nur aus Betroffenheit und Leid besteht. Birgit: „Linus hat unglaublich viel Humor und lacht viel.“

Wenn sie ihn – mal alle zwei Wochen, mal jede Woche – für drei bis vier Stunden besucht, sorgt sie mit kleinen Rollenspielen oder einem Vorlesenachmittag für Begeisterung. Sie schließt dort eine Lücke, wo die Kräfte seiner Mutter an ihre Grenzen stoßen.

Der AKHD Hannover hatte zuvor für eine solide Vorbereitung gesorgt. Birgit und die anderen freiwilligen Helfer wurden insgesamt 100 Stunden geschult – vor allem, was den Umgang mit den Kindern und Angehörigen angeht, aber auch rund um das Thema Tod und Sterben. Birgit: „Es ist ganz entscheidend, dass man lernt sich abzugrenzen und sich nicht zu überfordern. Auch wenn es drastisch klingt: Ein Nein gegenüber der Familie ist immer auch ein Ja zu sich selbst.“ Anfangs fiel ihr das gar nicht leicht, schließlich sind die Angehörigen in einer permanenten Ausnahmesituation und brauchen jede Unterstützung. Für Birgit war aber klar, dass Niemandem damit geholfen ist, wenn der Freiwillige von zu vielen Aufgaben überfordert wird und am Ende die Lust am Ehrenamt verliert.

Mit mehreren Angeboten unterstützt der AKHD Hannover seine Freiwilligen dabei, die Balance zwischen dem Engagement für Andere und der notwendigen Abgrenzung zu halten. Einmal im Monat findet ein verbindliches Gruppentreffen statt, dazu kommen vierteljährliche Supervisionen. Außerdem ist eine Koordinatorin jederzeit ansprechbar. Diese kümmert sich auch darum, dass die Freiwilligen in Familien eingesetzt werden, die wirklich zu ihnen passen.

Birgit jedenfalls fühlt sich gut gerüstet - für den Ehrenamts-Alltag ebenso wie für den Tag X, an dem Linus nicht mehr leben wird. Und so empfindet sie die Arbeit beim AKHD Hannover durch und durch als Bereicherung. Sie hat einen gelassenen Umgang mit dem schwierigen Thema Tod gefunden. Es ist in Familie und im Freundeskreis längst kein Tabu mehr. Davon profitieren alle.

Konkrete Hinweise zur Arbeit im Kinderhospizdienst finden Sie auf der Webseite des Deutschen Kinderhospiz-Vereins.

Möglichkeiten zum Engagement im Hospizdienst finden Sie in der Freiwilligendatenbank.

Der Beitrag erschien erstmals am 11.10.2013.

 

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